Morddrohungen gegen Zornedinger Pfarrer Polizei nimmt Rentner fest

Der mutmaßliche Absender mehrerer Drohbriefe an einen dunkelhäutigen Pfarrer im bayerischen Zorneding ist gefasst. Die Polizei nahm in München einen 74-jährigen Mann fest.

Zurückgetretener Pfarrer Ndjimbi-Tshiende (Archiv)
DPA

Zurückgetretener Pfarrer Ndjimbi-Tshiende (Archiv)


Vor mehr als drei Monaten trat der dunkelhäutige Pfarrer der bayerischen Gemeinde Zorneding wegen rassistischer Beleidigungen und Morddrohungen zurück. Nun hat die Polizei einen Tatverdächtigen vorläufig festgenommen. Ein 74 Jahre alter Rentner aus München stehe im Verdacht, die Schreiben an den aus Afrika stammenden katholischen Priester geschickt zu haben. Das teilten die Ermittler mit.

Den Angaben zufolge wurden bei einer Durchsuchung in der Wohnung des Rentners am vergangenen Freitag Spuren entdeckt, die auf ihn als Absender der Drohbriefe hindeuteten. Gegen den Mann sei zudem bereits mehrfach wegen Volksverhetzung ermittelt worden.

Im vorliegenden Fall soll ein Brief an die Zornedinger Pfarrei aber bereits im Briefzentrum aufgefallen sein, weil schon auf dem Umschlag Schmähungen und Bedrohungen zu lesen waren. Die Kripo wurde eingeschaltet und die Post zurückgehalten.

Spezialisten beim Landeskriminalamt fanden den Absender heraus, obwohl der Mann keine Adresse angegeben hatte. Die Polizei ermittelt nun noch zu zwei weiteren Briefen und einer Postkarte, die im Januar und Februar an den Pfarrer gingen.

Der aus dem Kongo stammende Olivier Ndjimbi-Tshiende hatte im März seinen Rücktritt erklärt, nachdem er mehrfach Morddrohungen und Rassismus ausgesetzt war. Dies hatte bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt.

Ausgangspunkt der Angriffe auf den Pfarrer war, dass dieser die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verteidigt und die örtliche CSU wegen Polemiken gegen Flüchtlinge kritisiert hatte. Daraufhin beleidigten ihn inzwischen zurückgetretene Zornedinger CSU-Funktionäre rassistisch, zudem folgten die Drohungen.

wit/dpa/AFP



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