Kanzler-Ehe Zeitung will Doris Schröder-Köpf und Leibwächter vor Gericht zerren

Der juristische Streit über die Ehe-Gerüchte um Bundeskanzler Gerhard Schröder spitzt sich zu. Eine Zeitung, die Schröder wegen eines Berichts verklagt hatte, will nun die Kanzlergattin und seine Personenschützer als Zeugen laden. Aus dem geplanten schnellen Ende der Affäre könnte jetzt ein öffentlicher und peinlicher Justiz-Marathon werden.

Von


Mit allen Mitteln versucht das Ehepaar Schröder gegen die Gerüchte über ihre Ehe vorzugehen - oft mit umgekehrtem Erfolg
DDP

Mit allen Mitteln versucht das Ehepaar Schröder gegen die Gerüchte über ihre Ehe vorzugehen - oft mit umgekehrtem Erfolg

Berlin - Eifrig mühen sich die Schröders zurzeit, die "schlimmen Gerüchte" ("Bild") über das angebliche Kriseln in ihrer Ehe aus der Welt zu räumen. Am Donnerstag äußerte sich die Kanzlergattin ausführlich im Hamburger Magazin "Stern". Diejenigen Journalisten, welche solchen Klatsch weiter verbreiten würden, so Doris Schröder-Köpf, wollten lediglich "den Gerd weghaben" und betrieben deshalb weiterhin eine Kampagne gegen den SPD-Vorsitzenden Schröder und seine Frau. An dem Geraune über angebliche und unbewiesene Liebschaften des Kanzlers und daraus folgenden Ehe-Problemen sei jedoch nichts dran.

Die ehemalige Journalistin Schröder-Köpf könnte bald Gelegenheit bekommen, ihre Version der Dinge in einer weniger angenehmen Interviewsituation darzustellen. Geht es nämlich nach dem Willen des Berliner Rechtsanwalts Johannes Weberling, soll die Kanzlergattin bald vor einem Richter und dem interessierten Publikum am Berliner Landgericht über die Lage der Schröder-Ehe aussagen. Ob ihm das allerdings gelingen wird, ist zweifelhaft. Denn wahrscheinlich wird das Gericht die Zeugen nicht laden, da es sich hierbei um einen rechtlich unzulässigen Ausforschungsbeweis handeln dürfte.

Weberling sieht das anders. Nach seinem Willen sollen neben Schröder-Köpf sogar die Bodyguards, die den Kanzler rund um die Uhr begleiten, vor dem Gericht Stellung nehmen, wie es um die Kanzler-Ehe bestellt ist. Wie Weberling SPIEGEL ONLINE bestätigte, hat er am Mittwoch zu diesem Zweck beim Landgericht einen entsprechenden Antrag gestellt. Nun muss Schröder in einer Frist von üblicherweise drei bis vier Wochen eine Klage im Hauptsacheverfahren erheben, oder seine schon erreichten Verfügungen gegen die Berichterstattung über die angebliche Ehe-Krise werden aufgehoben.

Am Dienstag noch ohne Schröder vor Gericht

Hintergrund für die juristischen Auseinandersetzungen vor dem Berliner Landgericht sind noch immer zwei Berichte der brandenburgischen "Märkischen Oderzeitung" (MOZ) und der "Südwestpresse" aus Baden-Württemberg. Beide Blätter hatten am 30. November und am 4. Dezember 2002 einen Bericht ihres gemeinsamen Berliner Korrespondenten Gunther Hartwig abgedruckt. In dem Beitrag schrieb der Journalist, in der Hauptstadt gebe es Gerüchte über eine angebliche Krise in Schröders Ehe und einen vermeintlichen Zwist in aller Öffentlichkeit.

Kurz darauf bekamen beiden Zeitungen Post vom Kanzler-Anwalt Michael Nesselhauf, der Schröder schon im eher peinlichen Rechtsstreit über seine vermeintlich gefärbten Haare vertreten hatte. Mittels einer eidesstattlichen Versicherung, in welcher der Kanzler alle Gerüchte als unwahr bezeichnete und den angeblichen Streit dementierte, hatte Nesselhauf bereits eine einstweilige Verfügung erwirkt. Diese verbot den Zeitungen die Weiterverbreitung des Artikels. Gegen diesen Beschluss legte der Anwalt der "MOZ" sofort Widerspruch ein, der nun am 21. Januar vor dem Berliner Landgericht verhandelt wird - vermutlich noch ohne Schröder persönlich.

