Kaprun-Inferno Anwälte streiten um ihre Pfründe

Ein Jahr nach der Gletscherbahn-Katastrophe ist der Streit zwischen den Hinterbliebenen-Anwälten voll entbrannt. Ein österreichischer Jurist leitete rechtliche Schritte gegen den US-Staranwalt Ed Fagan ein.


Ein Jahr nach der Kaprun-Katastrophe: Hinterbliebene gedenken der Opfer
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Ein Jahr nach der Kaprun-Katastrophe: Hinterbliebene gedenken der Opfer

Linz - Fagan macht die österreichischen Behörden für die Katastrophe in Kaprun mitverantwortlich. Ihm geht es vor allem darum, hohe Schadenersatzzahlungen für seine Mandanten durchzusetzen. Ein Linzer Anwalt wirft seinem amerikanischen Kollegen nun ein "gefährliches Spiel mit den Emotionen der Hinterbliebenen" vor. Außerdem habe der US-Anwalt mehrfach gegen österreichische Rechtsvorschriften verstoßen. Dem Linzer Privatsender "Life Radio" zufolge sind schon mehrere Verwaltungsstrafverfahren gegen Fagan bei österreichischen Behörden eingeleitet worden.

Laut dem Linzer Anwalt sei Fagan in Österreich nicht berechtigt, anwaltliche Tätigkeiten auszuüben. Der Amerikaner mache sich somit der so genannten Winkelschreiberei schuldig. Außerdem sei seine Honorargestaltung in Österreich unzulässig, weil dieser als Bezahlung einen Anteil der Streitsumme vereinbart habe. Der österreichische Jurist vertritt selbst auch Hinterbliebene vor Gericht.

Auch Witti klagt

International bekannt wurde Ed Fagan durch seine Sammelklagen in den USA im Namen ehemaliger NS-Zwangsarbeiter. Die Zusammenarbeit mit Fagan in dieser Sache brachte dem Münchner Anwalt Michael Witti ein Honorar von über acht Millionen Mark ein.

Auch Witti ist mit dem Angebot der österreichischen Versicherung nicht einverstanden. Die Generali Versicherung AG in Wien, bei der die Gletscherbahnen Kaprun AG eine Betriebshaftpflichtversicherung mit einer Deckungssumme von 320 Millionen Schilling (gut 45 Millionen Mark) unterhält, will "nahen Angehörigen" der Opfer vorerst ein "seelisches Schmerzensgeld" von umgerechnet 14.000 Mark auszahlen. Witti dagegen fordert im Namen seiner 14 Mandanten, dass pro Opfer eine Entschädigung von rund drei Millionen Mark gezahlt wird.

Wer ist schuldig?

Gletscherbahn-Unglück: Wer trägt die Entschädigungszahlungen?
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Gletscherbahn-Unglück: Wer trägt die Entschädigungszahlungen?

Bei der Höhe des Schmerzensgeldes orientiert er sich an der Entschädigung für die Angehörigen der Concorde-Opfer. Noch lieber wäre ihm eine außergerichtliche Regelung mit der österreichischen Regierung über eine halbe Milliarde Mark für alle Anspruchsberechtigten. Hierbei orientiert er sich an den Entschädigungszahlungen für die Zwangsarbeiter.

Geht Wien auf die bereits angebotenen Verhandlungen nicht ein, wird die Bundesrepublik Österreich in einer in den USA angestrengten Sammelklage als "Hauptschuldige des Unglücks" genannt werden. Als größte Anteilseignerin an der Gletscherbahn AG trage sie die Verantwortung für die Sicherheitsmängel der Bahn.

Bei dem Seilbahnunglück am österreichischen Kitzsteinhorn kamen 155 Menschen ums Leben, darunter auch 35 Menschen aus Bayern. Ursache des Brandes war ein defekter Heizlüfter.





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