US-Bundesstaat Wisconsin Polizisten nach Schüssen auf schwarzen Mann beurlaubt

Drei Monate nach dem Tod von George Floyd sorgt ein Polizeieinsatz, bei dem ein schwarzer Mann angeschossen wird, für Empörung. Die beteiligten Beamten wurden beurlaubt, in der Stadt herrscht Ausgangssperre.
Black-Lives-Matter-Proteste in Kenosha, nachdem ein schwarzer Mann von der Polizisten angeschossen wurde

Black-Lives-Matter-Proteste in Kenosha, nachdem ein schwarzer Mann von der Polizisten angeschossen wurde

Foto: Morry Gash / AP

Mehrere Schüsse in den Rücken eines Schwarzen bei einem Polizeieinsatz im US-Bundesstaat Wisconsin haben Entsetzen und Proteste ausgelöst. Die beteiligten Beamten wurden nach Angaben des zuständigen Justizministeriums beurlaubt. Die Ermittlungen laufen noch. Der demokratische Präsidentschaftsbewerber Joe Biden forderte eine sofortige, umfassende und transparente Aufklärung.

Nach übereinstimmenden Berichten von US-Medien hatten zwei Polizisten am Sonntag ihre Waffen auf den Mann gerichtet und mindestens sieben Schüsse auf ihn abgegeben, als er in sein Auto stieg. Im Internet gibt es dazu auch Videoaufnahmen. Nach offiziellen Angaben befindet sich der Mann in ernstem Zustand.

Söhne bekommen die Schüsse mit

Der Bürgerrechtsanwalt Ben Crump, der die Familie vertritt, gab den Namen des Mannes mit Jacob Blake an. Er berichtete, sein Mandant habe bei einem "häuslichen Zwischenfall" in der Stadt Kenosha schlichten wollen. Dann hätten die Polizisten ihre Waffen auf ihn gerichtet.

Zunächst sei Blake von einer Elektroschockpistole getroffen worden. Als er im Auto nach seinen Kindern habe sehen wollen, hätten die Beamten mehrere Schüsse in seinen Rücken abgegeben. Die drei Söhne hätten dies miterlebt.

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Ein Video, das Crump über Twitter verbreitete, zeigt, wie Blake um einen Wagen herumgeht, während ihm zwei Polizisten mit gezogener Waffe folgen. Als er die Wagentür öffnet und einsteigen will, schießt mindestens einer der Polizisten aus unmittelbarer Nähe auf ihn. Auf der Aufnahme sind sieben Schüsse zu hören und verzweifelte Rufe wie: "Lasst ihn gehen!"

Infolge des Polizeieinsatzes kam es in Kenosha zu Protesten und Ausschreitungen. Fotos zeigten ausgebrannte Autos und Müllwagen und beschädigte Gebäude. Für die Nacht von Montag auf Dienstag wurde eine Ausgangssperre verhängt.

In den USA war es seit Ende Mai vielerorts zu Massenprotesten gegen Rassismus und Polizeigewalt gekommen. Auslöser war der Tod des unbewaffneten Afroamerikaners George Floyd nach einem brutalen Polizeieinsatz in der Stadt Minneapolis im Bundesstaat Minnesota. Die Debatte spielt auch im US-Wahlkampf eine zentrale Rolle.

Biden erklärte dazu: "Das Land wacht wieder einmal mit Trauer und Empörung auf, dass ein weiterer schwarzer Amerikaner Opfer übermäßiger Gewalt geworden ist." Seine Vizekandidatin, Senatorin Kamala Harris, meinte auf Twitter: "Jacob Blake sollte gerade nicht um sein Leben kämpfen."

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Die Sprecherin des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, erklärte: "Wir sind es Jacob, seinen Kindern und allen schwarzen Amerikanern schuldig, der Rassenungerechtigkeit und der Polizeigewalt ein Ende zu setzen."

Das Justizministerium des Bundesstaats Wisconsin als leitende Ermittlungsbehörde kündigte an, innerhalb von 30 Tagen einen Bericht vorzulegen.

kfr/dpa
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