Trauerfeier für Walter Lübcke "Ein trauriger, schmerzlicher und kaum fassbarer Anlass"

Hunderte Trauergäste, darunter Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, haben an einem Gottesdienst für den getöteten Politiker Walter Lübcke teilgenommen. Die Tatumstände sind weiter unklar.

Volker Bouffier trauert um Walter Lübcke: "Er war beliebt, aber nicht beliebig"
Sean Gallup/Getty Images

Volker Bouffier trauert um Walter Lübcke: "Er war beliebt, aber nicht beliebig"


Volker Bouffier fand die passenden Worte: "Es ist ein trauriger, schmerzlicher und kaum fassbarer Anlass, der uns zusammenführt", sagte Hessens Ministerpräsident (CDU) in der Kasseler Martinskirche. Mehr als 1300 Menschen waren zusammengekommen, um bei einem Trauergottesdienst Abschied vom erschossenen Regierungspräsidenten Walter Lübcke zu nehmen. Man gedenke heute in erster Linie des Menschen Walter Lübcke, sagte Bouffier weiter: "Er war beliebt, aber nicht beliebig."

Lübcke war vor rund eineinhalb Wochen gestorben, kurz nachdem er schwer verletzt aufgefunden worden war. Wer ihn erschossen hat und warum, ist unklar. "Zur Grausamkeit der Tat kommt die Ungewissheit: Wer war es, der diesem Leben kaltblütig und hinterrücks ein Ende setzte?", sagte Martin Hein, Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Es sei kaum zu ermessen, was die Angehörigen hätten durchmachen müssen.

Zu den Spekulationen über die Tat seien Schmähungen und Hass aus dem Internet hinzugekommen. "Die Würde des Menschen, auch eines verstorbenen Menschen, muss unantastbar bleiben. Auch im Netz", sagte Hein. Im Internet hatte es nach der Tat hämische Kommentare, insbesondere von mutmaßlich rechtsextremen Nutzern gegeben, wohl weil Lübcke sich in der Vergangenheit für Flüchtlinge eingesetzt hatte. (Lesen Sie hier mehr zu den Hintergründen im Fall Lübcke.)

Trauerbeflaggung in Kassel

Polizei und Bundeswehr hielten am Sarg des Verstorbenen eine Ehrenwache. Auch die Familie des Opfers nahm an dem Gottesdienst teil. "Lieber Papa, wir müssen heute nach deinem unfassbaren Tod von dir Abschied nehmen", sagte Christoph Lübcke, einer der beiden Söhne des CDU-Politikers, in seiner Rede.

Getrauert wurde auch außerhalb Kassels. Die hessischen Regierungspräsidien und oberen Landesbehörden hatten Trauerbeflaggung gehisst.

Der 65-jährige Lübcke war in der Nacht zum 2. Juni auf der Terrasse seines Wohnhauses in Wolfhagen-Istha bei Kassel mit einer Schussverletzung am Kopf von seinem Sohn entdeckt worden. Er starb kurz darauf im Krankenhaus.

Die ermittelnde Sonderkommission rekonstruiere momentan den Ablauf der Tat, sagte ein Sprecher des Landeskriminalamts. Zudem würden 213 eingegangene Hinweise geprüft.

Anmerkung: Wir haben die Angaben zum Auffinden Lübckes präzisiert und klargestellt, dass der Politiker erst kurz darauf in einem Krankenhaus starb.

bbr/dpa



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