Verdächtiger mit rechtsextremem Hintergrund Generalbundesanwalt übernimmt Mordfall Lübcke

Ein Mann mit rechtsextremem Hintergrund steht im Verdacht, den CDU-Politiker Walter Lübcke ermordet zu haben. Nach SPIEGEL-Informationen fiel der 45-jährige Beschuldigte schon früher mit Straftaten auf.

Tatverdächtiger gefasst: Porträtfoto des erschossenen Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke
Swen Pförtner/ DPA

Tatverdächtiger gefasst: Porträtfoto des erschossenen Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke


Im Fall des erschossenen CDU-Politikers Walter Lübcke werden weitere Details über den Tatverdächtigen bekannt. Nach SPIEGEL-Informationen hat nun der Generalbundesanwalt die Ermittlungen übernommen - wegen der besonderen Bedeutung des Falls.

Demzufolge handelt es sich bei dem am Wochenende unter dringendem Tatverdacht Festgenommenen um einen 45-jährigen Mann aus Kassel, der zumindest in der Vergangenheit eindeutige Verbindungen in die rechtsextreme Szene hatte und im Umfeld der hessischen NPD aktiv gewesen sein soll.

Vor zehn Jahren wurde er zudem zusammen mit etwa 400 Autonomen Nationalisten in Dortmund von der Polizei festgesetzt. Die Rechtsradikalen hatten damals am 1. Mai eine Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DBG) attackiert, der jetzt im Fall Lübcke gefasste Mann gehörte damals zu den Beschuldigten. Er wurde wegen Landfriedensbruchs zu sieben Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Aus Sicherheitskreisen heißt es, er sei seit damals nicht mehr extremistisch aufgefallen.

Beamte des hessischen Landeskriminalamts untersuchen auf der Suche nach einem Motiv sowie möglichen Unterstützern und Netzwerken derzeit Computer, Smartphone und Unterlagen aus der Wohnung des Verdächtigen. Unklar ist, ob der rechtsextreme Hintergrund des Verdächtigen ein mögliches Motiv für den tödlichen Schuss auf den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke gewesen sein könnte. "Das muss noch erarbeitet werden", hieß es am Sonntag aus Sicherheitskreisen zu der Frage, ob es möglicherweise einen Zusammenhang mit dem Tatmotiv gebe.

Untersuchungshaft wegen Mordverdachts

Nach SPIEGEL-Informationen ist der Mordverdächtige der Polizei in der Vergangenheit mehrfach wegen Gewaltdelikten, Verstößen gegen das Waffengesetz, Eigentumsdelikten sowie gemeingefährlicher Straftaten aufgefallen. Ob er in diesen Fällen verurteilt wurde, ist bisher nicht bekannt. Der Name des Verdächtigen ist dem SPIEGEL bekannt. Um Ermittlungen nach möglichen Unterstützern oder Mitwissern nicht zu gefährden, hat sich die Redaktion auf Bitten der Ermittler entschieden, ihn auch in abgekürzter Form vorerst nicht zu veröffentlichen.

Die Staatsanwaltschaft Kassel war am Vormittag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Im Laufe des Tages wird mit einer Stellungnahme der Ermittlungsbehörden gerechnet.

Der Verdächtige war am frühen Samstagmorgen wegen Mordverdachts festgenommen worden - der Zugriff ging auf eine DNA-Spur zurück, die zu einem Treffer in einer Datenbank führte. Er wurde am Sonntag in Untersuchungshaft genommen, wie die Staatsanwaltschaft Kassel und das hessische Landeskriminalamt mitteilten.

Der 65-jährige Lübcke war in der Nacht zum 2. Juni gegen 0.30 Uhr auf der Terrasse seines Wohnhauses im hessischen Wolfhagen-Istha entdeckt worden. Er hatte eine Schussverletzung am Kopf und starb kurz darauf (mehr über den Fall lesen Sie hier). Nach seinem Tod hatte es im Internet hasserfüllte und hämische Reaktionen aus der rechten Szene gegeben.

mab/jdl/fis/wow/mxw

TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.