Kamerun Militär kämpft gegen Elefanten-Jäger

In Kamerun ist der Kampf gegen Wilderer eskaliert. Nachdem Hunderte Elefanten getötet wurden, geht das Militär massiv gegen die Gesetzesbrecher vor. Bei den kriegsähnlichen Auseinandersetzungen gab es bereits Tote und Verletzte.

Eine Tierschützerin untersucht in Kamerun einen von Wilderern getöteten Elefanten
DPA/ IFAW

Eine Tierschützerin untersucht in Kamerun einen von Wilderern getöteten Elefanten


Addis Abeba/Yaoundé - Bis zu 400 Elefanten wurden allein seit Jahresbeginn im westafrikanischen Kamerun getötet. Jetzt nimmt der Kampf gegen die Wilderei immer dramatischere Ausmaße an. Wie der Internationale Tierschutz-Fonds (IFAW) am Montag berichtet, ist im Bouba-Ndjida-Nationalpark im Norden des Landes ein blutiger Konflikt zwischen Wilderern und kamerunischem Militär entbrannt, das versucht, die Tiere zu schützen.

Erst vor wenigen Tagen sei es zu heftigen Schießereien zwischen der Armee und Wilderern gekommen, als diese eine Elefantenherde angriffen. Die Wilderer hätten zehn Tiere getötet, beim anschließenden Schusswechsel seien ein Soldat und ein Wilderer ums Leben gekommen und zwei Soldaten verletzt worden.

"Der Kampf gegen die Wilderei ist ein Krieg, und wie in jedem Krieg gibt es auch hier Opfer auf beiden Seiten", sagte Céline Sissler-Bienvenue, Leiterin des IFAW Frankreich und zuständig für Projekte in West- und Zentralafrika.

Die meisten der getöteten Elefanten seien noch jung gewesen und hätten nur kleine Stoßzähne gehabt. "Die Wilderer arbeiten in Banden. Wir fanden Patronenhülsen, die darauf hindeuten, dass sie mit automatischen oder halbautomatischen Militärwaffen ausgerüstet sind", erklärte Sissler-Bienvenue. "Sie reiten seit Mitte Januar durch den Bouba-Ndjida-Nationalpark und kennen sich im Gelände bestens aus. Dagegen hat das Kameruner Militär kaum eine Chance."

Ein IFAW-Team dokumentierte, dass die Wilderer mit extremer Brutalität vorgingen. Tierärztin Sharon Redrobe sagte, dass einige Elefanten wahrscheinlich noch am Leben waren, als ihnen die Stoßzähne und der Rüssel mit Macheten abgetrennt wurden. "Das muss ein langer, qualvoller Tod gewesen sein."

Zudem wird vermutet, dass die Wilderer abwarten, bis entkommene Elefanten zum Trauern an den Ort des Gemetzels zurückkehren - um sie dann zu erschießen. Da die Täter Stücke aus den Ohren der Tiere herausschnitten, könnten sie den Angaben zufolge aus dem Sudan oder aus dem Tschad stammen: Dort ist es Praxis, diese Trophäen als Halskette zu tragen.

"Es ist höchste Zeit, dass Kamerun, Tschad und die Zentralafrikanische Republik zusammenarbeiten, um ihre Elefantenherden zu schützen. Sie müssen eine konsequente Strategie gegen die Wilderei entwickeln", betonte Sissler-Bienvenue. Die Tragödie hätte verhindert werden können, wenn die Regierungen rechtzeitig gehandelt hätten. Es müsse endlich ein internationales Handelsverbot für Elfenbein durchgesetzt werden.

ala/dpa



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