WM-Vorbereitungen Berliner Polizisten pauken Englisch

Die polizeiliche Vorbereitungen auf die Fußball-WM 2006 laufen in Berlin auf Hochtouren. Neben Anti-Hooligan-Strategien, der üblichen Gefahrenanalyse und Präventionsarbeit werden die Einsatzkräfte nun mit Crash-Kursen auch linguistisch auf WM-Niveau gebracht.


Berlin - Mario Lente, Polizeimeister vom Abschnitt 57 in Berlin-Friedrichshain, hat in der Schule nur Russisch gelernt. Das allerdings wird im Sommer nicht reichen. Deshalb sitzt er jetzt im schmucklosen Raum 103 der Polizeidienststelle Spandau und paukt "polizeibezogenes WM-Vokabular". Was heißt Kleinkriminalität ("small time crime"), Zivilfahrzeug ("unmarked car") und Zeuge ("witness") auf Englisch? Und wie erklärt man einem betrunkenen schwedischen Fan den Weg zum Stadion?

Ganze Berliner Polizeieinheiten lernen – genau wie die Taxi- und Busfahrer der Hauptstadt - seit Beginn des Jahres Englisch, um sprachlich gewappnet zu sein für die bevorstehende Konfrontation mit den ausländischen WM-Fans. Für viele von ihnen ist es der erste, intensivere Kontakt mit einer Fremdsprache. "Es kommt nicht darauf an, dass die Beamten grammatikalisch korrekt sprechen", sagt die ehemalige Schutzpolizistin und Polizeischullehrerin Claudia Ernst, "sondern darauf, dass man sie versteht."

Und das wird wöchentlich in Rollenspielen geprobt. Die dürften zur Zeit zu den vergnüglichsten Momenten der WM-Vorbereitungen gehören. Denn wenn Elke Schönert vom Abschnitt 32 - in der Rolle der Polizistin - der Kriminalbeamtin Ingeborg Thund, ebenfalls Abschnitt 32 – in der Rolle einer alkoholisierten Italienerin – auf Englisch erklären muss, dass sie das Endspiel verpasst hat ("Italy lost, Germany is Worldmaster") ist das ganz großes Polizei-Kino.

Ob Handtaschenraub, Verlust des Ausweises oder auch nur die Wegbeschreibung zum Stadion ("Take direction Pankow, first stop you must go out, then you can see the Schilder Olympiastadion") – die Berliner Polizisten geben zur Zeit alles, um ab Juni "die Welt zu Gast bei Freunden" begrüßen zu können, und zwar auf fast akzentfreiem Englisch. Eine besonders eifrige Abordnung fuhr dazu in der vergangenen Woche drei Tage nach London – um den Einsatz dort unter Live-Bedingungen proben zu können.

"Englisch für Polizisten" – SPIEGEL TV MAGAZIN auf RTL, Sonntag, 22 Uhr 35



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