Zimmermädchen gegen Strauss-Kahn "Ich will, dass er ins Gefängnis geht"

Erst schwieg sie wochenlang, nun äußert sie sich erstmals konkret: Das Zimmermädchen und mutmaßliche Vergewaltigungsopfer im Fall Dominique Strauss-Kahn schildert in einem Interview minutiös, was in dem New Yorker Hotel geschehen sein soll - obwohl das Verfahren gerade erst begonnen hat.

Strauss-Kahn: Opfer oder Täter?
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Strauss-Kahn: Opfer oder Täter?


New York - Zwei Monate lang hat sie geschwiegen und Interviews kategorisch abgelehnt. Nun hat Nafissatou Diallo ihre Version der Ereignisse erzählt. Sie ist die Frau, die den ehemaligen Chef des Internationalen Währungsfonds Dominique Strauss-Kahn beschuldigt, sie in Suite 2806 des New Yorker Hotels Sofitel sexuell missbraucht zu haben. In dem Gespräch mit dem amerikanischen Nachrichtenmagazin "Newsweek" bekräftigte die 32-Jährige ihre Vorwürfe und sagte, DSK habe "wie ein verrückter Mann" auf sie gewirkt.

"Ich hatte solche Angst", sagte die im westafrikanischen Guinea geborene Frau, die laut "Newsweek" weder lesen noch schreiben kann. Dann schilderte sie die mutmaßliche Tat minutiös. Obwohl das Verfahren gegen Strauss-Kahn bereits läuft, veröffentlichte "Newsweek" in der Titelgeschichte die Version Diallos im Stil einer Zeugenaussage und in wörtlicher Rede.

Sie habe das Hotelzimmer betreten und gesagt: "Hallo, Zimmerservice." Dann habe sie sich von dem kleinen Vorraum aus umgeblickt und das Schlafzimmer sehen können. Plötzlich sei ein nackter Mann mit weißen Haaren aufgetaucht. Sie habe gesagt "Oh mein Gott, es tut mir leid" und gehen wollen. "Das muss Ihnen nicht leid tun," habe Strauss-Kahn gesagt. Auf sie habe er "wie ein Verrückter" gewirkt, nach ihren Brüsten gegriffen und die Tür zugeschlagen.

"Ich weiß, was mir dieser Mann angetan hat"

"Sie sind wunderschön", habe Strauss-Kahn gesagt und sie ins Schlafzimmer gedrängt. "Ich sagte: 'Sir, hören Sie auf. Ich will meinen Job nicht verlieren'", so schildert Diallo die Situation weiter. Er habe entgegnet: "Sie werden Ihren Job nicht verlieren." Dann habe er sie "hart auf das Bett" geworfen und versucht, seinen Penis in ihren Mund zu stecken.

"Ich weiß, was mir dieser Mann angetan hat", sagte die junge Frau den "Newsweek"-Reportern. "Ich will, dass er ins Gefängnis geht. Ich will, dass er weiß, dass es Orte gibt, an denen ihm seine Macht, sein Geld nichts nützt. Gott möge ihn strafen", sagte sie. "Wir sind arm, aber wir sind rein. Ich denke nicht an Geld."

Diallo sagte auch, sie wolle gegen die falsche Darstellung ihrer Person vorgehen. "Wegen ihm nennen sie mich eine Prostituierte." Sie hat bereits die Zeitung "New York Post" verklagt. In dem Blatt hatten anonyme Quellen behauptet, Diallo habe Sex gegen Geld angeboten.

Strauss-Kahn ist nach seiner Einzelhaft und den Wochen in strengem Hausarrest seit drei Wochen auf freiem Fuß, weil es erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit Diallos gibt. Sie soll mehrfach gelogen und versucht haben, aus ihren Vorwürfen Geld zu schlagen. So soll sie mit einem Häftling telefoniert haben, von dem sie etwa 100.000 Dollar auf ihrem Konto geparkt haben soll. Sie selbst hatte sich dagegen als mittellosen, gottesfürchtigen Flüchtling dargestellt.

Strauss-Kahns Verteidiger behaupten, es habe Sex gegeben, der aber einvernehmlich gewesen sei. Diallo sei "die erste Klägerin in der Geschichte, die eine Medienkampagne dirigiert, um die Strafverfolger dazu zu bringen, den Mann anzuklagen, von dem sie Geld will", sagten die Anwälte am Sonntag dem amerikanischen Fernsehsender CNN.

