Weltweite Ermittlungsverfahren Ermittler sprengen Kinderporno-Tauschbörse

Weltweit müssen mehr als 9000 Besitzer von kinderpornografischem Material mit Anzeigen rechnen: Ermittlern des LKA Stuttgart ist ein Schlag gegen eine Internet-Tauschbörse für entsprechende Filme gelungen. Erste Verdächtige wurden bereits festgenommen.


Stuttgart - Ermittler des Landeskriminalamtes (LKA) in Stuttgart haben eine Tauschbörse für kinderpornografische Filme gesprengt. Das LKA teilte mit, weltweit müssten mehr als 9000 Besitzer einschlägigen Materials mit Anzeigen rechnen. Die Fahnder hatten seit Mitte vergangenen Jahres eine Tauschbörse im Internet beobachtet.

Mit Hilfe der umstrittenen Vorratsdatenspeicherung der Internetanbieter stellten die Ermittler bundesweit rund 1000 Anschlüsse fest, über die kinderpornografische Darstellungen verbreitet wurden.

Die Beamten des "Arbeitsbereichs Internet Recherche" ließen in Deutschland 500 Computer, mehr als 43.000 Datenträger und rund 800 Festplatten beschlagnahmen. Darauf befänden sich auch Darstellungen schwerster sexueller Missbrauchshandlungen an Kleinkindern, hieß es weiter. Die größten Ermittlungserfolge gelangen in Nordrhein-Westfalen mit 283 Anschlüssen und in Niedersachsen mit 100 Teilnehmern. Die Auswertung sei noch nicht abgeschlossen. In einem Fall sei der sexuelle Missbrauch von Kleinkindern in Deutschland beendet werden, hieß es.

Die weiteren rund 8000 Anzeigen konnten an 91 Nationen, darunter die USA, Brasilien, Kanada und Neuseeland, weitergeleitet werden. Gegen die Tatverdächtigen im In- und Ausland gehen nun die für den jeweiligen Wohnort zuständigen Ermittler vor. Sie entscheiden auch über mögliche Anklagen, erklärte LKA-Sprecher Horst Haug. Nach ersten Rückmeldungen aus dem Ausland haben Ermittlungen dort zur Feststellung und Festnahme weiterer Täter geführt, wie die Behörde mitteilte.

Die Ermittler hatten ein knappes Jahr lang festgehalten, zu welchem Zeitpunkt von welchem Anschluss aus die Bilder über die Tauschbörse verbreitet wurden. Die jetzt aufgedeckten Fälle hätten daher mit den von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) geplanten Verboten und "Stop-Schildern" für Kinderpornografie auf Webseiten im Internet nicht verhindert werden können, sagte Haug.

"Das ist aber ein anderer wichtiger Baustein. Man muss dem Phänomen auf vielen Ebenen begegnen." Auf Verbreitung, Erwerb und Besitz von Kinderpornografie stehen in Deutschland drei Monate bis fünf Jahre Freiheitsstrafe und in schweren Fällen bis zu zehn Jahre Haft.

han/dpa/AP



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