Promi-Leibwächterinnen bei der EM "Frauen sind die besseren Bodyguards"

Sie tragen Stöckelschuhe, Perlenketten und Maschinenpistolen: In einem Wald bei Kiew werden ukrainische Polizistinnen zu Personenschützerinnen ausgebildet. Bei der EM bewachen die weiblichen Bodyguards Uefa-Funktionäre und Fußballer.

Maria Stahlberg

Aus Kiew berichtet André Eichhofer


Die sorgsam lackierten Fingernägel glänzen im Sonnenlicht. Katja, 25, eine zierliche Ukrainerin, perfektioniert ihre Tarnung, steigt in ihre Highheels und schlüpft in die türkisfarbene Bluse, um den Hals trägt sie eine Perlenkette. Darunter in einem Halfter eine schwarze Fort-12, Kaliber 9 Millimeter, eine Dienstwaffe der ukrainischen Polizei.

Schüsse hallen über das Gelände nordöstlich der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Umgeben von Wäldern trainiert hier eine Sondereinheit der Polizei für den Einsatz. Nur in Ausnahmefällen erscheinen die Angehörigen der Truppe in Uniform zum Dienst, denn im Einsatz tragen sie Hosenanzüge oder Minirock.

Frauen wie Katja werden bei der Einheit "Titan" zu Personenschützerinnen ausgebildet. Die weiblichen Bodyguards bewachen normalerweise Politiker und reiche ukrainische Geschäftsleute - wen genau, das dürfen sie nicht verraten. Während der Europameisterschaft aber, die am Sonntag mit dem Finale in Kiew ihren Höhepunkt erreicht, schützen sie Uefa-Funktionäre beim Besuch in der Ukraine, aber auch ausländische Fußballstars.

Viktoria, 24, steht am Schießstand. Nachdem sie das Magazin leergeschossen hat, steckt sie ihre Fort-12 unter das Jackett. Sie sieht jetzt so unscheinbar aus wie die Geschäftsleute, die sie normalerweise bewacht.

Die meisten Klienten sind Unternehmer

Viktoria hat nach der Schule an der Akademie des Innenministeriums Jura studiert. Statt eine Beamtenlaufbahn einzuschlagen aber wurde sie Leibwächterin. "Meine Eltern haben bei der Polizei gearbeitet, und ich wollte einen ähnlichen Job", sagt sie.

Ausbilder Alexander Tsaplija trainiert seit acht Jahren Personenschützer. "Frauen sind die besseren Bodyguards", sagt er. "Frauen reagieren schneller." Männer würden bei einem Angriff erst die beste Strategie überlegen, Frauen dagegen intuitiv handeln. Zudem ertrage das weibliche Geschlecht manche Marotte der Klienten besser. "Über 24 Stunden mit einem Fremden auf Schritt und Tritt zusammen sein ist eine große psychische Belastung", sagt der Ausbilder.

Wer aber sind die Klienten? "70 Prozent sind Unternehmer und deren Familien, der Rest Politiker, Beamte oder ausländische Staatsgäste", sagt Swetlana Wladimirowna, Sprecherin der Einheit.

Rund 200 Frauen bewerben sich jedes Jahr bei "Titan", sieben werden genommen, und entscheidend sei dabei "allein psychische Stärke", sagt Ausbilder Tsaplija. Ein Leibwächter müsse Gefahren im Voraus erkennen und in Extremsituationen handeln wie eine Maschine. Weder käme es auf ein schönes Gesicht an noch auf die Muskeln.

"Die Frauen wissen, dass im Einsatz ihr Leben auf dem Spiel steht"

Die 28-jährige Ludmilla demonstriert im Training, wie sie einen Angreifer zur Strecke bringt. Schreiend stürzt sich ein Mann mit Messer auf die Frau. Sie packt den Attentäter am Arm, schleudert ihn durch die Luft auf den Boden und hält ihm den Lauf ihrer Waffe an die Stirn.

Ludmilla war Lehrerin für ukrainische Sprache und Literatur, bevor sie bei "Titan" anfing. Sie lockte das Gehalt als Leibwächterin, Lehrer verdienen in der Ukraine kaum mehr als 250 Euro im Monat.

Katja, Ljudmila und Viktoria haben mehrere Mordanschläge auf Klienten vereitelt. Als vor zwei Jahren Auftragskiller das Büro eines Geschäftsmanns stürmten und ihn erschossen, starben auch zwei ihrer männlichen Kollegen. "Die Frauen wissen, dass im Einsatz ihr Leben auf dem Spiel steht", sagt Ausbilder Tsaplija. Auch beim EM-Finale in Kiew werden die Bodyguards im Einsatz sein.

Katja ist seit drei Jahren verheiratet. Sie sagt, ihr Mann habe sie bei der Berufswahl unterstützt, die beiden träumen von einer Familie. Mit mehr als einem Kind aber, so sind die Statuten der Truppe, müsste Katja den Dienst quittieren. "Die Familie", sagt "Titan"-Sprecherin Wladimirowna, "geht dann vor."



insgesamt 100 Beiträge
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Seite 1
Eviathan 26.06.2012
1. Latürnich
Frauen sind bekannter Maßen u. a. auch die besseren Fußballer. Solange sie unter sich bleiben und nicht gegen Männer antreten müssen, versteht sich... Nettes Gelobhudele, aber mir hat der Anblick von Frauen bei der Bundeswehr gereicht, das prägt fürs ganze Leben...
DJ Doena 26.06.2012
2.
---Zitat--- Frauen sind die besseren ... ---Zitatende--- *wirft sich in den Sand auf die Knie vor den perfekten Wesen namens Frau* "Wir sind unwürdig! Wir sind unwürdig!"
Niamey 26.06.2012
3. Leibwächter bei der EM
Zitat von sysopMaria StahlbergSie tragen Stöckelschuhe, Perlenketten und Maschinenpistolen: In einem Wald bei Kiew werden ukrainische Polizistinnen zu Personenschützerinnen ausgebildet. Bei der EM bewachen die weiblichen Bodyguards Uefa-Funktionäre und Fußballer. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,840845,00.html
Wieso müssen UEFA Funktionnäre bei der EM bewacht werden? Haben die etwa Dreck am Stecken?
No_Name 26.06.2012
4. -
Interessanter Artikel. Frauen sind also generell beser als Männer. Schon Muammar al-G. hat auf weibliche Leibwächter vertraut. Ende des Liedes ist bekannt ;) Einen zweite Gesichtspunkt lässt der Autor einfach unhinterfragt stehen: Offentsichtlich beschützt der ukarinische Staat im Schwerpunkt die "Buisness-Men" des Landes. In was für Geschäfte sind die wohl verstrickt? Zu guter Letzt: Diese Damen dienen einem Unrechtregime. Keine Kritik? Die Dienstwaffe wird ausführlich lobend zelebriert. Eine GK-Kurzwaffe in den Händen von Unrechtsschergen - den SPIEGEL störts nicht. In den Händen gesetztestreuer Bundesbürger wäre die Waffe eine Gefahr für den Weltfrieden!
shaco 26.06.2012
5. Erfahrung
...ich kenne einige Frauen die bei der Polizei arbeiten, daher kann ich den Beitrag leider nicht ernst nehmen!
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