Zug raste in Güllefass Gericht gibt 25-jährigem Landwirt Mitschuld an tödlichem Unfall

Ein Zug raste im Münsterland in ein Güllefass, das auf den Bahngleisen stand, zwei Menschen starben. Jetzt wurde ein 25 Jahre alter Landwirt wegen fahrlässiger Tötung schuldig gesprochen.
Angeklagter mit seinem Anwalt

Angeklagter mit seinem Anwalt

Foto: Friso Gentsch/ dpa

Wegen eines Zugunglücks mit zwei Toten und 15 Verletzten im Münsterland hat ein Gericht einen Traktorfahrer zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Das in Münster tagende Amtsgericht Ibbenbüren sah es als erwiesen an, dass der 25 Jahre alte Mann den Zusammenstoß seines Gülleanhängers mit einer Regionalbahn im Frühjahr 2015 fahrlässig verursacht hatte.

Der Richter warf dem Angeklagten vor, die Position eines Bolzens nicht richtig kontrolliert zu haben. Beim Überqueren eines Bahnübergangs hatte sich der Anhänger wegen der fehlenden Sicherung gelöst und war auf den Gleisen stehengeblieben.

Richter wie Staatsanwalt hatten dem Angeklagten zu Gute gehalten, dass er in großer Panik und Verzweiflung alles versucht hatte, das Unglück abzuwenden: Er hatte den Notruf verständigt, versucht, Hilfe zu holen. Als sich Minuten später die Schranken senkten, war er wild mit den Armen rudernd in Richtung des Zuges gerannt, um den Lokführer zu warnen. Dass diese Versuche scheiterten, bezeichnete sein Verteidiger als "Unglück im Unglück".

Vollbremsung kam zu spät

Eine Vollbremsung des Zuges kam zu spät. Mit Tempo 127 prallte die Regionalbahn auf den Anhänger und kam erst mehr als 300 Meter weiter zum Stillstand. Die Fahrerkabine wurde eingedrückt, die vordere Zugseite aufgerissen. Der 41 Jahre alte Lokführer sowie eine 18 Jahre alte Frau starben.

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Ibbenbüren: Zugunglück am Bahnübergang

Foto: Nord-West-Media/ dpa

Angesichts dieser gravierenden Unfallfolgen könne das Urteil nicht auf eine Geldstrafe begrenzt werden, erläuterte der Richter. "Manchmal wird uns durch einen Vorfall wie diesen sehr schmerzlich bewusst, wozu eine Regel da ist", sagte er. Auch wenn der Angeklagte das Gespann in gutem Vertrauen, dass alles ordnungsgemäß angekoppelt sei, übernommen habe, entbinde ihn dies nicht von seiner Sorgfaltspflicht.

"Ich würde es liebend gerne rückgängig machen. Ich kann gar keine Worte dafür finden, wie leid es mir tut", sagte der Angeklagte in seinem Schlusswort. Das Urteil ist rechtskräftig. Neben seiner Bewährungsstrafe bekam der Verurteilte auferlegt, 2000 Euro Geldbuße zugunsten der Notfallseelsorge zu zahlen.

jal/dpa

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