Chefredakteure fühlen sich vom Kanzler als Lügner inkriminiert

Bei seiner ersten großen Pressekonferenz im neuen Jahr fand Schröder für die Ehe-Berichterstattung klare Worte
REUTERS

Bei seiner ersten großen Pressekonferenz im neuen Jahr fand Schröder für die Ehe-Berichterstattung klare Worte

Doch ganz egal, wie der Prozess am kommenden Dienstag ausgeht, will sich die "MOZ" vom Kanzler nicht den Mund verbieten lassen. "Meine Mandanten nehmen für sich in Anspruch, seriös berichtet zu haben, und wollen kämpfen", kündigte ihr Anwalt Weberling am Donnerstag an. Besonders erregt sei die "MOZ"-Chefredaktion nach dem Auftritt des Kanzlers am Dienstag vor den versammelten Journalisten der Bundespressekonferenz gewesen. Bei seinem Auftritt hatte Schröder Berichte über sein Privatleben zwar als zulässig bezeichnete, jedoch mit mahnenden Worten hinzugefügt, dass die Presse nicht "lügen" dürfe - was die Zeitung nun auf sich bezieht und mit härteren Bandagen kämpfen will.

Aus diesem Grund will die "MOZ"-Chefredaktion das Berliner Verfahren nun erst richtig eröffnen und baut gleichzeitig mit der angekündigten Vorladung seiner Gattin eine wirksame Drohkulisse für den Kanzler auf. Rein juristisch könnte die Rechnung aufgehen, denn wenn das Gericht den Streit in einem Hauptsacheverfahren verhandelt, müssen "alle Beweismittel eingeführt werden", so Anwalt Weberling. In diesem Falle könnte Schröder nicht mehr in eigener Sache als Zeuge mit eidesstattlichen Versicherungen auftreten, sondern seine Frau müsste als Zeuge auftreten, was wiederum ein gefundenes Fressen für die Presse wäre. Ebenso müssten die Bodyguards genau berichten, wo der Kanzler nun nächtigte und ob er dies allein tat.

Ob an den Gerüchten überhaupt was dran ist, interessiert kaum noch

Die Lage für den Kanzler ist vertrackt. Schon seit Silvester müssen er und seine Frau fast jeden Morgen mit ansehen, wie seine Ehe öffentlich diskutiert wird. Besonders die Boulevardzeitungen überschlagen sich mit fettgedruckten Schlagzeilen über den "Casanova-Kanzler" ("BZ"). Englische Zeitungen gingen noch weiter und nannten die vermeintliche Liebschaft schon beim Namen, und so manche deutsche Zeitung druckte das auch noch nach. Mittlerweile hat der Kanzler auch gegen die "Mail on Sunday" eine einstweilige Verfügung erwirkt, da diese als erste britische Zeitung über den vermeintlichen Ehe-Krach berichtet hatte. Das darf das Massenblatt nun vorerst nicht mehr tun.

Gleichwohl muss Schröder in Deutschland ähnlich wie in dem Streit über seine Haare sehen, wie sich eine rechtliche Auseinandersetzung über angeblich falsche Presseberichte verselbstständigt. Um die Frage, ob das Gerücht über vermeintliche Seitensprünge des Kanzlers oder den angeblichen Streit zwischen den Schröders nun stimmt oder nicht, geht es in diesem Zwist nämlich schon lange nicht mehr. Vielmehr wollen die beiden verklagten Zeitungen nicht akzeptieren, dass sie von Schröder in ihrer Freiheit der Berichterstattung eingeschränkt werden. Der Reporter Gunther Hartwig steht nach wie vor zu seinem Bericht. "Ich habe bei der Geschichte absolut sauber gearbeitet und habe auch jetzt kein schlechtes Gewissen", sagte er SPIEGEL ONLINE am Donnerstag.

Wie der Kanzler und seine Juristen auf den aktuellen Schritt in dem Verfahren reagieren, ist noch unklar. Rechtlich bleibt ihnen noch eine Frist von drei bis vier Wochen, um auf den Antrag des Presse-Anwalts zu antworten. Schröders Anwalt Michael Nesselhauf wollte sich gegenüber SPIEGEL ONLINE am Donnerstag nicht zu der neuen Entwicklung in dem Verfahren äußern, da ihm der Antrag nach seinen Angaben nach nicht vorlag.



© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.