+++ Karnevals-News +++ Straßenkarneval ist pünktlich nicht gestartet

Der Straßenkarneval fällt aus – und es ist so ruhig, dass die Kölner Polizei zu Scherzen aufgelegt ist. Alle karnevalistischen Nachrichten im Newsticker.
Aus Köln berichtet Armin Himmelrath, einsamster Karnevalsreporter der Welt
In den Karnevalshochburgen blieb es bisher ruhig

In den Karnevalshochburgen blieb es bisher ruhig

Foto: Oliver Berg / dpa

16:30 Uhr: Und ein allerletztes »Humpis! – Ahoi!« (so heißt das in Brochenzell am Bodensee, schreibt Teresa) – und ein allerallerletztes Video. Die Bläck Fööss, 1976. Ein Zeitdokument, ein Schatz und ein wunderschönes Lied. Maat et joot!

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16:25 Uhr: Liebe Karnevalsfreundinnen und -freunde, liebe Mitfeiernde, was für eine seltsame Session, was für ein gewöhnungsbedürftiges Setting, so im Kostüm und einsam vor dem Rechner. Das war und ist alles sehr anders in diesem Jahr. Eins aber ist wie immer: Wenn man an Weiberfastnacht früh startet, kommt irgendwann am Nachmittag der Durchhänger. Bei mir ist es gleich so weit, deshalb verabschiede ich mich hier aus dem Karnevals-Newsticker mit einem herzlichen Alaaf – und mit der Hoffnung, dass wir uns im nächsten Jahr tatsächlich wieder auf der Straße sehen. Maat et joot!

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16:19 Uhr: Der Hamburger Kollege, der am Morgen noch gefragt hatte, wann es denn eigentlich losgehe, möchte jetzt wissen: »Ist denn beim Karneval überhaupt irgendwann Schluss«? Am Aschermittwoch, Liebelein, am Aschermittwoch ist alles vorbei.

16:07 Uhr: Auf zum Schlussspurt! Mit Miljö und dem tollen Song »Su lang die Leechter noch brenne«, der wie jeder gute karnevalstaugliche Hit überbordenden Lokalpatriotismus mit gleichfalls überbordender Sentimentalität verbindet.

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15:55 Uhr: Weitere Karnevalsrufe gefällig? Hier kommt eine letzte Auswahl für heute:

  • Südlich von Stuttgart, in Neuhausen auf den Fildern, lautet der arttypische Ruf der Karnevalistin (m/w/d): »Auf die Pauke haut'se – Bauze, Bauze.« Das schreibt Mirjam und ordnet das Ganze auch ein: »Im Normalfall beginnt der SchmoDo (schmotziger Donnerstag) mit dem morgendlichen Wecken um 5 Uhr der Waschlappen Glunker e.V., die musizierend durch die Neuhäuser Straßen ziehen und die Bürgerinnen und Bürger wecken. Am Abend ist dann der Rathaussturm mit Hexentanz und großem Feuer. Davor und anschließend sind alle Wirtschaften, Vereinsheime und die ein oder andere Garage des Ortes geöffnet.« Normalerweise, wie gesagt... (hier in Köln würde übrigens niemand um 5 Uhr aufstehen)

  • Im Krefelder Stadtteil Hüls ruft man »Breetlook«, was – halten Sie sich fest – so viel wie »Lauch« heißt. Logischerweise werden dazu an Karneval die Fenster mit Lauchstangen geschmückt, berichtet Christopher.

  • Und wo ruft man »Sulli, Sulli, Helau«? Im Thüringischen Suhl – danke, Kristin!

15:41 Uhr: Auch aus den anderen Karnevalshochburgen melden die Behörden: keine besonderen Vorkommnisse: In Düsseldorf trafen die Polizisten nur »ganz vereinzelt« auf verkleidete Narren. »Die Stadt ist leer«, sagte ein Sprecher der Polizei. Es sei fast so, als würde es Karneval gar nicht geben.

Auch in Mainz blieb es bisher ruhig. Bis zum Mittag seien keine Menschenansammlungen in der Stadt festgestellt worden, sagte ein Polizeisprecher. Daher seien die Beamten auch zu keinem Einsatz ausgerückt. Oberbürgermeister Michael Ebling hatte am Dienstag dazu aufgerufen, sich die Onlinestreams der Fastnachtsvereine anzusehen und nicht zu feiern.

