Katastrophe von Madrid Spanair-Unglücksflieger machte schon früher Probleme

Ein Krachen, ein Ruckeln, dann brach der Pilot den Start ab: Der in Madrid verunglückte Jet konnte schon vor vier Wochen wegen einer Panne nicht regulär abheben, wie nun bekannt wird. Auf Mallorca musste die Maschine wegen eines defekten Fahrwerks umkehren.


Madrid - Der Pilot der MD-82 hatte auf dem Rollfeld des Flughafens von Palma de Mallorca ein lautes Geräusch gehört und deshalb den Start abgebrochen. Der Jet kehrte zum Gate zurück, wie ein Sprecher der spanischen Fluggesellschaft am Mittwoch bestätigte. Ein Mechaniker habe dann das Problem behoben und der Flug mit 167 Passagieren an Bord sei 44 Minuten später ohne Probleme fortgesetzt worden.

Gleichzeitig wird nun bekannt, dass der Flieger bei dem Unglück vor einer Woche zuerst mit dem Heck auf die Erde geprallt ist. Dies hat die Expertenkommission mitgeteilt, die die Ursachen der Katastrophe aufklären soll. Die Maschine raste danach noch 1200 Meter weiter, prallte insgesamt dreimal auf den Boden, schoss über eine Böschung hinaus und ging in einem Flusstal in Flammen auf.

Die Experten machten nach Presseberichten vom Mittwoch keine Angaben über die möglichen Ursachen des Unglücks. Sie wollen einen ersten Zwischenbericht in einem Monat vorlegen. Die Flugschreiber der Unglücksmaschine werden in einem Speziallabor in Großbritannien ausgewertet.

Überlebende berichteten derweil von Startschwierigkeiten der Maschine, die Zeitung "ABC" meldete, in den Aufzeichnungen der Gespräche der Piloten mit dem Kontrollturm sei von Schwierigkeiten keine Rede.

Mehrere Zeitungen hatten unter Berufung auf Experten und Ermittler geschrieben, die Schubumkehr an einem Triebwerk sei eingeschaltet gewesen. Bei dem Unglück am 19. August kamen 154 Menschen ums Leben, 18 wurden verletzt.

Ein Gedenkgottesdienst für die Opfer, der am Montag gefeiert werden sollte, ist unterdessen auf den 11. September verschoben worden. Dies teilte das Erzbistum von Madrid am Mittwoch mit. Damit solle die Teilnahme hochrangiger Politiker ermöglicht werden, sagte ein Sprecher zur Begründung. Am ursprünglich vorgesehenen Montag findet in Brüssel ein EU-Sondergipfel zur Krise im Kaukasus statt. Spanische Zeitungen berichteten, ein weiterer Grund für den Aufschub seien Schwierigkeiten bei der Identifizierung aller Getöteten.

jdl/dpa/AFP/AP

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derreibert 21.08.2008
1. Gute Fluggesellschaften aussuchen, das minimiert das Risiko.
Zwar sind Fluglinien wie Quantas, Lufthansa, Air France o.ä. teurer als viele Billigkonkurrenten, doch fühle ich mich bei ihnen sicherer. Irgendwo muss das Geld ja eingespart werden, wenn Flüge durch halb Europa für wenige Euro angeboten werden. Bei dem Absturz einer Helios-Airways-Maschine 2005 und den vorangegangenen technischen Problemen dieser Fluglinie kam ans Licht, dass bei Ersatzteilen und Wartung gespart wurde. Bei Billig-Fliegern fühle ich mich NICHT sicher. Diese Spanische Fluglinie ist auch eine sehr günstige, doch ob dort an der falschen Stelle gespart wurde, können erst die Untersuchungen ans Tageslicht bringen.
Joachim Baum 21.08.2008
2.
Zitat von sysopDas Unglück in Madrid schockierte Reisende und die Flugbranche. Wie sicher fühlen Sie sich derzeit beim Fliegen?
Immer noch sicherer als im Auto, die Unfallstatistik gibt mir in meinem Gefühl sogar Recht.
fucus-wakame 21.08.2008
3. moderne Verkehrsmittel vermeiden
Man kann auf moderne Verkehrsmittel durchaus verzichten (Flugzeug, Auto, Bahn) und auch mal häufiger zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren. Also ein aktiver Beitrag zur Sicherheit.
Sackaboner 21.08.2008
4.
Betrachtet man die Geschichte der Flugzeugunglücke, dann ist unverständlich, wie der Start trotz Mängeln freigegeben werden konnte. Vor einigen Jahren gab es ein ähnliches Unglück mit einer Concorde, bei der auch ein Triebwerk brannte. Warum hat man nichts daraus gelernt und Kameras installiert, die den Piloten den Zustand der Triebwerke zeigen. Warum gibt es keine automatischen Feuerlöschanlagen in den Triebwerken? Bedarf es immer erst einer Katastrophe, damit augenscheinliche Mängel behoben werden?
deuterius 21.08.2008
5.
Zitat von fucus-wakameMan kann auf moderne Verkehrsmittel durchaus verzichten (Flugzeug, Auto, Bahn) und auch mal häufiger zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren. Also ein aktiver Beitrag zur Sicherheit.
Klar, wenn man im Dunstkreis seiner Behausung lebt. Arbeiten Sie ?
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