Winnenden Tim K. stellte Amok-Recherchen im Internet an

Der Columbine-Amoklauf, die Bluttat des Schülers Robert Steinhäuser in Erfurt: Tim K., der Attentäter von Winnenden, hat diese Vorfälle recherchiert, bevor er 15 Menschen und sich selbst erschoss. Das ergibt sich aus dem Ermittlungsbericht von Polizei und Staatsanwaltschaft.

Waiblingen - Vor dem Amoklauf von Winnenden und Wendlingen hat sich der Todesschütze Tim K. über ähnliche Taten im Internet informiert. Dies geht aus einem am Freitag von der Polizei und Staatsanwaltschaft in Waiblingen veröffentlichten Ermittlungsbericht hervor.

Eine Auswertung der Internet-Aktivitäten brachte Erkenntnisse, dass der Täter zu Amoktaten in den USA an der Columbine High School und in Deutschland am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt recherchierte.

Tim K. verbrachte den Ermittlern zufolge viel Zeit am Computer. Dort spielte er unter anderem Ego-Shooter-Spiele. Aufgrund der Computerauswertung gehen die Ermittler davon aus, dass er zuletzt am 8. März ein Ego-Shooter-Spiel zu Hause spielte. Bei dem Amoklauf am 11. März erschoss der 17-jährige Tim K. dann an der Albertville-Realschule in Winnenden und in einem Autohaus in Wendlingen insgesamt 15 Menschen und sich selbst.

Ermittlungen gegen Vater

Nach Angaben der Ermittler stand Tim K. nicht unter Drogen-, Alkohol- oder Medikamenteneinfluss. Ob der Todesschütze psychisch krank war, steht noch nicht abschließend fest. Entsprechende Krankenunterlagen müssten noch ausgewertet werden, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit.

Weil die Waffe nicht ordnungsgemäß aufbewahrt wurde, ermittelt die Staatsanwaltschaft auch gegen den Vater des Amokläufers. Gegen ihn wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Das Verfahren solle bist zum Herbst abgeschlossen werden, sagte Staatsanwältin Claudia Krauth.

Spekulationen, wonach Tim K. bei seinem Amoklauf in Winnenden die Waffe gezielt gegen Mädchen und Lehrerinnen seiner ehemaligen Schule richtete, womöglich aus Rache, wurden durch die Ermittler nicht bestätigt.

Demnach war es eher ein Zufall, dass im Kugelhagel am 11. März acht Schülerinnen und drei Lehrerinnen, aber nur ein Schüler ums Leben kamen.

Das Motiv des Täters ist weiter unklar. Tim K. sei in seiner Schule nicht gemobbt worden, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit.

pad/AP/dpa
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