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15:25 Uhr: Hier kommt jetzt noch jet förs Hätz, aber so richtig: Menschen, die Karnevalszüge aus Spielzeugfiguren und -fahrzeugen nachbauen. Lautsprecher bitte bis zum Anschlag aufdrehen:

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15:12 Uhr: Auch wenn Altweiber in den rheinischen Karnevalshochburgen heute ausfällt, gab es vorhin trotzdem ein bisschen Karneval im Landtagsplenum in Düsseldorf. Der Kölner SPD-Abgeordnete Jochen Ott verteilte bei der Sondersitzung zu den Corona-Beschlüssen Luftschlangen, rote Nasen und Partyrüssel an die Abgeordneten.

Karneval im kleinen Kreis (in Köln)

Karneval im kleinen Kreis (in Köln)

Foto: Oliver Berg / dpa

14:58 Uhr: Jetzt kommen aber wirklich die Feinschmecker-Mails für alle diejenigen hier an, die gerade am neuen Standardwerk »Der deutsche Fastnachts- und Karnevalsruf« arbeiten:

  • »Hoorig! Hoorig!« hallt es durch Überlingen am Bodensee. Die Stadt »ist eine Hochburg der schwäbisch-allemennischen Fasnet und eine der Städte des historischen Viererbundes«, schreibt Manuel: »Bei uns heißt es ›Hoorig, hoorig, hoorig isch die Katz‹. Die Antwort darauf lautet: ›Und wenn die Katz' id' hoorig isch, denn fängt sie keine Mäuse nit‹. Erst wenn dieser Schlachtruf erschallt, werfen die Hänsele Brätzele oder Guetzle in die Menge.«

  • Karnevalistinnen und -listen in Neuwied hingegen machen mit »Vürbei un hinne afjedaut« auf sich aufmerksam, weiß Elisabeth zu berichten. Was so viel bedeutet wie »Vorbei und hinten abgeschoben«.

  • Und dass Karnevalsrufe manchmal kleinsträumige Besonderheiten aufweisen, darauf macht Melanie aus Düsseldorf aufmerksam. In der Stadt gilt eigentlich der Ruf »Helau« – »außer im Stadtteil Unterbach, wo unser Maskottchen ein Esel ist«, schreibt sie: »Wir rufen I-Ah, besonders laut auf dem Zug am Sonntag, der dieses Jahr ausfällt. Ich vermisse das Feiern des heutigen Altweiber-Donnerstags so sehr! Petrus ist ein Karnevalist, die Sonne strahlt, es wäre ein perfekter, kalter Start in den Straßenkarneval! Traurige Grüße vom Computer aus dem Homeoffice, aber Karnevalsmusik läuft!«

Melanie, ich hätte da was im Angebot, zum Mutmachen:

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14:44 Uhr: Kurzer Anruf gerade bei der Pressestelle der Kölner Polizei. »Es ist zum Glück ruhig wie am Totensonntag«, freut sich der diensthabende Beamte. Bisher gebe es keine größeren Ansammlungen oder massive Verstöße gegen die Corona-Beschränkungen. Im vergangenen Jahr war die Kölner Polizei noch mit rund tausend Beamtinnen und Beamten im Einsatz, dieses Jahr sind es nur 200. Das seien aber immer noch mehr als an normalen Tagen; zusätzlich sind außerdem Kräfte des Ordnungsamts unterwegs, um beispielsweise das Alkoholverbot in der Stadt durchzusetzen.

Tanzende Karnevalistin und Mitarbeiter des Kölner Ordnungsamts auf dem Alter Markt

Tanzende Karnevalistin und Mitarbeiter des Kölner Ordnungsamts auf dem Alter Markt

Foto: Oliver Berg / dpa

14:33 Uhr: Karneval in Zeiten der Pandemie lässt auch Bäcker erfinderisch werden: In Haan und Viersen in der Nähe von Düsseldorf gibt es heute »Corona-Berliner« zu kaufen. In Haan bewirbt ein Konditor das traditionelle Gebäck – mit einer Spritze voller Erdbeerkonfitüre oben drin – als Berliner »mit zugelassenem Impfstoff«. Kosten: 2,50 Euro pro Stück. Im niederrheinischen Tönisvorst waren ähnliche »Impf-Berliner«, bei denen man die Füllung mit der Spritze injiziert, laut einem Bericht der »Westdeutschen Zeitung« am Montag ziemlich flott ausverkauft. Die Bäckerei stockte die Produktion daraufhin auf. (Und dann kommt in der dpa-Meldung der schöne Erklärsatz:) In anderen Regionen Deutschlands sind Berliner zum Beispiel auch als Krapfen oder Pfannkuchen bekannt.

