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16. Februar 2015, 07:19 Uhr

Karneval in Rio

Wasser marsch

Bloß weil es schüttet wie aus Eimern, lassen sich die Brasilianer noch lange nicht den Spaß verderben: Zum Auftakt des Wettbewerbs der besten Sambaschulen waren beim Karneval in Rio vor allem wasserfeste Kostüme gefragt.

Rio de Janeiro - Das wichtigste Utensil beim Auftakt des Karnevals in Rio: Ein glitzernder Bikini? Ein prachtvoller Federschmuck? Oder eine quietschbunte Perücke? Alles falsch, zumindest in diesem Jahr. Unerlässlich war vor allem ein Regencape aus Plastik. Etwa eine Stunde vor Beginn des Umzugs flutete tropischer Regen das Sambódromo, den von Tribünen flankierten Karnevalsboulevard. Teilnehmer versuchten, ihre Kostüme zu schützen und zogen die Plastikcapes erst direkt vor ihrem Auftritt aus.

Den Auftakt beim Defilee der besten Sambaschulen machte der Klub Unidos de Viradouro, der mit rund 3600 Teilnehmern und sieben riesigen Motivwagen über den rund 750 Meter langen Karnevalsboulevard schritt. Die Sambaschule thematisierte die Einflüsse der schwarzen Bevölkerung auf die Kultur, die Musik und die Küche Brasiliens.

Das Spektakel verfolgten auf den Stadionrängen schätzungsweise 80.000 Zuschauer, darunter der spanische Tennisstar Rafael Nadal, der wegen eines Turniers in der Stadt weilt. Er versuchte sich, geschützt von einem Plastikumhang, ebenfalls im Sambatanzen. Allzu lange blieb der Sportler aber nicht - nach 20 Minuten wurde ihm die Aufmerksamkeit der Presse wohl zu viel.

Sonntag- und Montagnacht nehmen insgesamt zwölf Sambaschulen an dem Wettbewerb im Sambódromo teil. Der Gewinner wird später in der Woche bekanntgegeben. Unidos da Tijuca, Sieger des vergangenen Jahres, wird Montagnacht als letzte Schule über den Boulevard ziehen.

Der Karneval kommt den Brasilianern gerade recht. Er bietet Ablenkung von den Problemen des Landes: der stagnierenden Wirtschaft, einem Korruptionsskandal beim staatlichen Ölunternehmen Petrobras, der schlimmsten Dürre im Südosten seit 80 Jahren, von der auch Rio und São Paulo betroffen sind. Wegen der Trockenheit wurden in manchen kleineren Orten sogar die Karnevalsfeierlichkeiten abgesagt.

Auch deshalb war der Regen in Rio willkommen - auch wenn er die größte aller Karnevalspartys störte. "Wir brauchen ihn, auch wenn es mir ehrlicherweise lieber gewesen wäre, wenn er erst am Aschermittwoch gekommen wäre", sagte ein Besucher.

In der Küstenstadt Paraty wurden alle Feierlichkeiten abgesagt, nachdem ein Mann das Feuer auf eine Karnevalsfeier eröffnete. Ein 21-Jähriger starb bei dem Angriff, neun Personen wurden verletzt. Der Schütze ist noch nicht gefasst.

ulz/AP/dpa

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