Säureanschlag auf Manager »Es ist kein Zufall, wenn jemand zweimal am Sonntagmorgen in Haan beim Joggen überfallen wird«

2018 wurde Bernhard Günther mit Säure attackiert. Vor Gericht schildert er nun seinen Leidensweg – und äußert Vermutungen zum Auftraggeber hinter dem Anschlag.
Bernhard Günther: »Einer kam von hinten und hat mich geschubst, da bin ich dem anderen, der von vorne kam, in die Arme gestolpert«

Bernhard Günther: »Einer kam von hinten und hat mich geschubst, da bin ich dem anderen, der von vorne kam, in die Arme gestolpert«

Foto: Oliver Berg / dpa

Im Prozess wegen des Säureangriffs auf Bernhard Günther hat der Spitzenmanager vor dem Wuppertaler Landgericht selbst als Zeuge ausgesagt. Er vermute als Auftraggeber eine bestimmte Person aus seinem beruflichen Umfeld: »Es ist kein Zufall, wenn jemand zweimal am Sonntagmorgen in Haan beim Joggen überfallen wird.«

Er sei bereits sechs Jahre vor dem Säureattentat 2018 von zwei Männern überfallen worden. Damals habe er Fleischwunden und einen Beinbruch erlitten. Beide Überfälle hätten sich zudem in beruflichen Umbruchzeiten ereignet.

Es gebe nur eine Person, die sowohl 2012 als auch 2018 davon profitiert hätte, wenn er berufsunfähig geworden wäre. Er habe je eine Liste für beide Anschläge angefertigt. »Die Schnittmenge ist genau eine Person«, betonte Günther. Einen Namen nannte er nicht.

2012 sei der erste Anschlag erfolgt, kurz bevor er sein Amt als neuer RWE-Vorstand angetreten habe. Der zweite Anschlag sei nach der Gewinnwarnung von Innogy und dem Rauswurf des damaligen Vorstandsvorsitzenden erfolgt. Eine Woche später sei die geplante Übernahme von Innogy durch E.on bekannt gegeben worden.

Der 55-Jährige war am 4. März 2018 in der Nähe seines Hauses in Haan bei Wuppertal angegriffen und schwer verätzt worden. Die Täter hatten ihn mit hoch konzentrierter Schwefelsäure übergossen.

Angeklagter bestreitet die Tat

Nach dem ersten Anschlag habe er sich aus Sicherheitsgründen einer Laufgruppe angeschlossen. Beide Täter hätten sich im Gebüsch versteckt und ihn auf genau den 300 Metern abgepasst, die er allein unterwegs gewesen sei. »Einer kam von hinten und hat mich geschubst, da bin ich dem anderen, der von vorne kam, in die Arme gestolpert.«

Er sei überrascht gewesen, wie professionell, ja sanft er damals zu Boden gebracht und fixiert worden sei, sagte Günther. »Da wusste jemand, was er tat«, sagte Günther. Dann habe ihn ein Schwall Säure getroffen.

Angeklagt in dem Prozess ist ein 42-jähriger Belgier, dessen DNA am Tatort gefunden wurde. Der Mann bestreitet allerdings, etwas mit der Tat zu tun zu haben. Er behauptete, Handschuhe mit seiner DNA seien ihm gestohlen und dann am Tatort als falsche Fährte platziert worden.

Er erkenne den Angeklagten nicht wieder, sagte Günther, habe sein Gesicht am Tatort aber im Gegensatz zum zweiten Attentäter auch nicht gesehen. Dem anderen Mann habe er bei dem Attentat dagegen direkt ins Gesicht geschaut und ihn später auf Fotos wiedererkannt.

Günther: »Für die Transplantation der Augenlider mussten meine Augen für eine Woche zugenäht werden«

Der Verdächtige, ein Hobbyringer, war mangels ausreichender Beweise allerdings wieder freigelassen worden. Die Ermittlungen gegen ihn sind inzwischen eingestellt.

Das Attentat habe an seinem Körper zahlreiche Spuren hinterlassen, sagte Günther. Er habe ein halbes Dutzend Operationen über sich ergehen lassen müssen und noch ein halbes Dutzend Operationen vor sich.

Seine Augenlider und Teile seiner Gesichtshaut hätten transplantiert werden müssen. »Für die Transplantation der Augenlider mussten meine Augen für eine Woche zugenäht werden«, berichtete er über seinen Leidensweg. Er verlasse sein Haus nur selten ungeschminkt.

Der Prozess wird am 11. August fortgesetzt.

bbr/dpa
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