Foto: Nikolai Huland / dpa

14:21 Uhr: Auch Miriam feiert heute zu Hause. Und schreibt: »Ich schunkele eben mit dem Laptop.« Ich schunkele mit! Und das passende Lied kommt direkt hinterher, von den Bläck Fööss.

Foto: privat
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14:10 Uhr: Malu Dreyer, Ministerpräsidentin in Rheinland-Pfalz, hat bei einer Pressekonferenz in der Mainzer Staatskanzlei, in der es eigentlich um die Corona-Maßnahmen ging, die Karnevalisten (»Fassenachter« heißen die in Mainz) damit getröstet, dass man ja zu Hause vor dem Fernseher im engsten Familienkreis »mit Sekt oder auch einem Bierchen« anstoßen könne. Das berichtet mein Kollege Matthias aus unserer Frankfurter Redaktionsvertretung. Dreyers zweiter Hinweis: Am Freitag laufe ja auch »Mainz bleibt Mainz« im Fernsehen, wenn auch ohne Publikum. Und am Ende der Pressekonferenz gab's von ihr noch einen Kreppel (Krapfen) zum Mitnehmen. »Kreppel sind ja das Mindeste«, sagte Dreyer zum Abschied. Matthias' Kommentar: »Ich bin zwar kein Karnevalist respektive Fassenachter, aber das klang alles schon ganz schön traurig...«

13:59 Uhr: Wenn Sie ein bisschen etwas zur Geschichte des Karnevals lesen möchten, dann habe ich hier noch etwas für Sie: Während der NS-Zeit hat sich nur ein einziger Karnevalist ein Auftrittsverbot eingehandelt. Es handelte sich um Karl Küpper, seine Geschichte hat mich sehr bewegt. Und zu dieser Geschichte gehört auch, dass er in den Fünfzigerjahren erneut aneckte.

13:43 Uhr: Herrlich, ich werde hier weiterhin ausgesprochen gut versorgt mit regionalen Spezialitäten – danke an alle, die sich beteiligen!

  • Ganderkesee (zwischen Bremen und Oldenburg) ist nach Aussage von Steffi die Faschingshochburg des Nordens. Und grüßt sessionsbedingt mit einem dreifach donnernden »Ganderkesee hinein und he geiht!«

  • Ebenfalls zu den längeren Karnevalsrufen gehört »Hüh un Scheldche – Alaaf« im Weihnachtsdorf Waldbreitbach. Alaaf, Herbert!

  • Michael schickt aus der Nähe von Koblenz »mäßig närrische Grüße« und gleich einen ganzen Katalog an Rufen: »›Hedau‹ aus Bendorf am Rhein, Nähe Koblenz. Bedeutung: Dialekt für ›Hey Du‹ oder ›Hallo du‹. Im Ortsteil Sayn rufen sie: ›SäBaLä‹, Bedeutung: Dialekt für ›Sayner Barfuß Läufer‹. Im Ortsteil Stromberg rufen sie: ›Meck Meck‹, Bedeutung: unbekannt.«

  • Und besonders gut gefällt mir, was der gebürtige Linksniederrheiner Ludger (»seit 35 Jahren in Ostwestfalen mit großer Geduld ertragen...«) in Bielefeld als Karnevalsruf identifiziert hat: » !«

13:27 Uhr: Und jetzt einfach noch mal Musik, zum Laut-Aufdrehen und Mitsingen...

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13:18 Uhr: NRW-Chef Armin Laschet hat zu Spenden für Not leidende Musikerinnen, Redner, Beleuchterinnen, Techniker und andere Leidtragende des abgesagten Karnevals aufgerufen. »Wir müssen auf tolle Stunden voller Spaß verzichten. Diese Menschen aber müssen nicht nur auf Spaß verzichten, sondern auf ein fest eingeplantes Einkommen, und viele geraten in wirtschaftliche Not«, sagte Laschet in einer Spendenshow in der Kölner Lanxess-Arena. Echte Freunde ständen zusammen, das gelte besonders jetzt, sagte Laschet. »Deshalb bitte ich Sie ganz herzlich: Rufen Sie an, spenden Sie! Jede Spende ist ein Stück Hoffnung darauf, dass wir unseren Karneval eines Tages – ich hoffe im nächsten Jahr – wieder so feiern können, wie wir es kennen.«

13:13 Uhr: Aus Bergisch Gladbach schickt Christian Grüße aus dem Homeoffice – Alaaf zurück!

