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22. November 2011, 19:26 Uhr

Zwickauer Zelle

Rechtsterroristen sollen aus Wohnmobil geschossen haben

Möglicherweise wurden Polizisten aus dem Wohnmobil beschossen, in dem die Leichen der NSU-Mitglieder Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos gefunden wurden. Nach Angaben des Bundeskriminalamts berichteten zwei Beamte von "drei Knallgeräuschen".

Karlsruhe/Wiesbaden - Die Ermittlungen zum Tod von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, Mitglieder des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU), haben offenbar ein neues Detail ans Licht gebracht. Aus dem Wohnmobil, in dem sich Böhnhardt und Mundlos umbrachten, soll die Polizei beschossen worden sein. Die Aussagen der beiden eingesetzten Polizeibeamten ließen den Schluss zu, dass es bei ihrer Annäherung an das Fahrzeug "vermutlich aus dem Wohnmobil heraus eine Schussabgabe gegeben hat", teilte das Bundeskriminalamt (BKA) am Dienstag mit.

Die beiden Polizisten berichteten von insgesamt drei Knallgeräuschen. Mundlos hatte den Ermittlungen zufolge seinen Komplizen Böhnhardt am 4. November in dem Wohnmobil mit einem Schuss in die Schläfe getötet, danach das Fahrzeug in Brand gesetzt und sich anschließend selbst erschossen haben.

Die Situation, in der man die beiden toten Mitglieder der rechtsextremen Terrorgruppe im Wohnmobil gefunden habe, stütze die Aussage der Beamten, so das BKA. Im Fahrzeug wurde "unter anderem griffbereit eine mutmaßlich defekte Maschinenpistole aufgefunden, aus der möglicherweise ein weiterer Schuss abgegeben wurde".

Suche nach dem Projektil

Beim Absuchen des Tatorts sei eine mögliche Einschussstelle außerhalb des Wohnmobils festgestellt worden. Die Suche nach dem dazugehörigen Projektil dauere an.

Der Fund der zwei Leichen in dem Wohnmobil hatte den Fall der Neonazi-Terrorzelle mit ins Rollen gebracht. In dem Fahrzeug hatten Fahnder die Dienstwaffen der 2007 ermordeten Polizistin Michèle Kiesewetter und ihres schwer verletzten Kollegen gefunden. Wenig später stellte sich NSU-Mitglied Beate Zschäpe der Polizei.

Das braune Terror-Trio verfügte nach bisherigen Ermittlungen über 19 Schusswaffen. Elf fanden sich in dem Haus, dass Zschäpe nach dem Freitod der beiden Männer in Zwickau anzündete, bevor sie sich schließlich stellte. Die übrigen Waffen hatten Mundlos und Böhnhardt in dem Wohnmobil bei sich.

Die beiden Männer hatten kurz vor ihrem Tod eine Sparkassenfiliale in einem Eisenacher Plattenbauviertel überfallen und dabei etwa 70.000 Euro erbeutet. Zweieinhalb Stunden später hatten Einsatzkräfte in einem Eisenacher Vorort die Toten entdeckt.

ulz/dapd/dpa

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