Amnesty-Bericht Unmenschliche Bedingungen für Hausangestellte in Katar

Sie werden beleidigt, geschlagen und schuften oft 16 Stunden am Tag: Rund 173.000 Frauen arbeiten im WM-Ausrichterland Katar als Haushaltskräfte - laut Amnesty unter teils erschütternden Verhältnissen.
Katars Hauptstadt Doha: Glitzerfassade - aber teils härteste Arbeitsbedingungen

Katars Hauptstadt Doha: Glitzerfassade - aber teils härteste Arbeitsbedingungen

Foto: Robert Cianflone/ Getty Images

Als Gastgeber der Fußball-WM 2022 steht Katar international im Fokus. Umfangreich wurde über die teils extrem fragwürdigen Zustände auf den vielen Baustellen für das Großevent berichtet. Nun hat Amnesty International die Arbeitsbedingungen für ausländische Hausangestellte untersucht.

Sie sind der Menschenrechtsorganisation zufolge häufig Misshandlungen, Erniedrigung und härtesten Arbeitsbedingungen ausgesetzt. Nach Gesprächen mit 105 Frauen zieht die Organisation in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht eine ernüchternde Bilanz: Etwa 85 Prozent der Frauen erklärten, selten oder nie freie Tage zu bekommen, und dass Arbeitgeber ihre Pässe einbehalten würden. Viele erklärten auch, dass sie spät oder gar nicht bezahlt würden.

In dem reichen Golfemirat leben laut Amnesty International rund zwei Millionen Arbeitsmigranten. Sie kommen vor allem aus armen Ländern wie Bangladesch, Nepal oder Indien. 173.000 Frauen arbeiten demnach als Hausangestellte, die Hälfte davon in Privathaushalten.

Neben den sehr schlechten Arbeitsbedingungen berichten die Frauen von verbalem oder körperlichem Missbrauch und Erniedrigung. Zwei Dutzend Frauen gaben an, kein angemessenes Essen oder nur Essensreste zu erhalten, auf dem Boden schlafen zu müssen oder dass ihnen medizinische Versorgung verweigert würde.

Andere berichteten, geschlagen, sexuell missbraucht oder sogar vergewaltigt worden zu sein. Amnesty befragte für den Bericht unter anderem auch Aktivisten sowie Mitarbeiter von Botschaften der jeweiligen Herkunftsländer.

Kafala-System ist ein Problem

Als ein Grund für die schlechten Bedingungen gilt vor allem das sogenannte Kafala-System, das auch in anderen Ländern der Region verbreitet ist. Es bindet ausländische Arbeiter fest an einen einheimischen Bürgen wie einen Arbeitgeber, der etwa einem Jobwechsel zustimmen muss. Kritikern zufolge schafft es die Voraussetzungen für Missbrauch.

Nach anhaltender Kritik beschloss das Land Reformen, die die Lage der Arbeitsmigranten verbessern sollen. So können ausländische Arbeiter künftig den Job ohne Zustimmung ihres bisherigen Arbeitgebers wechseln.

Zudem legte das Emirat als erstes Land der Region einen monatlichen Mindestlohn in Höhe von 1000 Rial (etwa 230 Euro) fest. Die Uno-Arbeitsorganisation ILO sprach seinerzeit von einem "historischen Schritt".

jok/dpa