Kannibalen-Prozess Angebliche Freundin streitet Beziehung ab

Der Kannibale von Rotenburg hat in einem nicht abgeschickten Brief von einer Frau geschwärmt, sie sei im Bett wundervoll gewesen. Doch die Frau, die heute beim Prozess gegen Armin Meiwes als Zeugin auftrat, sagte, sie habe mit dem Angeklagten keine Affäre gehabt.


Angeklagter Meiwes: Als ob die Mutter nur mal kurz weg wäre
AP

Angeklagter Meiwes: Als ob die Mutter nur mal kurz weg wäre

Kassel - Die 39-Jährige, die mit blonder Perücke und schwarzer Brille auftrat, bestritt vor dem Landgericht Kassel, eine sexuelle Beziehung mit dem Angeklagten gehabt zu haben. Der 42-Jährige hatte in einem nicht abgeschickten, von der Polizei sichergestellten Brief geschrieben, dass er die Frau liebe. Im Bett sei sie wundervoll gewesen, mit ihr wolle er einen neuen Lebensabschnitt beginnen.

Meiwes hatte die Freundin seiner Nachbarin auf einer Silvesterparty 1999 kennen gelernt. Die 39-Jährige sagte, sie habe mit ihm etwa drei Wochen lang Verbindung gehabt. "Wir hatten aber keinen sexuellen Kontakt", betonte die Zeugin. Ihre Freundin untermauerte diese Aussage. Sie hätte es gewusst, wenn es eine Beziehung gegeben hätte, erklärte sie.

Die 39-Jährige bezeichnete Meiwes als sehr nett und hilfsbereit: Er habe ihr oft Blumen mitgebracht. Sie habe ihn auch besucht, sich dort aber nicht wohl gefühlt. "Das Haus war furchtbar. Es war irgendwo beängstigend." So sei im Zimmer der verstorbenen Mutter das Bett nicht gemacht gewesen. Ihre Brille habe noch da gelegen. "Für mich war das so, als ob die gute Frau nur mal kurz raus ist." Meiwes habe ihr einmal beiläufig gesagt, dass er schwul sei. Zwischen ihnen habe die Chemie nicht gestimmt. Dann sei der Kontakt abgebrochen.

Die Nachbarin des Angeklagten hatte ausgesagt, sie habe immer vermutet, dass er homosexuell sei. Einmal habe sie auf Meiwes Computer nackte "Sport treibende Jünglinge" gesehen.

Meiwes hat gestanden, am 10. März 2001 den Berliner Diplom-Ingenieur Bernd Jürgen B. auf dessen Wunsch hin entmannt und getötet zu haben. Er sagte aus, dass er etwa 20 Kilogramm des Menschenfleischs gegessen habe.



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