Tod in bayerischem Kanal Vermeintliche Freunde ließen 22-Jährigen ertrinken – zu Haftstrafen verurteilt

Ein Betrunkener fiel in Bayern in einen Kanal und starb. Zwei Männer und eine Frau sind nun schuldig gesprochen worden, weil sie dem 22-Jährigen nicht halfen. Die Frau hatte stattdessen mit dem Handy draufgehalten.
Die Angeklagten im Gerichtssaal: Schlechte Verfassung dem Opfer anzusehen

Die Angeklagten im Gerichtssaal: Schlechte Verfassung dem Opfer anzusehen

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Ute Wessels / dpa

In spöttischen, spät am Abend verschickten Handynachrichten der vermeintlichen Freunde hieß es unter anderem: »Der ertrinkt gerade.« Und tatsächlich ertrank der 22-Jährige nach dem vorangegangenen Kneipenabend in einem Kanal in Weiden in der Oberpfalz – weil die drei jungen Erwachsenen ihm nicht halfen.

Das Landgericht Weiden hat die drei nun zu teilweise mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt. Zwei von ihnen sprach die Strafkammer wegen Aussetzung mit Todesfolge  schuldig. Ein 24-Jähriger, der einst beste Freund des Opfers, soll für fünfeinhalb Jahre in Haft. Eine 22-Jährige wurde zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Der dritte Angeklagte erhielt wegen unterlassener Hilfeleistung eine sechsmonatige Gefängnisstrafe, jedoch ausgesetzt zur Bewährung.

»Mir geht's so schlecht«

Der Vorsitzende Richter stellte detailliert dar, warum die Erwachsenen nicht nur eine moralische Schuld, sondern auch eine strafrechtliche tragen müssen. Seinen Worten zufolge hatte sich die Partynacht zur Tatnacht entwickelt, als die Bekannten das spätere Opfer aus einer Shishabar in Richtung eines Parkhauses brachten.

Er habe sich irgendwann nur noch schwer koordinieren können, mehrfach hätten sie ihn führen und von der Straße wegziehen müssen. Der 24-Jährige und die 22-Jährige unter den Angeklagten waren ebenfalls alkoholisiert. Der dritte Angeklagte war mit dem Auto da und später nicht direkt am Ufer bei dem Geschehen dabei.

Am Parkhaus verschwand der Mann, den sie aus der Bar brachten. Die Bekannten suchten ihn und hörten vom nahe gelegenen Kanal her Geräusche. Sie fanden ihn schließlich nass und wimmernd am Ufer. Die Frau hielt mit der Handykamera drauf. Auf einem Video ist das Lachen der jungen Frau zu hören.

Vom Ufer aus spricht sie der 22-Jährige an und sagt: »Mir geht's so schlecht.« Doch statt zu helfen, habe die Frau ein Video erstellen wollen, das man gut posten könne, so der Richter. »Denn das ist ja wichtig heutzutage.«

Unmöglich, die Gefahr nicht zu erkennen

Bei einem zweiten Filmchen zoomt sie den Betrunkenen heran, als er vergeblich versucht, sich aufzurichten und dann ins Wasser fällt. Seine schlechte Verfassung ist ihm anzusehen – nach Überzeugung der Richter war es unmöglich, die Gefahr nicht zu erkennen.

Sie gingen dennoch. Daraufhin schrieben sie sich die spöttischen Handynachrichten. Am Morgen versuchten sie ihren Bekannten zu erreichen: »Lebst Du noch?« Und: »Mach' keinen Scheiß«, tippten sie. Doch da war er bereits ertrunken.

Die Gruppe habe, indem sie den Mann aus der Bar führte, dessen Situation verschlechtert, begründete der Vorsitzende Richter den Schuldspruch. Die Nähe des Parkhauses zum Kanal habe eine erhöhte Gefahr bedeutet, zudem seien dort weniger Menschen gewesen, die hätten helfen können.

Die Strafkammer entschloss sich, den jungen Mann härter zu bestrafen als die Frau, weil dieser als einstiger bester Freund des Opfers ein erhöhtes Interesse daran gehabt haben müsste zu helfen.

Inzwischen haben die Verteidiger der beiden, die in ihren Plädoyers Freisprüche gefordert hatten, Revision angekündigt.

apr/dpa