Cannabis-Konsum Warum eine Kanadierin glaubt, eine bessere Mutter zu sein, wenn sie kifft

Viele Mütter in Kanada sprechen sich seit der Legalisierung von Cannabis für den Konsum der Droge aus - weil das ihnen im Alltag mit ihren Kindern helfe. Das Gesundheitsministerium warnt vor den Folgen.
Cannabis-Pflanze (Symbolbild)

Cannabis-Pflanze (Symbolbild)

Foto: Amir Cohen/ REUTERS

Als erstes führendes Industrieland der Welt legalisierte Kanada den Anbau und Verkauf von Cannabis im Oktober 2018 . Vielen Menschen im zweitgrößten Staat der Erde gefällt das. Auch Karine Cyr.

Kiffen habe sie zu "einer besseren Mutter" gemacht, sagt Cyr. Sie ist eine von vielen Müttern in Kanada, die seit der Legalisierung offen über ihren Cannabis-Konsum sprechen. Die zweifache Mutter gründete eine Facebook-Gruppe, um ihre Cannabis-Erfahrungen zu teilen - und erntet darin viel Zuspruch.

"Die Leute haben keine Ahnung", sagt Cyr. "Die denken immer noch, wenn wir Cannabis nehmen, sitzen wir nur noch wie Teenager mit der Pizza vorm Fernseher." Diese Vorstellung entspricht ihrer Meinung nach nicht der Wahrheit: "Wenn ich Cannabis konsumiere, mache ich die Hausarbeit und spiele mit meinen Kindern. Dann bin ich geduldiger mit ihnen. Es hilft mir, ein besserer Mensch zu sein."

Die Gefahr des Passivrauchens

Die Frauen - unter ihnen Unternehmerinnen, Psychologinnen, Models und Fotografinnen - wehren sich gegen die vielen Erwartungen an Mütter. "Ich soll in Vollzeit arbeiten, die ganze Zeit bei meinen Kindern sein, ein sauberes Haus haben, meine Rechnungen pünktlich bezahlen und auch noch die Winterreifen rechtzeitig wechseln", sagt Jordana Zabitsky aus Montreal, Mitglied der Gruppe "Mother Mary" . "Auf meinen Schultern lastet so viel - aber ich bin auch nur ein Mensch. Cannabis hilft mir, meine täglichen Aufgaben besser zu erfüllen."

Das kanadische Gesundheitsministerium hingegen warnt Eltern vor dem Kiffen: Wer Cannabis konsumiere, setze seine Kinder der Gefahr des Passivrauchens aus. Außerdem bestehe das Risiko, dass Mütter und Väter in ihrer Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit eingeschränkt seien.

Cyr hingegen hält Cannabis für eine gute Alternative zu den Psychopharmaka, die Müttern gegen Depressionen und Ängste verschrieben werden. Cyr begann nach ihrer zweiten Schwangerschaft, Cannabidiol-Öl (CBD) zur Entspannung zu nehmen. Ihr Arzt hatte ihr Medikamente verschrieben, doch mit denen fühlte sie sich wie ein "Zombie". "Ich hatte starke Schlafstörungen, aber schon beim ersten Mal, als ich CBD nahm, schlief ich wieder durch", erzählt sie.

Arzt rät von Marihuana während Schwangerschaft ab

Studien zeigen, dass Cannabis bei Frauen in Kanada und auch in den USA zunehmend beliebter wird. Manche Hersteller versuchen, mit ihrer Werbung gezielt junge Mütter anzusprechen. Zabitsky sagt, sie habe Cannabis auch während ihrer Schwangerschaft konsumiert. "Kurz vor der Geburt habe ich einen richtig großen Joint geraucht und das war fantastisch. Meine Ärzte wussten davon", sagt sie.

Der Arzt Antoine Kanamugire rät von Marihuana während der Schwangerschaft ab. "Das THC, die psychoaktive Substanz, geht durch die Plazenta, sodass das Baby zehn bis 30 Prozent der mütterlichen Dosis abbekommt", warnt Kanamugire, der ein Buch über die Gefahren des Kiffens geschrieben hat. Cannabis könne ihm zufolge schwerwiegende Folgen für die Entwicklung des zentralen Nervensystems und des Immunsystems haben.

Diese Warnungen verfangen bei Zabitsky und den anderen Frauen aus ihrer Gruppe nicht. Wegen des jahrzehntelangen Verbots sei Cannabis noch ungenügend erforscht, halten sie dagegen. In ihrem Wohnzimmer präsentiert Zabitsky selbstgemachte THC-Butter und Cannabis-Bonbons. "Das ist wie Viagra für Frauen", sagt sie und lacht.

bam/AFP
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