Extremhitze in Nordamerika 150 Waldbrände – Armee nach British Columbia entsandt

Nach der Extremhitze im Westen Kanadas wüten dort mehr als hundert Waldbrände. Auch in Kalifornien verbreiten sich Feuer. Die Vegetation ist dort bereits so ausgetrocknet wie sonst Ende August.
Löschflugzeug über Lakehead, Kalifornien: So trocken wie sonst im August

Löschflugzeug über Lakehead, Kalifornien: So trocken wie sonst im August

Foto: Josh Edelson / AFP

Die Extremhitze im Westen Kanadas hat nachgelassen, doch anhaltende Trockenheit und weiterhin hohe Temperaturen begünstigen Dutzende Waldbrände. Allein in der Provinz British Columbia wurden 136 Feuer verzeichnet, wie Cliff Chapman vom Wildfire Service am Freitag mitteilte. Besonders stark betroffen ist die Gegend um die Stadt Kamloops, 350 Kilometer nordöstlich von Vancouver.

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Die meisten Brände wurden durch Blitze ausgelöst. Innerhalb eines Tages habe es 12.000 Schläge gegeben, sagte Chapman. Die Temperaturen seien nach der Rekordhitze von circa 45 Grad Celsius inzwischen gesunken, aber immer noch überdurchschnittlich hoch.

Einsamer Einsatz: Ein Hubschrauber bekämpft am Freitag die Feuer in Lytton, British Columbia

Einsamer Einsatz: Ein Hubschrauber bekämpft am Freitag die Feuer in Lytton, British Columbia

Foto: Darryl Dyck / ZUMA Press / imago images

Die Armee hält sich bereit, um die Einsatzkräfte zu unterstützen und logistische Hilfe zu leisten. Soldaten wurden in verschiedene Orte von British Columbia entsandt, teilte der kanadische Verteidigungsminister Harjit Sajjan am Freitag nach einem Treffen des Krisenstabs unter Führung von Premierminister Justin Trudeau mit.

Kleiner Ort komplett niedergebrannt

Die kleine Ortschaft Lytton rund 250 Kilometer nordöstlich von Vancouver, wo Anfang der Woche die Rekordtemperatur von 49,6 Grad Celsius gemessen worden war, wurde durch ein Feuer fast komplett zerstört. Mehr als tausend Menschen mussten in der Nacht zum Donnerstag aus dem Ort und der Umgebung flüchten, nachdem sich ein Brand rasant ausgebreitet hatte. Die Behörden gehen davon aus, dass zwei Menschen ums Leben gekommen sind. Noch sei es zu gefährlich, Ermittler an den Ort der Feuerkatastrophe zu schicken, teilte die Gerichtsmedizin mit.

Löschflugzeug über Lakehead, Kalifornien

Löschflugzeug über Lakehead, Kalifornien

Foto: Noah Berger / AP

»Diese Waldbrände zeigen, dass wir in der ersten Phase eines langen und herausfordernden Sommers sind«, erklärte der kanadische Minister für öffentliche Sicherheit, Bill Blair.

Unabhängig von den Feuern trug die Hitzewelle in British Columbia nach Behördenangaben zu Hunderten Todesfällen bei. Innerhalb einer Woche seien in der Provinz rund 700 plötzliche und unerwartete Todesfälle gemeldet worden, teilte die Gerichtsmedizin am Freitag mit. Das sei dreimal mehr als üblich. Die Behörde geht davon aus, dass der starke Anstieg mit der extremen Hitze zusammenhängt.

Ursache der hohen Temperaturen ist eine besondere Wetterkonstellation, bei der der Hochdruck in der Atmosphäre die heiße Luft in der Region festhält und sich die Hitze wie eine Glocke über das Land legt. Da durch die ungewöhnlich hohen Temperaturen auch Gletscher und Schnee in den Bergen schmelzen, drohen in British Columbia zusätzlich Überschwemmungen.

Abgebranntes Haus in Lakehead, Kalifornien

Abgebranntes Haus in Lakehead, Kalifornien

Foto: Noah Berger / AP

Kalifornien: Vegetation so ausgetrocknet wie Ende August

Auch in Kalifornien verschärfte heißes und trockenes Wetter die Feuerlage. Im Norden brannten drei größere Feuer, die Tausende Menschen zeitweise in die Flucht schlugen. Am Freitag konnten viele Bewohner jedoch in ihre Häuser zurückkehren. Mehrere Gebäude in der ländlichen Region seien aber zerstört worden, berichtete der »San Francisco Chronicle« .

Die Vegetation sei bereits so ausgetrocknet, wie man es gewöhnlich erst Ende August sehe, sagte eine Forstbehörden-Sprecherin vom Shasta Trinity National Forest.

irb/AFP/dpa