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Klüger werden mit: Karsten Weyershausen

Der 38-jährige Autor und Cartoonist über das Geheimnis von Idolen
aus DER SPIEGEL 42/2001

SPIEGEL: Wann ist man ein Idol?

Weyershausen: Wenn man mindestens zehn Jahre nach seinen ersten Erfolgen im Gedächtnis der Menschen geblieben ist. Die modernen Popsänger können wir daher mit Ausnahme von Madonna und Michael Jackson alle vergessen.

SPIEGEL: Gab es andere Kriterien bei der Auswahl von Prominenten für Ihr »Lexikon der Idole«?

Weyershausen: Alle müssen der Welt etwas Neues gebracht haben, ein archetypisches Bild für sich geschaffen haben. Daneben gibt es drei Punkte von denen einer erfüllt werden sollte: Man stirbt sehr früh, wie beispielsweise James Dean. Oder man erlebt nach einer langen Durststrecke ein großes Comeback wie Marlon Brando mit dem Film »Der Pate«. Oder aber man beherrscht eine perfekte PR-Maschine wie Walt Disney.

SPIEGEL: Udo Lindenberg zwischen Persönlichkeiten wie Ludwig II. von Bayern und Einstein. Passt das?

Weyershausen: Da haben wir lange überlegt. Am Ende überwog seine Ausstrahlung. Er ist ein Grenzfall, könnte noch kippen und zur tragischen Figur werden.

SPIEGEL: Wie vergänglich sind Idole?

Weyershausen: Sehr. Kaum ein 20-Jähriger kennt heute noch Chaplin oder Humphrey Bogart. Die Idole des 20. und 21. Jahrhunderts sind künstlicher und sehr von Medien gesteuert. Im 19. Jahrhundert wurden die Leute an ihren Leistungen gemessen. Staatsmänner oder Kriegshelden waren die Regel.

SPIEGEL: Was verändert der 11. September?

Weyershausen: In Krisenzeiten ist der Bedarf nach Idolen am größten. Für die Fundamentalisten ist Osama Bin Laden bereits eine Art Ché Guevara; die Amerikaner werden sich noch entscheiden müssen zwischen George W. Bush und Rudolph Giuliani.

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