Katholische Kirche Kardinal Woelki bietet Papst Amtsverzicht als Kölner Erzbischof an

Kardinal Rainer Maria Woelki hat dem Papst nach eigenen Worten seinen Amtsverzicht angeboten. Franziskus werde zu gegebener Zeit darüber entscheiden, teilte das Erzbistum Köln mit.
Kardinal Woelki (im September 2021)

Kardinal Woelki (im September 2021)

Foto: Peter Back / Future Image / IMAGO

Die Proteste und der Unmut der Gläubigen im Erzbistum Köln haben nach vielen Monaten offenbar Früchte getragen: Am heutigen Tag hat Kardinal Rainer Maria Woelki nach einer fünfmonatigen Auszeit seinen Dienst wieder aufgenommen – und bietet gleichzeitig seinen Rücktritt an.

In einer am Aschermittwoch veröffentlichten Erklärung teilte der Erzbischof mit, dass er dem Papst seinen Amtsverzicht angeboten habe. Franziskus werde darüber »zu gegebener Zeit« entscheiden, hieß es. Das Kirchenoberhaupt habe »angeordnet«, dass Woelki seinen Dienst wieder aufnehme.

Auf der Kölner Domplatte veranstaltete derweil die feministische Reforminitiative Maria 2.0 eine Protestkundgebung gegen die Rückkehr des wegen seiner mangelhaften Missbrauchsaufarbeitung umstrittenen Kardinals.

Schmerzende Verantwortung

In einem fünf Seiten langen Hirtenbrief  wandte sich Woelki am Aschermittwoch an die Gläubigen. Es sei ihm klar, dass sich mit seiner Rückkehr ins Erzbistum »für viele von Ihnen auch ganz unterschiedliche Gefühle verbinden: Verunsicherung, Unverständnis, Misstrauen bis hin zur Ablehnung meiner Person sowie einer gewissen Sorge im Hinblick darauf, wie es bei uns im Erzbistum weitergehen wird«, schrieb er.

Der Kardinal bedauerte, dass diese Zeit für viele Menschen in der katholischen Kirche eine so belastete Zeit sei: »Und ich weiß und es schmerzt mich, dass auch ich für diese Situation Verantwortung trage.«

Beten und arbeiten

Woelki gibt sich zunächst selbstkritisch. Er habe in den vergangenen Monaten Zeit gehabt, sich »den Fehlern und der Schuld in meinem Leben zu stellen«, dabei »betend und arbeitend« sein Handeln reflektiert und darüber meditiert.

Die Situation sei seit Oktober letzten Jahres »nicht einfacher geworden«, eine Auszeit löse keine Probleme, schreibt der Kardinal – und gleitet dann ins Ungefähre ab. Versöhnung könne »nur in einem Miteinander gedacht, gewagt, konkret versucht werden – und nicht im Modus einer Auszeit voneinander«.

Woelki hatte die Auszeit angetreten, nachdem ihm Papst Franziskus große Fehler vor allem in seiner Kommunikation bescheinigt hatte. Das Erzbistum Köln befindet sich in einer Krise, seit Woelki 2020 entschieden hatte, ein Gutachten über den Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Fällen von sexuellem Kindesmissbrauch zunächst nicht zu veröffentlichen. Er führte rechtliche Gründe dafür an und gab ein neues Gutachten in Auftrag. Im Zuge dieser Entscheidung kam es zu einer immer stärkeren Entfremdung zwischen dem Kardinal und den wichtigsten Gremien des Erzbistums.

Schädliche Hängepartie

Der Kirchenrechtler Thomas Schüller sieht Kardinal Woelki nach dessen Rücktrittsangebot an Papst Franziskus als »Erzbischof auf Abruf«. Der damit entstandene Schwebezustand sei im Grunde eine »Zumutung für Woelki, denn er muss etwas liefern, was er nicht leisten kann: Dialogfähigkeit, Gabe der Versöhnung und die Bitte um Vergebung, die ihm die Gläubigen abnehmen können«. Aber auch den Gläubigen werde wieder eine weitere Hängepartie zugemutet. Papst Franziskus müssen endlich erkennen, dass »die Scheidung auf Katholisch im Erzbistum Köln zwischen Kardinal und Gläubigen unausweichlich ist«.

Anzeigen gegen Woelki und andere wegen Beihilfe durch Unterlassen

Derweil droht weiteres Ungemach: Im Zusammenhang mit dem wegen sexuellen Missbrauchs verurteilten Kölner Priester Hans Bernhard U. haben verschiedene Menschen einem Bericht zufolge Strafanzeige gegen Kardinal Woelki sowie andere führende Bistumsvertreter erstattet – wegen vorsätzlicher Beihilfe durch Unterlassen in dem Fall. Dies berichtet der »Kölner Stadt-Anzeiger« am Mittwoch. Laut Staatsanwaltschaft waren die Anzeigen am Dienstag noch nicht aktenkundig.

Neben Woelki sollen sich die Anzeigen gegen Generalvikar Markus Hofmann, dessen Vorgänger Dominik Schwaderlapp, den Hamburger Erzbischof Stefan Heße sowie Domkapitular Günter Assenmacher richten, den ehemaligen Leiter des Kölner Kirchengerichts.

Unabhängig von den Anzeigen habe die Staatsanwaltschaft angekündigt, von Amts wegen zu prüfen, ob sich Bistumsvertreter im Fall U. strafbar gemacht hätten, berichtete die Zeitung.

ala/dpa