Kälteeinbruch "Nur eine winterliche Episode"

Nun also doch noch: Es ist kalt genug für Bommelmützen, Fleeceschal und gefütterte Handschuhe. Während der Winter bislang relativ warm war, kommen nun Minusgrade und Schnee. Von einem Kälteschock zu sprechen ist dennoch übertrieben.


Schwerin/München/Brocken - Von einem richtigen Wintereinbruch ist nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) bisher nur München und das Gebiet südlich der bayrischen Landeshauptstadt betroffen: Etwa zehn Zentimeter Neuschnee gebe es dort. Gleiches gelte für den schwäbischen Alpenvorraum. Zehn Zentimeter Neuschnee: Das ist für Mitte Januar eigentlich nichts Ungewöhnliches - schließlich ist Winter.

Schneematsch und glatte Fahrbahnen machten den Autofahrern in Südbayern dennoch ein wenig zu schaffen: Die Autobahn München-Salzburg (A 8) musste im Bereich des Irschenbergs zeitweise komplett gesperrt werden, damit Schneepflüge den nassen Schnee von den Fahrbahnen räumen konnten.

Daraufhin gab es in beiden Richtungen einen fast zehn Kilometer langen Stau. Auch auf der Autobahn München-Nürnberg (A 9) bei Allershausen gab es Behinderungen. Abgesehen von den Staus, führte die ersten Schneefälle im neuen Jahr in Bayern bislang zu keinen größeren Verkehrsbehinderungen.

Blechschäden und gesperrte Autobahnen

Anders hingegen im Norden: Spiegelglatte Straßen haben in der vergangenen Nacht in Mecklenburg-Vorpommern zu zahlreichen Unfällen geführt. Vor allem auf der Insel Rügen wurden Autofahrer eiskalt überrascht. "Unser Problem waren die Lkw, die an Steigungen nicht weiterkamen", sagte ein Polizeisprecher. Der plötzliche Temperatursturz habe die nassen Straßen in Rutschbahnen verwandelt, Autofahrer mussten sich in Staus gedulden.

Am Morgen hatten sich die meisten Autofahrer immerhin auf die winterlichen Straßenverhältnisse eingestellt. Seit gestern Abend seien auch die Winterdienste im Einsatz, aber vor allem auf Nebenstraßen gebe es noch Behinderungen, sagte ein Sprecher des Lagezentrums. In Ostvorpommern wurden im morgendlichen Berufsverkehr etwa ein Dutzend witterungsbedingter Unfälle gemeldet, in allen Fällen blieb es bei Blechschäden.

Auf der Autobahn A 111, die den Berliner Stadtring (A 100) mit dem Berliner Ring (A 10) im Norden der Stadt verbindet, ist die Gefahr für Blechschäden zurzeit gering: Die Autobahn ist in Höhe des Heckerdamms seit heute Nacht wegen Eisglätte in beide Richtungen gesperrt. Aus noch ungeklärter Ursache trete seit dem späten Montagabend Wasser aus mehreren Lichtmasten aus, die in der Mitte der Autobahn stehen, teilte ein Polizeisprecher heute Morgen mit. Die Wasserbetriebe konnten die Ursache noch nicht finden. Nach Polizeiangaben führt die Sperrung zu erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen.

Winterkälte bleibt nur ein paar Tage

Doch woher kommt dieser plötzliche Kälteeinbruch? Sind die Minusgrade eine Nachwirkung von Orkan "Kyrill", der vergangene Woche über Deutschland fegte? "Mit dem Orkan hat das nichts zu tun, die Windrichtung hat einfach von Südwest auf Nord gedreht", sagte der Meteorologe vom Dienst des DWD, Rainer Dettmann, zu SPIEGEL ONLINE. Über Island habe sich ein Hochdruckgebiet gebildet, dessen kalte Luft strömt im Uhrzeigersinn. Deswegen werde mehr kalte Luft zu uns geführt und keine milde Luft mehr vom Atlantik, so Dettmann.

Kältere Luftmassen plus etwas Neuschnee: "Eine winterliche Episode" nennt der Meteorologe das derzeitige Wetter, das laut Dettmann voraussichtlich Ende der Woche endet. Bis Freitag bleibe es in Deutschland kalt; am Wochenende aber werde sich der Wind wieder drehen und deswegen Luft vom Atlantik für milderes Wetter in Norddeutschland sorgen. Immerhin im Süden bleibe es noch frostig, bis zu 20 Zentimeter Schnee könnte flächendeckend liegen bleiben - für einen Winter in München und Umgebung eigentlich normal.

Standesgemäß zeigte sich der Winter auch im Harz: In der bisher kältesten Nacht dieses Jahres sei auf dem Brocken die Temperatur auf minus zwölf Grad gesunken, sagte Marc Kinkeldey von der Brockenwarte. Das seien bei Windstärke 6 gefühlte minus 37 Grad. Rund 20 Zentimeter dicke Frostgebilde hätten sich binnen kurzer Zeit an den Gebäuden gebildet. Das Wetter sei so wie sonst Anfang November. "Es ist bislang das Beste, was wir in diesem Winter zu bieten hatten", so der Meteorologe. Bisher sei es im Januar fünf Grad zu warm gewesen. Mit dem Klimawandel hat das allerdings nicht unbedingt etwas zu tun - denn Klima ist nicht gleich Wetter.

fba/ddp/dpa



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