Kriminalfall Lübcke Sanitäter soll Tatort verändert haben

Im Fall des getöteten Kasseler Politikers Lübcke könnten Spuren verwischt worden sein. Nach SPIEGEL-Informationen nahm ein Bekannter der Familie offenbar Veränderungen am Tatort vor.

Haus des erschossenen CDU-Politikers Walter Lübcke im nordhessischen Ort Istha
Maximilian Holscher/ SPIEGEL ONLINE

Haus des erschossenen CDU-Politikers Walter Lübcke im nordhessischen Ort Istha

Von und , Kassel


Der gewaltsame Tod des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke wirft weiter Fragen auf: Noch hat die 20-köpfige Sonderkommission keine belastbaren Hinweise, wer den tödlichen Kopfschuss in der Nacht zu Sonntag abgegeben haben könnte.

Der 65-jährige Lübcke war gegen 0.35 Uhr auf der Terrasse seines Hauses im nordhessischen Ort Istha von einem Angehörigen gefunden worden. Reanimationsversuche blieben erfolglos, etwa zwei Stunden später wurde im Krankenhaus der Tod festgestellt.

Laut "Bild"-Zeitung bemerkten Ermittler bei ihren Untersuchungen am Tatort "Manipulationen". Die Behörden äußerten sich dazu bisher nicht. Nach SPIEGEL-Informationen veränderte ein Sanitäter die Stelle, an der Lübcke gefunden wurde. Er soll auch ein Bekannter des Opfers sein. Wie genau er den Tatort "manipulierte", ist nicht geklärt. Der Verdacht liegt nahe, dass er einige Bereiche säuberte, um Angehörigen den schrecklichen Anblick zu ersparen. Die Kasseler Staatsanwaltschaft wollte sich auf Anfrage dazu nicht äußern.

Die Polizei geht davon aus, dass der CDU-Politiker mit einer Kleinkaliberwaffe erschossen wurde. Darauf lässt das gefundene Projektil schließen. Einen Suizid Lübckes schließen die Ermittler aus.

Walter Lübcke: Wer erschoss den CDU-Politiker?
Uwe Zucchi/dpa

Walter Lübcke: Wer erschoss den CDU-Politiker?

Die weiteren Untersuchungen könnten nach SPIEGEL-Informationen durch die Kirmes erschwert werden, die zwischen Donnerstag und Sonntag wenige Meter entfernt von Lübckes Haus stattfand. Die Ermittler könnten im Normallfall eine Funkzellenabfrage einleiten und überprüfen, wer zur Tatzeit vor Ort war. Fahnder können von den Netzbetreibern die Nummern und Verbindungsdaten von allen Handys anfordern, die zu einem bestimmten Zeitpunkt in einer Funkzelle registriert wurden.

Doch in der Tatnacht befanden sich Schätzungen zufolge sehr viele Handys in der Funkzelle. Der Veranstalter spricht von bis zu 2000 Besuchern an dem fraglichen Abend. Die Polizei müsste also erst einen Verdächtigen identifizieren und anhand der Abfrage prüfen, ob er sich zu dieser Zeit dort aufhielt.

Verbliebene Kirmes-Wagen in Istha
Maximilian Holscher/ SPIEGEL ONLINE

Verbliebene Kirmes-Wagen in Istha

Es bleiben viele Fragen: Warum hörte niemand den Schuss in dem idyllischen 650 Einwohner-Ort? Hatte Lübcke am Abend tatsächlich einen Gast, über den einige Medien berichten?

Am Dienstag befand sich am Haus des früheren Landtagsabgeordneten weiterhin eine Polizeistreife. Das Grundstück, das an eine Weide grenzt, ist abgesperrt. Anwohner und Mitarbeiter des Verstorbenen äußerten sich tief betroffen über den Tod des beliebten Politikers.

"Wir sind kollektiv unter Schock", sagt Michael Conrad, der seit der Amtsübernahme Lübckes im Jahr 2009 für ihn als Pressesprecher arbeitete. 1300 Menschen sind in der Behörde beschäftigt. "Wir versuchen uns abzulenken, aber es zieht einem immer wieder die Füße weg", sagt Conrad.



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