Markus H. Mitangeklagter im Mordfall Lübcke kommt frei

Er wird nicht mehr der Beihilfe zum Mord verdächtigt: Markus H., der Mitangeklagte im Fall Walter Lübcke, wird aus der Untersuchungshaft entlassen.
Markus H. im Gerichtssaal des Oberlandesgerichts Frankfurt

Markus H. im Gerichtssaal des Oberlandesgerichts Frankfurt

Foto: Thomas Kienzle/ dpa

Der im Prozess um die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke mitangeklagte Markus H. wird aus der Untersuchungshaft entlassen. H. sei "nicht mehr verdächtig, sich der Beihilfe strafbar gemacht zu haben", teilte das Oberlandesgericht Frankfurt am Main mit. Von der Aufhebung des Haftbefehls berichtete auch der Sender HR .

Es sei nicht mehr "in hohem Maße wahrscheinlich", dass H. "eine Tötung von Dr. Lübcke durch Stephan E. zumindest für möglich gehalten habe", hieß es in einer Mitteilung des Oberlandesgerichts. Diese Annahme sei zuvor auf die Angaben von Stephan Ernst und der ehemaligen Lebensgefährtin H.s zurückgegangen. Der Senat habe inzwischen "erhebliche Zweifel an der Richtigkeit" der Angaben Ernsts.

Darüber hinaus habe H.s. Ex-Freundin ihre Aussagen relativiert, außerdem gebe es Zweifel an der Glaubhaftigkeit ihrer Angaben im Ermittlungsverfahren. Stephan Ernst hatte im Prozess eingeräumt, Walter Lübcke erschossen zu haben. Er behauptet, gemeinsam mit Markus H. den Plan geschmiedet zu haben und mit ihm am Tatort gewesen zu sein. Beweise für seine Anwesenheit gibt es jedoch nicht. H muss sich jedoch weiter wegen eines Waffendelikts verantworten.

Entlassung für Lübckes Familie "kaum zu ertragen"

Die Familie Lübckes Lübcke kritisierte die Entlassung H.s aus der Untersuchungshaft indes als "kaum zu ertragen". Ein Sprecher der Familie Lübcke erklärte laut der Nachrichtenagentur AFP, die Angehörigen seien "fest davon überzeugt, dass die Tat von beiden Angeklagten gemeinschaftlich geplant und gemeinschaftlich verübt worden ist".

Es sei "sehr bitter, dass der von den Anwälten der Angeklagten herbeigeführte 'Geständniswirrwarr' zu dieser Entscheidung beigetragen hat - sie widerspricht der Überzeugung der Familie diametral", sagte der Sprecher.

Markus H. ist seit mehr als 25 Jahren ein in Nordhessen und den Sicherheitsbehörden bekannter Neonazi. Die Bundesanwaltschaft war davon ausgegangen, dass er der geistige Brandstifter gewesen sei und psychische Beihilfe zum Mord leistete. H. sollte demnach Ernst aufgewiegelt und angestiftet haben, bis der in der Nacht zum 2. Juni 2019 auf die Terrasse der Familie Lübcke im hessischen Wolfhagen-Istha ging und aus kurzer Distanz den Kasseler Regierungspräsidenten erschoss. 

bbr/AFP
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