Winnenden-Prozess Amokläufer kannte laut Polizei Tresor-Code nicht

Woher hatte der Amokläufer von Winnenden seine Munition? Für den Angeklagten Vater von Tim K. ist diese Frage "unerklärlich". Die Polizei ist sicher: Den Code zum Waffenschrank kannte der Junge nicht.

Stuttgart - Die Polizei legt sich fest: Der Amokläufer von Winnenden kannte den Code zum Waffenschrank seines Vaters nicht. "Wir gehen eher davon aus, dass sich Tim K. die Tatmunition zusammengesammelt hat", sagte der ermittelnde Beamte der Polizeidirektion Waiblingen, Thomas Neumann, am Donnerstag vor dem Landgericht Stuttgart, wo sich der Vater von Tim K. verantworten muss.

Am Tresor seien keine Spuren des Jungen gefunden worden, sagte der Ermittler aus. Hätte Tim K. Zugang zum Tresor seines Vaters gehabt, wären die Patronen wohl alle vom gleichen Typ gewesen, so seine Vermutung. Die Munition, die der Attentäter bei sich hatte - insgesamt 285 Schuss - habe jedoch aus verschiedenen Patronentypen bestanden. Bei der Durchsuchung des Wohnhauses hatte die Polizei mehr als 5100 Schuss Munition gefunden, 242 außerhalb des Tresors.

Vor Gericht wurde am Donnerstag auch das Vernehmungprotokoll des Vaters nach der Tat seines Sohnes verlesen. "Ich muss da rein, muss sehen, ob die Waffe im Schlafzimmer noch da ist", war demnach seine erste Reaktion, als er wenige Stunden nach der Tat zu seinem Haus kam. Nur er habe gewusst, dass sie im Schlafzimmerschrank hinter seinen Pullovern lag. Tim habe die Waffe im Schützenverein genutzt. "Er hat sie gleich gemocht", sagte der Vater laut Protokoll. Woher sein Sohn die Munition hatte, sei ihm "unerklärlich". Die identischen Codes von Tresor und Alarmanlage hätten seine Kinder nicht gekannt.

Hinweise auf eine psychische Erkrankung seines Sohnes habe er nicht gehabt. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass Tim K. laut seiner Schwester manisch-depressiv gewesen sein soll. Im Elternhaus sei allerdings nicht über seine Probleme gesprochen worden.

Bei dem Amoklauf von Winnenden und Wendlingen am 11. März 2009 hatte der 17-jährige Tim K. insgesamt 15 Menschen getötet und 13 verletzt. Der Vater muss sich seit dem 16. September vor Gericht verantworten, weil er die Tatwaffe unverschlossen im Schlafzimmer aufbewahrt und nicht wie vorgeschrieben weggeschlossen haben soll. Die Angehörigen der Opfer hoffen auf eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung.

aar/dpa
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