Kannibale von Rotenburg Anklage fordert höhere Strafe

Im Revisionsprozess um das Urteil gegen den "Kannibalen von Rotenburg" vor dem Bundesgerichtshof haben Bundesanwälte und Verteidigung eine Aufhebung des Richterspruchs gefordert. Die in der deutschen Justizgeschichte beispiellose Straftat solle erneut verhandelt werden, verlangten sie.


Der "Kannibale von Rotenburg", Armin Meiwes: Verbrechen auf sittlich tiefster Stufe
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Der "Kannibale von Rotenburg", Armin Meiwes: Verbrechen auf sittlich tiefster Stufe

Karlsruhe - Dabei plädierte die Anklage heute auf Mord oder ein schärferes Strafmaß bei Totschlag, um weitere Straftaten zu verhindern. Die Verteidigung des heute 43-jährigen Armin Meiwes sah keinen Anlass für eine härtere Bestrafung. Meiwes war im Januar 2004 wegen Totschlags zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Ein Urteil über die Revision soll am 22. April in Karlsruhe verkündet werden.

Meiwes hatte vor vier Jahren einen Bekannten vor laufender Kamera zerlegt und Teile der Leiche aufgegessen. Da sich das willige Opfer im März 2001 freiwillig in die Hände des von Kannibalismus-Fantasien getriebenen Täters begeben hatte, hatte das Landgericht Kassel die grauenvolle Tat lediglich als Totschlag eingestuft.

"Das Urteil ist rechtsfehlerhaft", argumentierte Bundesanwalt Lothar Senge. Es seien mehrere Mordmerkmale nicht oder nicht ausreichend berücksichtigt worden. Meiwes habe aus niederen und eigensüchtigen Beweggründen - "dem Schlachten und Essen" - gemordet und seine sexuellen Triebe befriedigen wollen. "Das war ein Verbrechen auf sittlich tiefster Stufe", sagte Senge. Dabei sei der Mensch aus ungehemmter und abartiger Eigensucht zum bloßen Objekt geworden. "Diese Fantasien durchziehen das Leben des Angeklagten wie ein roter Faden", sagte Senge.

Meiwes-Anwalt Harald Ermel sieht dagegen die Menschenwürde des Opfers nicht verletzt. "Das Opfer hat auf diese Würde verzichtet", argumentierte der Verteidiger. Sein Mandant sei nur der "Wünsche-Erfüller" gewesen. "Er hat immer nur das gemacht, was die anderen machen wollten." Nach Ansicht Ermels sei vor der Tötung "eine Arbeitsteilung, ein Pakt vereinbart" worden. "Der eine wollte schlachten und essen, der andere wollte geschlachtet werden", sagte der Verteidiger. Daher habe Meiwes eine Tötung auf Verlangen begangen.



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