Kaninchenplage auf schottischer Insel "Sie buddeln überall"

Zwölf Einwohner, mehr als 15.000 Kaninchen: Auf der kleinen schottischen Insel Canna gibt es ein Problem. Die Tiere untergraben das gesamte Eiland, sollen sogar einen Erdrutsch ausgelöst haben. Jetzt machen die Bewohner Ernst. Ein Telefonat mit Winnie MacKinnon.
Insel Canna im Atlantik: Kaninchenplage auf schottischem Eiland

Insel Canna im Atlantik: Kaninchenplage auf schottischem Eiland

Foto: Corbis

Hamburg - Canna ist eine kleine Insel vor der schottischen Westküste, etwa sieben Kilometer lang und anderthalb Kilometer breit. Sie gehört zu den Inneren Hebriden. Normalerweise geht es dort ruhig zu, das Eiland liegt relativ isoliert. Mit der Fähre sind es immerhin zweieinhalb Stunden bis zum Festland.

Doch momentan ist die Aufregung groß. Die Insel, die der nationalen Naturschutz-Organisation gehört, wird von einer Kaninchenplage heimgesucht. Winnie MacKinnon lebt auf Canna. Die 50-Jährige ist einer der wenigen Menschen, die dort zu Hause sind.

SPIEGEL ONLINE: Guten Tag, Frau MacKinnon! Man hört, Sie haben auf Ihrer Insel ein kleines Kaninchenproblem?

MacKinnon: Kleines Problem ist gut. Ehrlich gesagt ist es ein sehr großes Problem.

SPIEGEL ONLINE: Die Einwohner von Canna sind deutlich in der Unterzahl.

MacKinnon: Mit mir leben zwölf Menschen auf der Insel. Aber bestimmt mehr als 15.000 Kaninchen.

SPIEGEL ONLINE: Und die machen Ärger?

MacKinnon: Sie buddeln überall ihre Löcher. In unseren Gärten, auf unseren Weiden, sogar auf dem Friedhof. Letztens haben die Kaninchen sogar einen Erdrutsch ausgelöst, die Inselstraße war ein paar Tage lang blockiert.

SPIEGEL ONLINE: Ist das Leben auf Canna dadurch noch einsamer geworden?

MacKinnon: Ach, wissen Sie, wenn man es von Geburt an gewohnt ist, fühlt sich das Leben hier gar nicht einsam ein. Ich kenne es seit 50 Jahren nicht anders. Und im Sommer haben wir viele Touristen auf der Insel, viele junge Leute aus Europa, die hier campen. Und am Hafen ist immer was los.

SPIEGEL ONLINE: Zurück zu den Kaninchen - warum gibt es so viele bei Ihnen?

MacKinnon: Wir hatten immer schon Kaninchen auf der Insel. Vor sieben Jahren gab es dann ein großes Problem mit Ratten. Wir bekämpften die Plage mit Erfolg. Aber seit die Ratten weg sind, vermehren sich die Kaninchen ohne Ende.

SPIEGEL ONLINE: Hat sich das Leben auf Canna dadurch verändert?

MacKinnon: Einige Probleme habe ich ja schon genannt. Hinzu kommt: Die ganze Insel ist praktisch eine große Farm für Rinder und Schafe. Die Kaninchen fressen unserem Vieh jetzt das Gras weg. Normalerweise kaufen wir nur im Winter Futter für unsere Tiere. In diesem Jahr mussten wir schon ab dem Frühjahr zusätzliches Futter kaufen. Die Auswirkungen sind also deutlich zu spüren.

SPIEGEL ONLINE: Wie wollen Sie das Problem lösen?

MacKinnon: Wir müssen die Population wieder unter Kontrolle bringen. Wir stellen Fallen auf, legen Köder aus und schießen die Kaninchen ab. Das ist fast ein Vollzeitjob.

SPIEGEL ONLINE: Essen Sie eigentlich gerne Kaninchenbraten?

MacKinnon: Sehr gerne sogar. Aber so viele Kaninchen kann ich gar nicht essen, dass es Canna helfen würde.

SPIEGEL ONLINE: Sollen alle Kaninchen von der Insel verschwinden?

MacKinnon: Nein, aber wir müssen ein Level finden, das wir im Griff behalten können. 4000 Kaninchen wären gut. Das wäre erträglich. Für uns und für die Insel.

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