Posse um verunstaltete Statue Der Leib Christi ist wieder komplett

Erst fehlte das Haupt einer Jesus-Statue, dann rekonstruierte ihn eine Künstlerin - und stieß auf wenig Gegenliebe. Nun könnte das kanadische Sudbury doch noch Frieden finden: Der Originalkopf ist zurück.

Gino Donato / The Canadian Press / AP

Die Kirchengemeinde Sainte-Anne Des Pins im beschaulichen Sudbury kommt nicht zur Ruhe, und das alles wegen einer kaum zehn Jahre alten Madonnenstatue: Die hatte die Gemeinde in Kanada vor Kurzem von einer Künstlerin restaurieren lassen, weil der kleine Jesus auf dem Arm der Gottesmutter keinen Kopf mehr hatte. Das ungewöhnliche Ergebnis sorgte für Spott - und jetzt das: Das ursprüngliche Haupt ist wieder da.

Wie der Sender CBC News berichtet, hat eine anonym gebliebene Frau den Kopf nun der Gemeinde zurückgebracht. Ob sie ein schlechtes Gewissen hatte oder die Rekonstruktion des Kopfes noch unansehnlicher fand als das abgeschlagene Original - all das ist nicht bekannt. Doch für Sudbury ist die Rückkehr des Jesuskopfes wohl eine gute Nachricht.

Denn die Posse um die enthauptete Statue hatte weltweit spöttische Reaktionen hervorgerufen: Immer wieder hatten in den vergangenen Jahren Unbekannte den steinernen Kopf von der Skulptur geschlagen, sodass ihn Mitarbeiter der Gemeinde auf dem Boden fanden. Irgendwann nahmen die unbekannten Randalierer den Kopf sogar mit. Die Kirchenleitung entschied: Das Haupt sollte ersetzt werden.

Gut gemeint, schlecht gemacht

Da schien es wie ein glücklicher Zufall, dass Heather Wise bei einem Spaziergang zufällig an der zerstörten Statue vorbeikam - und ihre Hilfe anbot. "Ich habe beim Priester an der Tür geklopft und mit ihm gesprochen", sagte die Künstlerin dem Portal "Sudbury.com", "und wir haben uns geeinigt, weil wir ja einen Weg aus dieser Lage herausfinden mussten."

Sie fanden einen Weg - doch mit dem war wohl nur die Künstlerin zufrieden: In stundenlanger Arbeit modellierte Wise aus Lehm einen orangefarbenen, nicht gerade wirklichkeitsnahen Kinderkopf für die Statue. Im Nachhinein ärgerte sich Pfarrer Lajeunesse über das Ergebnis: Die Kirchengemeinde habe verletzt, überrascht und enttäuscht reagiert, sagte er "CBC News". Nun hat er wieder das Original auf die Statue gesetzt.

Die Posse erinnert an den Fall der 82-jährigen Spanierin Cecilia Giménez, die 2012 aus einem Fresko von Jesus Christus das Bildnis eines affenähnlichen Wesens gemacht hatte. Die Rentnerin verunstaltete das Fresko mit dem Titel "Ecce Homo" derart , dass der Pfusch weltweit Aufmerksamkeit erregte.

So wurde das blasse Jesus-Bildnis mit Knopfaugen und einem schiefen Klecks an der Stelle des Munds schlagartig zum Internethit. Innerhalb eines Jahres kamen etwa 57.000 Menschen, um die künstlerische Katastrophe zu bestaunen. Von den Eintrittsgeldern finanzierte die Gemeinde die Restaurierung - und beteiligte sogar Giménez an den Einnahmen.

mxw

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.