Foto: privat

13:03 Uhr: Die Faschingsruflandkarte füllt sich weiter:

  • In Dieburg bei Darmstadt wird »Ela« gerufen, berichtet Markus – und mutmaßt: »Ob das vom vielen Alkohol kommt, wenn man Helau nicht mehr ganz herausbekommt?«

  • Im Westmünsterland klingt es dagegen ganz anders: »Heia-Krabau« (Heimat am krausen Baum) in Schöppingen, »DeUnDa« (De unwiesen Dage) in Stadtlohn und in Ahaus-Ottenstein: »Festo!« Diese Insider-Infos hat uns Elmar übermittelt.

  • Der selbst erklärte »absolute Fastnachtsmuffel« Sascha hat am Neckar wiederum Seltsames beobachtet: »In Heidelberg ruft man ›Hajo‹, in Heidelberg-Ziegelhausen jedoch ›Ahoi‹.«

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12:50 Uhr: Damit hatte Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller offensichtlich nicht gerechnet: Zwei verkleidete »Altweiber« mit Mundschutz haben vorhin eine Live-Schalte mit dem WDR gestürmt und ihm vor laufender Kamera die Krawatte abgeschnitten. Die Aktion war wohl mit dem Sender abgesprochen – Keller wusste von nichts. Gerade als der CDU-Politiker der Moderatorin erzählte, wie ruhig es auf dem sonst zu Altweiber gefüllten Rathausplatz sei, platzten die beiden Mitarbeiterinnen ins Büro. Der sichtlich verdutzte Keller zog sich lachend eine FFP2-Maske an, während die Frauen mit einer Schere anrückten und Konfetti warfen.

Pappnase trotz fehlenden Straßenkarnevals: Szene vor dem Kölner Dom

Pappnase trotz fehlenden Straßenkarnevals: Szene vor dem Kölner Dom

Foto: Oliver Berg / dpa

12:45 Uhr: Judith hat gerade noch auf einen besonderen Aspekt des Karnevals hingewiesen: Ein wichtiges Thema in Texten, Auftritten und Liedern sind immer wieder die Vergänglichkeit und das Sterben. Dafür steht zum Beispiel der Brings-Song »Su lang mer noch am lääve sin«. Oder auch, deutlich nachdenklicher, »Alle jläser huh« von Kasalla – durchaus passende Musik in diesen Zeiten.

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12:30 Uhr: Meine Kollegin Judith ist bei uns in der Redaktion alljährlich die zuverlässige Lieferantin von Luftschlangen und Berlinern (Krapfen). Und sitzt heute natürlich entsprechend ausstaffiert im Homeoffice.

Foto: DER SPIEGEL

12:20 Uhr: Weiberfastnacht ist ja der Tag, an dem die Lebensdauer von Krawatten in den Karnevalsregionen eher kurz ist. Dass ausgerechnet heute aus Neuseeland die Meldung kommt, dass dort die Krawattenpflicht im Parlament abgeschafft wurde, muss demnach Fügung sein.

12:07 Uhr: Vielleicht sollten wir mal eine Landkarte der regionalen Karnevalsrufe erstellen. Hier kommen weitere:

  • Rommerskirchen liegt, schreibt Marie, genau zwischen Köln und Düsseldorf – und hat auch den passenden Mischruf »Aalau!« Einen Ort weiter, in Stommeln, wird übrigens »Stommeler Buure Mühl opp« gerufen.

  • Im südlichen Rheinland-Pfalz klingt das ganz anders: »Hei her, do her« in Oberemmel bei Saarburg, »Kaulady« in Kordel bei Trier und »Maajuh« beim Rosa Karneval Trier. Danke, Gundi!

  • Und Jochen meldet aus Solingen noch »den einzigartigen, unverwechselbaren Schlachtruf in unserer Klingenstadt: Solig, lot jonn!«

11:59 Uhr: Da scheint's eine Rheinländerin weit ostwärts verschlagen zu haben: »Fernab in Berlin und kein Platz für die Knubbelnaas – Wieverfastelovend in Coronazeiten«, schreibt Bettina und schickt ein Beweisfoto mit. Alaaf!

