Gerüchte über mögliches Feierverbot Karnevalisten kritisieren Spahn-Vorstoß

Die Aussicht, in der kommenden Saison Corona-bedingt keinen Karneval feiern zu dürfen, stimmt viele Fans grimmig. Dass Gesundheitsminister Spahn dies bevorzugen würde, auch.

Auf einer Konferenz des Gesundheitsausschusses soll Minister Jens Spahn (CDU) angemerkt haben, dass er sich mitten in einer Pandemie nicht vorstellen könne, Karneval zu feiern. Die "Rheinische Post" berichtete  unter Berufung auf Teilnehmer der Sitzung, dass der Gesundheitsminister das bunte Treiben in der Saison 2020/2021 bundesweit am liebsten ausfallen lassen würde.

"Ich war selbst Kinderprinz und komme aus einer Karnevalshochburg - ich weiß also, wie wichtig Karneval für viele Millionen Deutsche ist, aber ich kann mir Karneval in diesem Winter, mitten in der Pandemie schlicht nicht vorstellen", zitierte die Zeitung Spahn. Dies sei "bitter, aber so ist es".

"Viel zu früh, Veranstaltungen abzusagen"

Es dauerte nicht lange, bis erste Proteste laut wurden. Der Präsident des Bunds Deutscher Karneval (BDK), Klaus-Ludwig Fess, sprach sich umgehend gegen eine Komplettabsage der kommenden Karnevalssaison aus: "Es ist im August viel zu früh, Veranstaltungen abzusagen", sagte Fess den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND). "Einer Pauschalabsage der Session können wir nicht zustimmen." Er gehe aber davon aus, dass der Minister zu der Frage noch ein klares Statement abgeben werde.

Der "Rheinischen Post" hatte Fess gesagt, eine Absage bedeute für die Karnevalshochburgen "ein wirtschaftliches Desaster". Er plädierte für die Einrichtung eines Runden Tisches aus Bundesverband und Regionalvertretern.

Karneval auf der Kippe

Ähnlich hatte sich zuvor das Festkomitee Kölner Karneval geäußert. "Eine pauschale Absage mehrere Monate vor der Session halten wir für wenig zielführend", sagte dessen Präsident Christoph Kuckelkorn dem "Kölner Stadt-Anzeiger".

Zwar seien der Straßen- oder Kneipenkarneval schwer machbar, "auch Ballveranstaltungen können wir uns nicht vorstellen", sagte Kuckelkorn am Mittwoch im WDR-"Morgenmagazin". Anders sei es bei Karnevalssitzungen mit Hygienekonzept. Schließlich dürfe man ja auch mit Maske in ein Restaurant gehen und diese dann am Platz abnehmen. Der Sicherheitsabstand müsse eingehalten werden, sagte Kuckelkorn.

Party ohne Kölsch?

Traditionell fließt beim Karneval viel Alkohol, dementsprechend groß ist bisweilen der Kontrollverlust. Dies sei eine Komponente, die man berücksichtigen müsse, sagte Kuckelkorn. "Vielleicht gibt es ja auch Veranstaltungen, in denen es gar keinen Alkohol mehr gibt oder nur noch eingeschränkt Alkohol." Künstler würden vielleicht anteilsmäßig auf ihre Gage verzichten. Die Vereine müssten jetzt herausarbeiten, was der Kern des Karnevals sei und diesen klein inszenieren. "Das ist auch eine große Chance."

Kuckelkorn sagte, Mitte September werde man vom Landesgesundheitsministerium die vorgelegten Hygienekonzepte bewertet zurückbekommen. Dann werde sich zeigen, wie der Karnevalsbeginn am 11.11. ablaufen werde.

"Karneval geht nicht mit 1,50-Abstand und Schutzmaske"

SPD-Chef Norbert Walter-Borjans äußerte sich skeptisch: "Karneval, so wie er ist, geht nicht mit 1,50-Abstand und Schutzmaske", sagte der Rheinländer dem Sender ntv. Er sei "tief traurig, wenn er nicht in der üblichen Form ablaufen kann". Aber Veranstaltungen, wie man sie kenne, würden unter Pandemie-Bedingungen nicht möglich sein. Am Ende sei das gar nicht kontrollierbar. Deswegen müsse man neue Formen finden.

Auch der Präsident des Gonsenheimer Carneval Vereins aus Mainz, Martin Krawietz, erteilte Spahns Überlegungen eine Absage. Im Südwestrundfunk sagte Krawietz, Spahns Aussagen seien nur Meinungsäußerungen gewesen - aber kein konkretes Verbot.

"Fakt ist, dass die Fastnacht viele Facetten hat", sagte Krawietz. Dabei sei zu unterscheiden, ob die Fastnacht auf der Straße oder im Saal gefeiert werde. "Es besteht bei allen Vereinen ein Konsens darüber, dass wir die kommende Kampagne nicht so feiern können, wie wir es die vergangenen Jahrzehnte gemacht haben."

Viele Künstler existenzgefährdet 

Der Komiker und Fernsehmoderator Bernd Stelter ist sich sicher: "Karneval kann man nicht absagen, das ist Teil des Kalenders." Natürlich könne man nicht einfach wie früher 10.000 Mann in die Kölnarena stecken und sie schunkeln und laut singen lassen. Veranstaltungen könne man absagen: "Da muss man mal ein bisschen kreativ sein."

Karneval sei aber immer auch Ausdruck der Lebensfreude und davon "haben wir im Moment mal wirklich zu wenig". Für viele Künstler wäre eine komplett ausgefallene Karnevalsession außerdem existenzgefährdend. "Ich werde daran nicht pleitegehen. Aber junge Kollegen, die das vielleicht erst seit ein, zwei, drei Jahren machen oder auch die ganzen Technikfirmen, für die sieht das ganz, ganz böse aus."

ala/dpa/AFP
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