Karibik Tropensturm "Gustav" fordert erste Todesopfer

Schweres Unwetter: Der Tropensturm "Gustav" hat in den Karibikstaaten Haiti und Dominikanische Republik elf Menschen das Leben gekostet. Tausende mussten ihre Häuser verlassen und in Sicherheit gebracht werden.


Port-au-Prince - Weite Teile Haitis standen unter Wasser, mit Windgeschwindigkeiten von rund 100 Kilometern in der Stunde hinterließ "Gustav" am Mittwoch eine Schneise der Verwüstung. Der Sturm nahm indes Kurs auf Kuba und Jamaika, wo er am Donnerstag als wiedererstarkter Hurrikan erwartet wurde.

Am Wochenende, zum dritten Jahrestag des verheerenden Hurrikans "Katrina", könnte "Gustav" Meteorologen zufolge auf die südwestlichen Staaten der USA treffen. Unter anderem in New Orleans begannen die Behörden, Schutzmaßnahmen und mögliche Evakuierungen vorzubereiten. Unterdessen wurden die ersten Ölplattformen im Golf von Mexiko geräumt. Die Offshore-Anlagen fördern ein Viertel des in USA verbrauchten Öls. Der Ölpreis stieg daher im Handel in New York um rund vier Dollar auf 119 Dollar pro Barrel (159 Liter).

Der vom Hurrikan zum Tropensturm herabgestufte "Gustav" verharrte am Mittwoch zunächst über Haiti, nahm aber am Nachmittag Kurs auf die Cayman-Inseln und sollte später in Richtung Kuba weiterziehen. Meteorologen gingen davon aus, dass sich "Gustav" über dem Meer wieder zu einem gefährlichen Hurrikan der Stärke drei entwickeln könnte. Erste Ausläufer führten in Kuba bereits zu heftigen Regenfällen, die Straßen Havannas waren überflutet.

Eine achtköpfige Familie wurde in Santo Domingo, der Hauptstadt der Dominikanischen Republik, am Dienstagabend von einem Erdrutsch begraben, wie die Behörden am Mittwoch mitteilten. Das Nachbarland Haiti meldete drei Tote, darunter einen Mann, der ebenfalls bei einem Erdrutsch ums Leben kam. Ein Mädchen wurde beim Überqueren einer Brücke von den Wassermassen mitgerissen.

Der Sturm war am Dienstag als Hurrikan mit heftigem Regen und Windgeschwindigkeiten von 145 Kilometern in der Stunde auf Haiti getroffen. In Port-au-Prince und weiten Landesteilen stand das Wasser den Menschen teils bis zu den Knien.

Landwirte und Uno-Experten befürchteten, dass die Ernte im ärmsten Land der westlichen Hemisphäre stark in Mitleidenschaft gezogen werden könnte. Bananenplantagen und Felder waren am Morgen bereits überschwemmt. Bei größeren Ernteschäden drohen steigende Preise und eine Verschärfung der Hungerkrise.

Erst Mitte des Monats hatte der Tropensturm "Fay" auf Haiti und in der Dominikanischen Republik schwere Überflutungen verursacht. Mehr als 20 Menschen verloren ihr Leben.

jdl/AP

Orkan, Hurrikan, Zyklon und Taifun
Entstehung
Orkan, Hurrikan, Zyklon und Taifun sind im Grunde das gleiche Wetterphänomen. Bei allen vieren handelt es sich um Wirbelstürme, die entstehen, wenn sich um ein großes Tiefdruckgebiet ein Sturmfeld bildet. Je nach Stärke und Größe kann es erhebliche Verwüstungen anrichten.

Ein Orkan entsteht, wenn kalte Luft vom Nordpol auf warme Luft aus dem Süden trifft. An der Grenze, der sogenannten Polarfront, ziehen die Luftmassen aneinander vorbei. Dabei können Drehbewegungen entstehen, in deren Zentrum der Luftdruck stark abfällt und Tiefdruckwirbel mit starken Winden ausgelöst werden.

Tropische Wirbelstürme entstehen dagegen über aufgeheizten Wassermassen im Ozean. Die aufsteigende Luft erzeugt einen Unterdruck, der Luft aus der Umgebung ansaugt. Dieser Kamineffekt wird durch das warme Wasser weiter befeuert. Die Luftmassen werden durch die sogenannte Corioliskraft, die aus der Erdrotation entsteht, in Drehung versetzt.
Unterscheidung
Von Orkanen sprechen Seefahrer und Meteorologen ab Windstärke zwölf, dem höchsten Wert auf der nach dem britischen Admiral Francis Beaufort benannten Beaufort-Skala. Sie entspricht einer Geschwindigkeit von 117,7 Kilometern pro Stunde oder 64 Knoten. Solche Winde können nicht nur in Tiefdruckgebieten wie etwa "Kyrill", sondern auch örtlich begrenzt in Tornados auftreten.

Während der Begriff Orkan früher zusammenfassend für alle diese Phänomene benutzt wurde, bezeichnet er heute meist nur noch die Windstärke bei Stürmen in Europa. Ein tropischer Wirbelsturm wird dagegen Hurrikan oder Taifun genannt - je nachdem, ob er sich im Atlantik, dem Nordpazifik oder in der Karibik entwickelt und so zum Hurrikan wird oder aber im nordwestlichen Pazifik wütet und dann als Taifun gilt. Im Indischen Ozean wiederum wird ein Wirbelsturm auch Zyklon genannt.

Tropische Wirbelstürme entwickeln höhere Windgeschwindigkeiten als Winterstürme. Letztere besitzen dagegen breitere Sturmfelder und bewegen sich schneller fort, manchmal bis zu 2000 Kilometer pro Tag.
Gefahren
Wirbelstürme können die See zu Wellenhöhen von bis zu 20 Metern aufpeitschen. Im Binnenland sind sie wegen größerer Reibung am Boden dagegen selten, weshalb es dort meist nur zu Orkanböen kommt. Sie können selbst starke Bäume entwurzeln und schwere Verwüstungen verursachen. Der Hurrikan "Katrina" etwa, der im August 2005 New Orleans verwüstete und mehreren tausend Menschen das Leben kostete, wurde aus einem tropischen Tief geboren. In Asien lösen Taifune regelmäßig Katastrophen mit Hunderten Toten aus.

Zu vergleichbar schweren Katastrophen kam es in Europa noch nicht. Aber auch hier richteten Winterorkane schon erhebliche Schäden an und töteten Dutzende Menschen. Ende 1999 etwa zog der Orkan "Lothar" von der Biskaya kommend über Frankreich, die Schweiz und Süddeutschland und richtete einen Schaden in Milliardenhöhe an. Der Sturm traf mittags mit voller Wucht auf den Schwarzwald, mit Spitzengeschwindigkeiten von 272 km/h. Selbst in dem im tiefen Rheingraben gelegenen Karlsruhe wurden Werte von bis zu 151 km/h registriert. Mehr als 60 Menschen wurden europaweit durch den "Jahrhundertsturm" getötet.



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