Foto: privat

11:50 Uhr: Hier kommen weitere Karnevals- und Faschingsrufe:

  • In Rheinfelden (Baden) rufen Tina und ihre Bekannten »Narri! Narro!« Und zwar, wie Tina schreibt, korrekterweise »mit Betonung auf dem I und dem O«.

  • In Niederkrüchten erschallt heute vor Christinas Bildschirm ein lautstarkes »Maak möt!«

  • Beckum lässt sich mit »Rumskedi Helau« hören, schreibt Wolfgang.

  • Auch in Konstanz wird gefeiert – und zwar mit einem kräftigen "HoNarro!" und einem ergänzenden »guet Blätz!«, berichtet Martin vom Verein Blätzlebuebezunft Konstanz.

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11:40 Uhr: Auch wenn der Straßenkarneval ausfällt: Die Polizei in den Karnevalshochburgen ist trotzdem im Einsatz. »Masken ja: Maskenball: nein«, schreibt etwa die Kreispolizeibehörde Viersen  in schönster Polizeiprosa, »so sieht es leider in diesem Jahr Karneval aus. Feiern, Sitzungen und der Straßenkarneval ab Altweiber sind abgesagt – Corona lässt es einfach nicht zu.« Verbunden damit wird ein dringender Appell: »Kein Maskenball zu Karneval – Bleiben Sie vernünftig! Geben Sie uns keinen Grund, dass wir einschreiten und Anzeigen schreiben müssen. Wir sind da und werden Verstöße konsequent ahnden.«

Einsatzfahrzeuge am Kölner Hauptbahnhof

Einsatzfahrzeuge am Kölner Hauptbahnhof

Foto: Oliver Berg / dpa

11:24 Uhr: Hier trudeln jetzt auch weitere Musikwünsche ein. Jörg aus Köln wünscht sich »Nie mehr Fastelovend« – und das ist, trotz des Titels, eben doch eine Liebeserklärung an dieses von außen betrachtet ja wirklich etwas seltsame Brauchtum. Aber, wie Jörg schreibt: »Da kriege selbst ich Tränen in den Augen.« Klar! Hier ist die Live-Version.

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11:19 Uhr: Zeit für Musik, diesmal: Aufbauendes von Köbes Underground:

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11:11:11 Uhr: Alaaf! Helau! Wupdika! (Sollten Sie weitere Schlachtrufe aus den Karnevalshochburgen Süd-, Ost- und Norddeutschlands kennen – immer her damit .)

11:09 Uhr: Noch zwei Minuten. Die Vorfreude hält sich dieses Jahr dann doch in Grenzen.

11:02 Uhr: Nachdenkliches von der Funktionärsebene: Der Karneval könnte nach Einschätzung des Kölner Festkomitee-Präsidenten Christoph Kuckelkorn in gereinigter Form aus der Corona-Pandemie hervorgehen. »Ich glaube, dass sich der Karneval insgesamt verändern wird«, sagte Kuckelkorn der dpa. »Viele Vereine haben sich auf den Kern ihres Wirkens besonnen, das ist eine ganz intensive Auseinandersetzung mit dem Brauchtum. Das wird dazu führen, dass sich viele Vereine auch ein Stück weit neu ausrichten werden.« Er hoffe, dass einige Auswüchse im Straßenkarneval durch die derzeitige Erfahrung zurückgedrängt würden. Eine andere schädliche Entwicklung sei die Kommerzialisierung des Karnevals. Das Festkomitee Kölner Karneval habe deshalb dieses Mal das Ehrenamt besonders betont.

Zur Thematik gibt's übrigens auch das passende Lied.

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10:55 Uhr: Noch 16 Minuten! Da kann ich Ihnen mal kurz die karnevalistischen Zahlenverhältnisse in dieser Redaktion nahebringen. Nichts könnte das besser illustrieren als dieser Screenshot aus der Panorama-News-Konferenz vor gut einer Stunde.

Foto: DER SPIEGEL

10:48 Uhr: Die Corona-bedingt ziemlich ramponierte Session 2021 und ganz generell der Shutdown haben zahlreiche Bands inspiriert, die Situation musikalisch aufzugreifen. Einige dieser Lieder können Sie heute hier im Karnevals-Newsticker finden, zum Beispiel diesen Solidaritätssong von Cat Ballou für die von der Krise gebeutelten Kulturschaffenden aller Branchen: »Du bes nit allein«.

