Film aufgetaucht Video zeigt Mauerbau in S-Bahn

Hier konnte niemand mehr einsteigen: Im April haben Unbekannte in Hamburg die Tür einer S-Bahn zugemauert. Nun ist ein Bekennervideo aufgetaucht. Die Polizei hofft auf neue Ermittlungsansätze.

YouTube/ NOFUGAZI.ORG

Ende April verursachte eine Aktion im Hamburger Nahverkehr großes Aufsehen: Unbekannte hatten die Tür einer S-Bahn fachmännisch zugemauert. Derart verbarrikadiert fuhr der Zug eine Tour durch die Hansestadt, ehe der Fahrer das Unheil bemerkte. Fahrgäste waren verdutzt, Fotos der Aktion wurden zigtausendfach im Netz geteilt. Manche User reagierten amüsiert, manche empört. Die S-Bahn-Leitung schäumte, die Polizei warnte, es sei kein "Dumme-Jungen-Streich". Aber den Fall konnte sie nicht lösen.

Nun ist ein Video aufgetaucht, das die Täter beim Zumauern der S-Bahn-Tür zeigen soll. Das Modelabel Nofugazi hat den knapp sechs Minuten langen Film auf YouTube hochgeladen. Das Label weist auf seiner Homepage vorsorglich darauf hin, dass es nicht verantwortlich sei für Aufnahmen von Graffiti oder Streetart-Aktionen, die es verbreite. Man wolle nicht zu Straftaten animieren, es gehe um eine Dokumentation der Graffiti-Szene, um das Image der Marke und deren Authentizität.

Den Angaben zufolge ist die Firma in Großbritannien registriert, als Kontakt ist unter anderem eine deutsche Handynummer angegeben. Eine Anfrage zu den Hintergründen des Videos ließ Nofugazi bisher unbeantwortet.

In der Beschreibung des Videos wird das Sprayer-Kollektiv Moses & Taps als Urheber der Aktion genannt. In dem Clip ist zu sehen, wie zwei Männer Zement anmischen, in Arbeiterwesten dicke Platten zu dem abgestellten Zug schleppen und mit den Maurerarbeiten beginnen. Die Gesichter der Männer sind unkenntlich gemacht, ihr Tun mit HipHop-Beats unterlegt, alles ist professionell produziert.

Fotostrecke

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Hamburg: Die zugemauerte S-Bahn-Tür
Die zweite Hälfte des Filmes besteht dann im Wesentlichen daraus, die Reaktion von Fahrgästen zu filmen: Wie sie verdattert einen anderen Eingang nehmen, wie sie die Mauer mit dem Handy fotografieren, wie sie dagegen klopfen.

Die Bundespolizei fahndete bislang vergeblich nach den Tätern - das Material aus den Überwachungskameras führte nicht zum Erfolg. "Unsere Ermittler werten jetzt das Video gründlich aus. Es gibt uns neue Ermittlungsansätze", sagt Bundespolizeisprecher Rüdiger Carstens. Den Tätern drohe eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine hohe Geldstrafe.

Dokumentation über Graffiti-Sprayer

hut/dpa



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