Tod von Dreijähriger Yagmurs Mutter wegen Mordes verurteilt

Die kleine Yagmur starb nach schweren Misshandlungen, mehr als 80 Verletzungen wurden festgestellt. Nun hat das Landgericht Hamburg die Mutter zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Auch der Vater muss hinter Gitter.
Yagmurs Eltern mit Verteidigern vor Gericht (Archiv): Tod eines Kleinkinds

Yagmurs Eltern mit Verteidigern vor Gericht (Archiv): Tod eines Kleinkinds

Foto: Daniel Reinhardt/ dpa

Hamburg - Fast ein Jahr nach dem Tod der dreijährigen Yagmur hat das Landgericht Hamburg die Mutter des Mädchens wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Der Vater, der das Kind nach Ansicht des Gerichts nicht vor den Misshandlungen der Mutter schützte, muss wegen Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen vier Jahre und sechs Monate ins Gefängnis.

Kurz vor Weihnachten 2013 war die dreijährige Yagmur in der Wohnung ihrer Eltern innerlich verblutet. Bei der Obduktion wurden neben einem Leberriss mehr als 80 Hämatome und Quetschungen sowie ein schlecht verheilter Bruch des Unterarms festgestellt. Gefühllos, kalt und ohne Mitleid habe die 27-Jährige ihr Kind immer wieder geschlagen, getreten, gekniffen und fest angepackt, hatte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer gesagt.

Die Staatsanwaltschaft hatte gefordert, dass bei der Mutter die besondere Schwere der Schuld festgestellt wird. Dem folgte das Gericht allerdings nicht. Damit kann die 27-Jährige auf eine Entlassung nach 15 Jahren hoffen.

Das Verfahren sei für das Gericht stärker als andere Prozesse bedrückend und belastend gewesen, sagte der Vorsitzende Richter Joachim Bülter. "Dies vor allem angesichts des Ausmaßes, in dem Yagmur gelitten hat."

Der Richter ging auch auf einen Bericht der Jugendhilfe ein, in dem zahlreiche Fehlentscheidungen und Nachlässigkeiten der Behörden aufgelistet sind. Die Summe der Unzulänglichkeiten hätte dazu geführt, dass Yagmur nur drei Jahre und zwei Monate alt geworden sei. Das sei beschämend.

Yagmur war seit ihrer Geburt vom Jugendamt betreut worden. Bereits im Januar 2013 wurde sie nach Misshandlungen im Krankenhaus behandelt. Ein Rechtsmediziner erstattete Anzeige, die Staatsanwaltschaft ermittelte. Weil die Pflegemutter des Kindes angab, sie sei möglicherweise für die Verletzungen verantwortlich, gab das Jugendamt das Kind an die leiblichen Eltern zurück. Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen im November 2013 schließlich ein. Wenige Wochen später war Yagmur tot.

Ein Untersuchungsausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft will seinen Abschlussbericht zu dem Fall am 18. Dezember vorlegen.

hut/dpa
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