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10:36 Uhr: Während ich hier wehmütig einschlägige Musik höre, erreichen mich erschütternde Fragen aus einer Hamburger Nachrichtenredaktion: Ein langjähriger (!!!) Panorama-Redakteur will allen Ernstes wissen, »um wieviel Uhr es denn eigentlich losgeht«. Zum Glück arbeiten alle Beteiligten im Homeoffice, körperliche Auseinandersetzungen sind nicht zu erwarten, der Betriebspsychologe ist informiert.

10:28 Uhr: Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) hat die Bürgerinnen und Bürger in der rheinischen Narrenhochburg aufgerufen, zum Corona-bedingt abgesagten Start in den Straßenkarneval am Donnerstag daheimzubleiben. »Ich bitte Sie: Bleiben Sie heute zu Hause«, twitterte Reker am Morgen des Weiberfastnachtstags. Angesichts ihrer Begeisterung für den Karneval »blutet mir heute das Herz«, schrieb Reker. »Aber: Für die Verwaltung ist heute ein normaler Arbeitstag, für Köln ein Tag wie jeder andere.« Zuvor hatte bereits das Festkomitee Kölner Karneval die Karnevalisten aufgerufen, am Donnerstag zu Hause zu bleiben und dort im Livestream eine karnevalistische Spendenveranstaltung in der Kölner Lanxess-Arena zu verfolgen.

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Auch in den anderen Karnevalshochburgen wie Mainz und Düsseldorf gibt es Alternativprogramme für die Jecken. In den Behörden Nordrhein-Westfalens sind Weiberfastnacht und der Rosenmontag diesmal gewöhnliche Arbeitstage. In Köln gilt im ganzen Stadtgebiet ein strenges Alkoholverbot bis einschließlich Aschermittwoch.

10:17 Uhr: Der Karnevalsausfall hat übrigens durchaus ernste Auswirkungen. Das Institut der Deutschen Wirtschaft schätzt den wirtschaftlichen Schaden durch den Ausfall der diesjährigen Session bundesweit auf rund 1,5 Milliarden Euro. Die Fachleute berücksichtigten in ihrer am Montag vorgestellten Studie nicht nur den Kölner Karneval, sondern auch das närrische Treiben in Düsseldorf und Mainz.

Den größten Schaden erleidet demnach die Gastronomie mit rund 660 Millionen Euro. Doch auch dem Einzelhandel entgehen den Berechnungen zufolge Einnahmen in Höhe von rund 330 Millionen Euro. Davon entfallen allein 280 Millionen Euro auf den Kostümverkauf. Dem Hotelgewerbe fehlen 160 Millionen Euro und dem Transportsektor rund 240 Millionen Euro. Kleiner Trost: Die Autorinnen und Autoren haben mit eingerechnet, dass die Session in diesem Jahr mit nur 98 Tagen relativ kurz ist und dementsprechend die Umsatzausfälle auch geringer sind, als sie es in einem durchschnittlichen Karnevalsjahr wären.

10.10 Uhr: Weil der Straßenkarneval in diesem Jahr ausfällt, weichen viele Jecken auf Angebote im Internet aus. Das ist natürlich nicht dasselbe, aber zumindest halbwegs ein Ersatz.

10.03 Uhr: Zur Einstimmung starten wir mit einem Klassiker des karnevalistischen Liedguts:

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10.00 Uhr: Alaaf! In 71 Minuten wäre es eigentlich so weit gewesen: Countdown, Schunkeln, Singen. Wäre da nicht das Virus. Tätigkeiten »mit aerosolgenerierenden Aktivitäten (z.B. Singen, Blasinstrumente) soll draußen unter Einhaltung der Abstandsregeln (mindestens zwei Meter in alle Richtungen) durchgeführt werden«, haben die Fachleute am Montag für die Schulen empfohlen. Singen und Blasinstrumente sind für Karnevalisten ein Muss, draußen ginge auch in Ordnung, nur die Sache mit den mindestens zwei Metern funktioniert definitiv nicht.

Deshalb werde ich für Sie heute am Rechner sitzen und Sie über das – virtuelle und reale – Fastnachtsgeschehen auf dem Laufenden halten – live aus Köln! (stellen Sie sich hier gerne einen Tusch vor)

Lassen Sie uns, bevor es gleich (nicht) losgeht, erst noch ein bisschen in Erinnerungen vom vergangenen Jahr schwelgen.

mit Material von dpa, AFP und Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.