Kalifornien Hoffnung an der Feuerfront

Noch immer wüten die Waldbrände in Kalifornien, doch mit den abflauenden Wüstenwinden wächst nun auch die Zuversicht der Feuerwehrleute, der Flammen Herr werden zu können. Vielleicht ist das Schlimmste bereits überstanden.


San Diego - "Zum ersten Mal seit drei Tagen können wir zum Angriff übergehen", sagte ein Feuerwehrkommandant heute. Gleichwohl wüten noch immer 15 weitgehend außer Kontrolle geraten Brände im US-Bundesstaat Kalifornien. In der Nähe von San Diego bedrohten die Flammen mehr als 8500 Häuser.

In der größten Evakuierungsaktion in der Geschichte des US-Staates mussten bislang fast eine Millionen Menschen ihre Häuser verlassen. Rund 2000 Quadratkilometer Wald- und Buschland wurden verkohlt. Das entspricht fast der Fläche des Saarlands.

Die Meteorologen erwarteten, dass der heiße und trockene Santa-Ana-Wind aus der Wüste, der die Feuer seit dem Wochenende immer wieder angefacht hatte, noch heute fast ganz nachlässt. "Das hilft den Löschmannschaften ganz sicher", sagte der Meteorologe Jamie Meier. Auch dank eines massiven Einsatzes von Löschhubschraubern und -flugzeugen konnten zwei Brände, die 21 Häuser zerstört hatten, ganz eingedämmt werden. Alle Feuer bei Los Angeles waren inzwischen unter Kontrolle, wie die Behörden mitteilten.

Gefährlich war die Lage aber noch im Bezirk San Diego. Nördlich der Stadt wurden nach Polizeiangaben in einem der zerstörten Häuser zwei Leichen gefunden. Gerichtsmediziner sollten ihre Identität klären. Damit kamen bislang mindestens drei Menschen in den Bränden ums Leben, andere Quellen berichten sogar von bis zu acht Todesopfern. Bei den schweren Feuern vor vier Jahren waren 22 Menschen gestorben. Die Warnung der Behörden sei diesmal eindeutiger gewesen, berichten evakuierte Bewohner.

Allein in der am schwersten betroffenen Region San Diego schätzen die Behörden den entstandenen Sachschaden auf mindestens eine Milliarde Dollar (700 Millionen Euro). Dort wurden 1200 Häuser ein Raub der Flammen, insgesamt zerstörten die Feuer 1500 Gebäude in Kalifornien.

Die Feuerwehr erwartet nun eine verstärkte Unterstützung aus anderen US-Staaten. Der Feuerwehrchef im Bezirk Orange, Chip Prather, kritisierte, das Leben seiner Männer werde gefährdet, weil es zu wenige Einsatzkräfte gebe. Bei den Waldbränden wurden 21 Feuerwehrleute und mindestens 24 Bewohner verletzt. Insgesamt sind 9000 "Firefighter" aus Kalifornien, Nevada, New Mexico und Arizona im Einsatz. Sie "haben Herausragendes geleistet und ihr Leben für andere Menschen riskiert", lobte US-Präsident George W. Bush.

Unterdessen verstärkten sich die Hinweise, dass ein Teil der Feuer auf Brandstiftung zurückgeht. Die Ermittlungen zu einem Brand im Orange County, der neun Häuser zerstörte, ergab, dass das Feuer an drei unterschiedlichen Stellen gleichzeitig begann. Im Bezirk San Bernardino wurde ein Verdächtiger verhaftet. Ein weiterer Mann wurde nach Angaben der Behörden von Polizisten erschossen, als er zu fliehen versuchte. Aus Angst vor Trittbrettfahrern wurden in der gesamten Region die Kontrollen verschärft.

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