Kindesmisshandlung Bericht listet Behördenfehler im Fall Yagmur auf

Die kleine Yagmur wurde von ihrer Mutter monatelang misshandelt, bis sie starb. Und das, obwohl sie unter der Aufsicht des Jugendamtes stand. Jetzt benennt der Bericht des Untersuchungsausschusses die Versäumnisse der Behörden.

Grab von Yagmur: Zahlreiche Versäumnisse der Behörden
DPA

Grab von Yagmur: Zahlreiche Versäumnisse der Behörden


Hamburg - Genau ein Jahr nach dem Tod des dreijährigen Mädchens Yagmur in Hamburg hat der Parlamentarische Untersuchungsausschuss seinen Abschlussbericht zu dem Fall verabschiedet. Darin werden zahlreiche Versäumnisse der Behörden im Umgang mit dem Kind aufgezeigt. Yagmur stand von Geburt an unter der Aufsicht der Jugendämter. Dennoch wurde das Kind von seiner Mutter über viele Monate so schwer misshandelt, dass es schließlich starb.

Für den Abschlussbericht stimmten am Donnerstag die Vertreter von SPD, CDU, Grünen und FDP, die Linke nahm nicht an der Abstimmung teil. Über die Konsequenzen aus den Ermittlungen sind sich die Fraktionen uneins. Neben der CDU kündigten auch Grüne, Linke und die FDP Minderheitenvoten an, die der Bürgerschaft zusammen mit dem Bericht übermittelt werden. Der Abschlussbericht soll erst dann öffentlich zugänglich sein.

Die wichtigsten Erkenntnisse des Berichts

Die wichtigsten Erkenntnisse des 500 Seiten starken Berichts sind:

  • Yagmur stand zwar von Geburt an unter der Aufsicht der Jugendämter. Der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) verlor jedoch bald den Überblick über die Ereignisse. Die Informationsweitergabe war mangelhaft und führte zu Fehlentscheidungen.
  • Es gab individuelle Fehlleistungen. Im Sommer 2013 übernahm eine ASD-Mitarbeiterin den Fall, die noch in der Einarbeitung war. Unterstützung durch eine erfahrene Fachkraft erhielt sie nicht.
  • Schutzmaßnahmen wie der angeordnete Kita-Besuch und die Betreuung durch eine Familienhilfe wurden nicht eingehalten.
  • Die Mitteilung der Staatsanwaltschaft über die Einstellung der Ermittlungen gegen die Pflegemutter und die leiblichen Eltern im November 2013 wurde falsch eingeschätzt. Der ASD erkannte nicht, dass damit das Kind weiter in Gefahr war.
  • Auf einer Besprechung des ASD am 4. Dezember 2013, zwei Wochen vor Yagmurs Tod, wurde die letzte Chance zur Rettung des Kindes vergeben. Die staatsanwaltschaftliche Mitteilung, die die schwere Misshandlung des Kind feststellte, wurde nicht zur Kenntnis genommen.
  • Die Staatsanwaltschaft ermittelte nach der Anzeige eines Rechtsmediziners nicht intensiv genug. Sie lud Yagmurs Mutter zweimal vor, um sie zu den Misshandlungsvorwürfen zu befragen. Da sie nicht erschien, wurde dies als Aussageverweigerung gewertet und nicht weiter nachgehakt.

Noch im Januar soll das Parlament über den Bericht beraten. Einer der Hauptstreitpunkte zwischen SPD und Opposition war die Bewertung des Personalmangels beim ASD.

Juristisch ist der Fall Yagmur weitgehend aufgearbeitet. Das Landgericht Hamburg hatte Yagmurs Mutter Ende November wegen Mordes zu einer lebenslangen Haft verurteilt, das Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig. Der Vater des Mädchens muss für viereinhalb Jahre ins Gefängnis, weil er sein Kind nicht schützte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit auch gegen mehrere Mitarbeiter von Behörden wegen Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht.

Zuletzt hatten jedoch sowohl Anklage als auch Verteidigung gegen das Urteil gegen die Mutter Revision eingelegt.

mka/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.