Anmerkung der Redaktion: In der ersten Version dieses Artikels hieß es, der Prozess gegen Dominique Strauss-Kahn habe bereits begonnen. Tatsächlich läuft bisher aber erst das in den USA übliche Vorverfahren vor Gericht. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

jbr/dpa

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Seite 1
husker 25.07.2011
1. ...
An diesem Interview sieht man nur, wie verzweifelt die Nebenanklage schon ist. Man versucht jetzt durch ein Interview, das Mitleid erwecken soll, die Öffentlichkeit wieder auf ihre Seite zu ziehen. Dabei bemerken sie offenbar nicht, dass die öffentliche Stellungnahme eines Vergewaltigungsopfers total unüblich bis nicht existent ist, da die Scham und das Unwohlsein viel zu groß sind. Bei ihr offenbar nicht...
MaschinenbauStudent 25.07.2011
2. Wieder ein gutes Beispiel für...
...Verurteilung vor dem Urteil. In der letzten Zeit ist genau dieser Fall 2 mal aufgetreten. Ein Mann wurde veruteilt bevor der Prozess begonnen hat. Im ersten Fall war es Kachelmann. Lange vor dem Prozess war sein Ruf und seine Karriere ruiniert. Im zeiten Fall war es Strauss-Kahn. Auch er hat seinen Job und seinen Ruf verloren bevor der Prozess begonnen hat. Ich möchte gar nicht diskutieren ob diese beiden Personen schuldig sind oder nicht. Aber die Medien und die Anklägerinnen sind schuldig. Sie haben über einen Mann gerichtet und dieses Mann ohne Justiz verurteilt indem Sie über Ihn in den Medien geschrieben haben. Es muss endlich das Gesetz her dass bei gewissen vergehen absolutes Stillschweigen bis zur Ureilsverkündung herrschen muss. Wer dagegen verstößt muss mit einer Haftstrafe rechnen. Denn dies ist quasi Selbstjustiz.
sukowsky, 25.07.2011
3. Keine Ahnung was hier abläuft
Keine Ahnung was hier abläuft doch wenn die Staatsanwalt in Sachen Kahn und Sexbeschuldigung ein Rückzieher gemacht hat, dann ist es doch sehr anzuzweifeln was das Zimmermädchen da von sich gibt. Sie kann nicht lesen und schreiben. Ja mit was hat sie dann den Job im Hotel bekommen.
ColynCF 25.07.2011
4. Medien
Naja, die Medien spielen bei solchen prominenten Fällen eine immer größere Rolle. Siehe auch Casey Anthony oder Kachelmann. Wie können sich die Medien dagegen wehren? Z.b. indem sie Dinge, die mit der Sache nichts zu tun haben, aber Stimmung machen sollen, nicht verbreiten. Was hat die Tatsache, dass die Frau nicht "lesen und schreiben kann" mit dem Vorwurf der Vergewaltigung zu tun? Auf der anderen Seite: stimmt es tatsächlich, dass nicht stimmt, dass sie wie Medien geschrieben haben "Sex gegen Geld angeboten hat", dann muss sie sich dagegen natürlich wehren. Naja, es ist jetzt schon klar: wie bei Casey Anthony und Kachelmann werden wir nie wissen, was wirklich passiert ist.
Student5 25.07.2011
5. Der kindliche Charme des Lügens.
---Zitat--- "Gott möge ihn strafen", sagte sie. "Wir sind arm, aber wir sind rein. Ich denke nicht an Geld." [...] So soll sie mit einem Häftling telefoniert haben, von dem sie etwa 100.000 Dollar auf ihrem Konto geparkt haben soll. Sie selbst hatte sich dagegen als mittellosen, gottesfürchtigen Flüchtling dargestellt. ---Zitatende--- Mein Eindruck: Je mehr sie redet, umso weniger glaubwürdig macht sie sich - soweit es um Tatsachen geht. Anderseits kann ich mir vorstellen, daß ihr gerade ihre kindliche Naivität im Lügen auch wiederum Pluspunkte einbringen wird. Hatte sie denn jemals eine Chance gehabt, zwischen Wahrheit und Wunschvorstellung zu unterscheiden?
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