29 Jahre nach der Tat Flugzeugentführer kehrt in die USA zurück

1984 soll William Potts ein Passagierflugzeug von New York nach Kuba entführt haben. Nach jahrzehntelangem Exil ist der mutmaßliche Luftpirat jetzt in die USA zurückgekehrt: Am Flughafen von Miami ließ sich der 56-Jährige festnehmen.

AP/ El Nuevo Herald

Miami/Havanna - US-Medien nennen ihn den "Homesick Hijacker": Fast dreißig Jahre nach der Entführung eines Verkehrsflugzeugs ist der mutmaßliche Täter in die USA zurückgekehrt und verhaftet worden. William Potts soll 1984 eine Maschine mit 57 Passagieren an Bord nach Kuba entführt haben. Seither hielt er sich auf der Karibikinsel auf. Zuletzt hatte er angekündigt, in die USA einreisen und sich den Behörden stellen zu wollen.

Nach seiner Landung in Miami am Mittwoch (Ortszeit) wurde Potts nach Angaben des FBI festgenommen. Vor der Ankunft sagte der 56-Jährige gegenüber CNN, der von ihm begangene "Terrorakt" habe ihn jeden Tag seines Lebens verfolgt. Er kehre in die USA zurück, weil ihm seine Familie fehle. Bei der Crew und den Passagieren wolle er sich zudem für seine Tat entschuldigen.

1984 hatte Potts nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft eine Pistole an Bord einer Maschine der Fluggesellschaft Piedmont Airlines geschmuggelt. Den Piloten zwang er demnach dazu, in Havanna statt wie geplant in Miami zu landen. Als militantes Mitglied der Bürgerrechtsbewegung Black Panthers hatte Potts nach eigener Aussage angenommen, er würde von den Kubanern als Held empfangen werden. Stattdessen wurde er verhaftet und wegen Luftpiraterie zu 13 Jahren Haft verurteilt.

Auf Kuba saß Potts die komplette Strafe ab. Später blieb er auf der Karibikinsel, heiratete und bekam zwei Töchter. Beide leben seit 2012 in den USA.

Auch in den Vereinigten Staaten droht Potts nun eine lange Haftstrafe. In Interviews drückte der 56-Jährige seine Hoffnung aus, die amerikanische Justiz werde die bereits in Kuba verbüßten Jahre im Gefängnis berücksichtigen. "Ich gehe davon aus, dass ich ein freier Mann bin", sagte er. "Ich habe meine Strafe abgesessen." Die US-Behörden hätten aber offenbar eine andere Sicht der Dinge. Er werde sich der Justiz unterwerfen, kündigte er an.

Am Donnerstag soll Potts vor einem Haftrichter erscheinen.

rls/dpa/AFP/AP



insgesamt 13 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
spon-1280943165745 07.11.2013
1.
Er wird hoffentlich schlau genug gewesen sein, vorab schon einen Deal mit dem Staatsanwalt abgeschlossen zu haben. Um eine Strafe in den USA wird er aber wohl nicht herumkommen. Ich kann mich noch an diese Zeit erinnern, es gehörte damals bald zum guten Ton ein Flugzeug ein Flugzeug nach Havana zu entführen. An manchen Tagen sogar mehrmals am Tag.
crimesceneunit 07.11.2013
2. falscher Fehler...
klar haben die ihre Sicht der Dinge! 3 x lebenslänglich + 40 Jahre + 30 Jahre... so sind sie - freier Mann war auf Kuba...
vantast64 07.11.2013
3. Er kommt vor einen patriotischen Richter,
damit hat er wie Snowden und andere Whistleblower keine Chance, er wird sehr lange brummen müssen.
johannes.kepler 07.11.2013
4. Flugzeuge entführen
Vantast64, Flugzeuge entführen und das Leben so vieler auf Spiel zu setzen ist einfach ein Verbrechen und sie muss dementsprechend bestrafft werden, ob der Richter Ihre oder eine andere Ideologie hat oder nicht.
nestormakhno 07.11.2013
5. Ne bis in Idem
In Europa ist man jedenfalls so weit ziviliziert, dass hier der Prinzip des "Ne bis in Idem " gilt. Das heisst, dass jemand der fuer eine Straftat verfolgt, verurteilt und seine Strafe abgesizt hat, nicht nochmals fuer denselben Straftat verfolgt werden kann. In der USA die bekanntlich mit Menschenrechten wenig am Hut hat, wird diesen Prinzip nicht anerkannt. Man verfolgt , verurteilt und sperrt aufs neue ein. Uebrigens nicht verwunderlich in einem Land, dass Todesurteilen kennt, lebenslange Einzelhaft, Einsperren ohne Anklage, ohne Prozess, Whistleblowers als Terroristen kwalifiziert, Entfuehrungen ( rendition ) fuer gerecht halt, aussergerichtliche Erschiessungen ( Dronemorden ) akzeptabel findet, die ganze Welt abhorcht und ausspioniert und ungerecht andere Laender angreift. Vietnam, Iraq. Fuer die EU bleibt die USA trotzdem ihre Verbundete und die EU ( ausser die BRD ) liefert ihre eigene Buerger an diesen Verbrecherstaat aus . Das Volk wird nicht gefragt. Wenn man mir fragen wuerde, ist die Antwort schon von vornherein klar. Abbrechen jegliche Verbindung mit - und totale Isolation dieses Verbrecherstaates
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.