Zwickauer Zelle West-Nazis sollen Ziele für Terror-Trio ausgespäht haben

Sie stammten aus dem Osten Deutschlands, ebenso wie viele ihrer bis jetzt bekannten Helfer. Doch die Mitglieder der Zwickauer Terrorzelle wurden offenbar auch von westdeutschen Neonazis unterstützt - das sagte laut "Süddeutscher Zeitung" ein Insider vor Ermittlern aus.

Neonazi-Aufmarsch (in Wunsiedel im Juli 2011): Verbindungen von Franken nach Thüringen
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Neonazi-Aufmarsch (in Wunsiedel im Juli 2011): Verbindungen von Franken nach Thüringen


München - Die mutmaßlichen Mörder der Zwickauer Terrorzelle sollen laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" auch im Westen viele Unterstützer und Mitwisser gehabt haben. Darauf deutet die Zeugenaussage eines Rechtsradikalen hin, den Beamte der Sonderermittlungseinheit Trio vernommen hatten.

Der Neonazi habe nach eigenen Angaben mit Kameraden aus Westdeutschland mögliche Tatorte ausspioniert. Er sei jedoch ausgestiegen, kurz bevor die Täter das Anschlagsziel festlegten. Kurz darauf sei ein türkischer Kleinunternehmer in der Gegend von den Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos erschossen worden.

Das Terror-Trio sei bei der harten rechtsextremistischen Szene im Westen bekannt gewesen, sagte der Zeuge laut der Zeitung. Man habe gewusst, dass es hinter den Morden an acht türkischen und einem griechischen Kleinunternehmer gesteckt habe. Der Zeuge selbst könne einem Ermittler zufolge für seine Unterstützung nicht mehr strafrechtlich belangt werden - die Tat sei mittlerweile verjährt. Um ihn zu schützen, werde seine Identität geheim gehalten.

Bislang ist der Unbekannte laut der Zeitung der einzige Rechtsradikale, der bei den Behörden aussagte. Seine Aussagen sollen sich mit den vorläufigen Ermittlungsergebnissen decken. Zwar fehlten noch Beweise, aber Indizien sprächen für eine Zusammenarbeit des Terror-Trios mit Kameraden aus dem Westen, zitiert die Zeitung einen Fahnder. Die Morde seien in der Szene akzeptiert, die Täter möglicherweise als Helden gefeiert worden. Vor allem zwischen den Neonazis in Franken und Thüringen soll es enge Verbindungen gegeben haben.

Union und SPD machen Druck bei Neonazi-Datei

Angesichts der Pannen bei den Ermittlungen zum Neonazi-Trio nimmt der Druck auf Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) zu, einer zentralen Datei mit gewaltbereiten Neonazis zuzustimmen.

"Die Bundesjustizministerin ist gut beraten, den Ernst der Lage zu erkennen und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen", sagte der innenpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Uhl (CSU), der "Mitteldeutschen Zeitung". Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Michael Hartmann, bot Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) "sofortige Gespräche an - in Sachen Verbunddatei und auch bei anderen Themen". Wenn die Union das Vorhaben nicht mit ihrem Koalitionspartner FDP umsetzen könne, dann eben mit der SPD. Die erste Lesung des entsprechenden Gesetzes könne noch vor Weihnachten stattfinden.

Friedrich möchte als Konsequenz aus der Neonazi-Mordserie eine Verbunddatei, in der die Informationen aller Sicherheitsbehörden zu gewaltbereiten Rechtsextremisten zusammengefasst werden. Leutheusser-Schnarrenberger will die Speicherung von Daten enger fassen und auf gewalttätige Extremisten beschränken.

irb/fab/dpa

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no-panic 09.12.2011
1.
Zitat von sysopSie*stammten aus dem Osten Deutschlands, ebenso wie viele ihrer bis jetzt bekannten Helfer. Doch die Mitglieder der Zwickauer Terrorzelle wurden offenbar auch von westdeutschen Neonazis unterstützt - das*sagte laut "Süddeutscher Zeitung" ein Insider vor Ermittlern aus. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,802614,00.html
Ach was! Im Westen gibt es auch NeoNazis? Wie hat der VS und das BKA das denn rausgekriegt? Insiderinformationen?
dashaeseken 09.12.2011
2.
Zitat von sysopSie*stammten aus dem Osten Deutschlands, ebenso wie viele ihrer bis jetzt bekannten Helfer. Doch die Mitglieder der Zwickauer Terrorzelle wurden offenbar auch von westdeutschen Neonazis unterstützt - das*sagte laut "Süddeutscher Zeitung" ein Insider vor Ermittlern aus. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,802614,00.html
Für mich ist der "Zeuge" ebenso real wie die angeblich in der Brandruine gefundenen völlig unbeschädigten USB-Sticks und DVDs. Und wie schön für die Ermittler, daß sich seine Aussagen so perfekt mit den "Ermittlungsergebnissen" decken. Und da er aus Bayern stammen soll, kann er sicher auch bald noch was zum Mannichl-"Attentat" sagen.
panit 09.12.2011
3. Nazis?
Da spricht die Presse von Nazis. Die NSDAP wurde 1945 aufgelöst. Die Mitglieder der NSDAP nannte man Nazis. Rechnerisch sind Nazis heute um die 80 Jahre alt. Heute mag es noch REchtsradikale geben, aber Nazis? Die sind wohl langsam ausgestorben. Ich befürchte auch, weil diese Rechtsradikalen als Nazis betitelt werden, werden grad diese Leute das als Lob empfinden. Die Presse hält also einen Kult am Leben, den Deutschland doch eigentlich schon abgelegt hat, oder?
alfahund 09.12.2011
4. Nazis helfen Nazis?
Zitat von sysopSie*stammten aus dem Osten Deutschlands, ebenso wie viele ihrer bis jetzt bekannten Helfer. Doch die Mitglieder der Zwickauer Terrorzelle wurden offenbar auch von westdeutschen Neonazis unterstützt - das*sagte laut "Süddeutscher Zeitung" ein Insider vor Ermittlern aus. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,802614,00.html
Was ist daran denn die Nachricht? Gibts etwa jetzt zwei Deutschlands? Das "gute" Westdeutschland und das Nazi-Ostdeutschland?
Sackaboner 09.12.2011
5. gaaaaanz laaaaangsam
Gaaaanz laaaaangsam kommt ein Mosaiksteinchen nach dem anderen ans Tageslicht. Man hätte die Aufklärung allerdings auch anders betreiben können. Zum Beispiel die Landesverfassungsschutzzentrale in Thüringen polizeilich durchsuchen lassen können und alle Datenträger und Akten beschlagnahmen können.
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