Flüchtlingspolitik Le Pen wirft Papst Einmischung vor

Im Petersdom hat Papst Franziskus die Karfreitagsliturgie geleitet. Ein Prediger erinnerte an Gottes "Nein" zu Gewalt und Hass. Kritik am Vatikan äußerte die französische Rechtspopulistin Le Pen.

AFP

Bei der Karfreitagsliturgie im Petersdom hat sich Papst Franziskus zu Beginn des Gottesdienstes auf einen Teppich gelegt und gebetet. Der 80-Jährige lag einige Minuten vor dem Altar. Er trug ein dunkelrotes Gewand, das an die Kreuzigung Jesu erinnert.

Anschließend erinnerte der Prediger des päpstlichen Hauses die Hunderten anwesenden Gläubigen an die vielen Kinder, die kürzlich bei einem Giftgasangriff in Syrien getötet wurden, und an den Doppelanschlag auf koptische Christen in Ägypten am vergangenen Sonntag.

Berichte über Gewalt und Tod fehlten so gut wie nie in den Abendnachrichten, sagte Prediger Raniero Cantalamessa. "Diese Berichte folgen so schnell aufeinander, dass wir jede Nacht vergessen, was tagsüber eigentlich geschehen ist."

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Karfreitagsliturgie: Der Papst im Petersdom

Warum erinnere sich die Welt also noch immer an den Tod eines Menschen vor 2000 Jahren, als sei er gestern passiert? "Es scheint, dass (Jesu) Tod für immer das Gesicht des Todes verändert und eine neue Bedeutung für den Tod eines jeden Menschen gegeben hat." Cantalamessa sagte, das Kreuz sei Gottes "Nein" zu Gewalt, Unrecht, Hass und Lügen.

Am Abend wollte Franziskus den traditionellen Kreuzweg am Kolosseum verfolgen, bei dem in 14 Stationen der Leidensweg von Jesus Christus inszeniert wird. Zum Abschluss hält der Papst eine Ansprache. Angesichts der Terrorgefahr galten hohe Sicherheitsvorkehrungen. Sprengstoffspürhunde waren im Einsatz.

Le Pen wirft Papst Einmischung vor

Papst Franziskus wirbt immer wieder für Solidarität in der Flüchtlingsfrage und ermuntert stets, sich für die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen einzusetzen. Zuletzt beklagte er gegenüber den EU-Staats- und Regierungschefs in Rom, dass Menschen auf der Flucht vor Krieg und Armut in Europa zunehmend als Gefahr wahrgenommen würden.

Mit dieser Haltung stößt Franziskus immer wieder auf Kritik. "Dass er zur Barmherzigkeit, zur Aufnahme des Anderen, des Fremden aufruft, schockiert mich nicht", sagte die französische Rechtspopulistin und Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen in einem Interview der katholischen Zeitung "La Croix".

"Aber Barmherzigkeit kann nur individuell sein. Dass er von den Staaten verlangt, dass sie gegen das Interesse der Völker handeln, indem sie keine Bedingungen für eine erhebliche Einwanderung stellen, ist für mich Politik und sogar Einmischung, denn er ist auch ein Staatschef."

ulz/dpa/AP



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