Ermittlungen im Fall Lübcke Festnahme am Hafen

Am Samstag wurde ein Mann im Kriminalfall Lübcke festgenommen - und kurz darauf wieder freigelassen. Wie ist der Stand der Ermittlungen?

Fährhafen Harlesiel: Festnahme im Fall Lübcke
Klaus Nowottn/ picture alliance

Fährhafen Harlesiel: Festnahme im Fall Lübcke


Was ist über den Polizeieinsatz am Wochenende bekannt?

Polizisten haben am Samstag einen Mann im niedersächsischen Harlesiel festgenommen, wie das zuständige Polizeipräsidium Nordhessen mitteilte. Beamte in Zivil hätten den Mann auf einem Parkplatz am Hafen angesprochen und in Gewahrsam genommen, sagte ein Sprecher des hessischen Landeskriminalamts. Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung von einem SEK-Einsatz an der Fähre nach Wangerooge berichtet.

Bei dem Festgenommenen soll es sich laut "Bild"-Zeitung und Hessischem Rundfunk um einen Sanitäter handeln, der als erster am Tatort war. Der Mann sei nach Kassel gebracht und dort vernommen worden. Dabei hätten sich "keine Anhaltspunkte, die eine Tatbeteiligung stützen," ergeben, hieß es in einer Pressemitteilung des LKA. Deshalb sei er am frühen Sonntagmorgen wieder entlassen worden. Zu der Frage, ob der Mann als möglicher Täter gilt und ob es weitere Verdächtige gibt, hält die Polizei sich bedeckt.

Was passierte am Tatabend?

Am Sonntag, 2. Juni, gegen halb eins fand Lübckes erwachsener Sohn seinen Vater mit einer stark blutenden Kopfwunde auf der Terrasse seines Hauses in Istha. Der Politiker starb in der Nacht nach erfolglosen Reanimationsversuchen in einem Krankenhaus. Den Ermittlern zufolge war er durch einen Schuss, der aus kurzer Distanz abgefeuert wurde, getötet worden; einen Suizid schließen sie aus. Nach SPIEGEL-Informationen soll die Stelle, an der der 65-Jährige gefunden wurde, verändert worden sein, möglicherweise durch den Sanitäter und Bekannten Lübckes, der am Wochenende vorübergehend festgenommen worden war.

Welche Rolle spielt ein Volksfest bei den Ermittlungen?

In unmittelbarer Nähe des Hauses des CDU-Politikers fand am Tatwochenende die Weizenkirmes statt. Medienberichten zufolge besuchten Lübcke und seine Frau die Veranstaltung am Samstagabend nicht, sondern passten auf ihr Enkelkind auf. Inzwischen gilt als gesichert, dass Lübcke den Abend zu Hause verbrachte. Bis ungefähr 23 Uhr soll er jedoch Besuch gehabt haben, mit dem Zeugen ihn auf der Terrasse gesehen haben wollen.

Einerseits hofft die Polizei auf Hinweise von Kirmesbesuchern zu der Tat, andererseits könnte die große Anzahl an Menschen im Umkreis des Hauses die Ermittlungen auch erschweren. So wäre eine Funkzellenabfrage - mit der überprüft werden könnte, wer zur Tatzeit vor Ort war - erst sinnvoll, nachdem ein Verdächtiger identifiziert wurde, denn es waren sehr viele Handys in der Funkzelle eingewählt. Mittlerweile gibt es 187 Hinweise aus der Bevölkerung, sagte ein LKA-Sprecher.

Welche Theorien zum Tatmotiv gibt es?

Zentral geht es um die Frage, ob es sich um eine Tat mit persönlichem oder politischem Motiv handelt. Lübcke hatte sich in der Vergangenheit für Flüchtlinge eingesetzt und erhielt in der Folge Morddrohungen aus der rechtsextremen Szene. Auch nach dem Tod Lübckes hatte es im Internet hämische Kommentare gegeben. Ebenso komme jedoch ein lange schwelender Streit als Motiv in Frage, hieß es aus Ermittlerkreisen. "Wir ermitteln in alle Richtungen", sagte die hessische LKA-Präsidentin Sabine Thurau nach der Tat. (Lesen Sie hier mehr zu den Verschwörungstheorien im Fall Lübcke). Das gelte nach wie vor, sagte der Sprecher des LKA. Man werde sich an Spekulationen in die eine oder andere Richtung nicht beteiligen.

bbr

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