»Nicht mehr katholisch« Kardinal Müller kritisiert gemeinsames Abendmahl mit Protestanten

Katholische und evangelische Christen setzen am Samstagabend beim Ökumenischen Kirchentag ein Zeichen der Annäherung. Für Kardinal Müller war der gemeinsame Gottesdienst allerdings »eine Provokation«.
Kardinal Gerhard Ludwig Müller, ehemaliger Präfekt der römischen Glaubenskongregation (Archivfoto)

Kardinal Gerhard Ludwig Müller, ehemaliger Präfekt der römischen Glaubenskongregation (Archivfoto)

Foto: Andreas Arnold / picture alliance / dpa

Kardinal Gerhard Ludwig Müller, der ehemalige Präfekt der römischen Glaubenskongregation, hat die gemeinsamen Abendmahlsgottesdienste katholischer und evangelischer Christen beim Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt am Main kritisiert. Dies sei »eine Provokation des Lehramtes der katholischen Kirche«, teilte Müller der Deutschen Presse-Agentur mit.

In vier Präsenzgottesdiensten waren am Samstagabend in Frankfurt Katholiken eingeladen worden, am evangelischen Abendmahl teilzunehmen, während Protestanten umgekehrt die katholische Eucharistie mitfeiern konnten.

»Niemand kann eigenmächtig und nach eigenem Gusto die Gegensätze zwischen evangelisch-protestantischem und katholischem Glaubensbekenntnis für nebensächlich erklären oder ignorieren«, kommentierte Müller, früher Bischof von Regensburg. »Wer sich im Widerspruch zur katholischen Lehre und ihrer verbindlichen Auslegung durch das römische Lehramt verhält, ist nicht mehr katholisch.«

»Ich fühlte mich zu Hause«

Der Präsident des Ökumenischen Kirchentags in Frankfurt, Thomas Sternberg, wies die Kritik von Müller zurück. »Wir leben eine Ökumene der Gastfreundschaft«, sagte Sternberg bei der Abschlusspressekonferenz des Kirchentags. »Mich hat das Ganze sehr, sehr tief berührt.« Die in Frankfurt praktizierte gegenseitige Einladung sei Realität in zahllosen deutschen Gemeinden. Es sei somit nur ehrlich, wenn man dies nun erstmals auch bei einem Kirchentag öffentlich so gehandhabt habe. »Das ist ein ökumenischer Fortschritt«, sagte er. »Ich fühlte mich zu Hause.«

Das letzte Abendmahl  hielt Jesus nach biblischer Überlieferung mit seinen Aposteln am Abend vor seiner Festnahme und Hinrichtung ab. Aus der Erinnerung daran entwickelte sich die wichtigste christliche Kultform, das gemeinsame Abendmahl der Gläubigen, das die Katholiken Eucharistie nennen. Neben vielen Gemeinsamkeiten gibt es hier auch Unterschiede im Verständnis, so darf die katholische Eucharistie nur vom Priester zelebriert werden.

mjm/dpa