Rechtsextremist Tatverdächtiger bat Arbeitskollegen um Alibi

Der mutmaßliche Mörder von Walter Lübcke hat nach SPIEGEL-Informationen versucht, seine Rolle zu vertuschen - wird aber von weiteren Indizien schwer belastet. Im Internet drohte er, es werde "Tote geben".

Ermittler am Tatort in Wolfhagen-Istha (Archivbild)
Armando Babani/ EPA-EFE/ REX

Ermittler am Tatort in Wolfhagen-Istha (Archivbild)


Im Mordfall Walter Lübcke verdichten sich unabhängig vom Geständnis des Tatverdächtigen Stephan Ernst die Indizien, dass er den CDU-Politiker geplant getötet hat. So soll der 45-Jährige nach SPIEGEL-Informationen einen Arbeitskollegen um ein Alibi für die Tatnacht gebeten haben, falls die Polizei danach frage. Ernsts Lebensgefährtin hatte ihm kein Alibi gegeben.

Zudem war das Handy von Stephan Ernst in der Tatnacht über einen längeren Zeitraum ausgeschaltet. Die Ermittler werten das als konspiratives Verhalten.

Nach SPIEGEL-Informationen räumte der Rechtsextremist zudem in seiner Vernehmung ein, auf YouTube unter dem Nutzernamen "Game Over" Beiträge verfasst zu haben. So habe er sinngemäß online geschrieben, dass die Frage sei, "wann wir zurückschlagen" und davon gesprochen, dass es "viele Tote" geben könne. In einem anderen Forum schrieb er: "Entweder diese Regierung dankt in Kürze ab, oder es wird Tote geben."

Stephan Ernst hat gestanden, Walter Lübcke getötet zu haben. Über sein Motiv sagte Ernst nach SPIEGEL-Informationen, seine Tat sei eine Reaktion auf Lübckes Äußerungen über Flüchtlinge im Oktober 2015 im hessischen Lohfelden gewesen. Der CDU-Politiker hatte damals in der Debatte über Asylpolitik gesagt: "Da muss man für Werte eintreten. Und wer diese Werte nicht vertritt, der kann jederzeit dieses Land verlassen, wenn er nicht einverstanden ist. Das ist die Freiheit eines jeden Deutschen."

Ernst war nach SPIEGEL-Informationen bei der Bürgerversammlung, auf der diese Worte fielen, selbst anwesend. Der Verteidiger des 45-Jährigen war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. (Mehr über den Fall Lübcke erfahren Sie hier in der SPIEGEl-Titelstory.)

Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke war in der Nacht zum 2. Juni auf der Terrasse seines Wohnhauses im hessischen Wolfhagen-Istha niedergeschossen worden. Wegen der Tat sitzt der einschlägig vorbestrafte Rechtsextremist Stephan Ernst in Untersuchungshaft. Die Bundesanwaltschaft stuft das Verbrechen als politisches Attentat mit rechtsextremem Hintergrund ein.

Stimmenfang #103 - Rechter Terror? Die Konsequenzen aus dem Mordfall Lübcke

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