Katastrophenschutz Australien plant Frühwarnsystem für Buschfeuer

1800 Häuser zerstört, mindestens 181 Tote: Nach den schwersten Buschfeuern in der Geschichte Australiens forciert die Regierung die Einrichtung eines Frühwarnsystems. Eine entsprechende Gesetzgebung ist bereits in Arbeit. Die Behörden stehen heftig in der Kritik.


Sydney - Folge der verheerendsten Buschfeuerkatastrophe in der Geschichte des Landes: Die australische Regierung treibt die Einrichtung eines Frühwarnsystems voran. Die stellvertretende Ministerpräsidentin Julia Gillard sagte im Fernsehsender Channel Nine am Sonntag, dass die entsprechende Gesetzgebung bereits vorbereitet werde. Einige technische Hürden müssten jedoch noch genommen werden.

Die Einführung eines Frühwarnsystems steht in dem oftmals von Buschfeuern heimgesuchten Australien seit vielen Jahren an. Wegen der Verzögerungen hagelte es Kritik an der Regierung. Sie soll die Einrichtung verzögert haben, obwohl es regelmäßig zu schweren Buschbränden kommt, hieß es.

Der Ministerpräsident von Victoria, John Brumby, bezweifelte jedoch, ob die jüngste Katastrophe durch ein solches System hätten verhindert werden können.

Am Sonntag gedachten die Australier in Gottesdiensten der Opfer der Brandkatastrophe im Süden des Landes: Die Feuerwalze forderte mindestens 181 Tote. 1800 Häuser wurden zerstört, 7000 Menschen sind obdachlos. Den Hinterbliebenen wurde Trost und Hilfe zugesprochen.

Anlässlich einer Andacht unter freiem Himmel in dem Ort Wandong im Bundesstaat Victoria zeigte sich Premierminister Kevin Rudd zuversichtlich, dass die Menschen die Kraft finden würden, ihre niedergebrannten Gemeinden wieder aufzubauen. Respekt zollte er dem Einsatz der freiwilligen Feuerwehrleute aus der Region: "Ihr habt euch hintangestellt und eure Gemeinde voran", sagte Rudd.

Eukalyptusblätter als Zeichen der Erneuerung

Zahlreiche erschöpfte Feuerwehrleute in ihren orangefarbenen Schutzanzügen hatten sich zu der Andacht eingefunden und lauschten den Worten des Premierministers teils mit Ruß verschmierten Gesichtern. Nach seiner Rede setzte Rudd als Zeichen des Gedenkens und der Erneuerung Eukalyptusblätter in eine Schale mit Wasser. Die Region um den Ort Wandong, etwa 50 Kilometer nördlich von Victorias Hauptstadt Melbourne, zählt zu den am stärksten von den Buschbränden betroffenen Regionen.

Auch in Melbourne folgten die Menschen den Aufrufen zu Andachtsfeiern in Kirchen und zogen im Anschluss in einem Solidaritätsmarsch aus verschiedenen Richtungen zum zentralen Stadtpark Fitzroy Gardens. In Sydney versammelten sich etwa 100 Mitglieder eines Chors zu einer spontanen Vorstellung auf den Stufen des berühmten Opernhauses der Stadt.

Die Feuerwehr machte sich indes daran, die letzten Brandherde einzudämmen. Acht Brände loderten nach offiziellen Angaben noch. Zwar seien die Flammen unter Kontrolle, doch es werde wohl bis zu zwei Wochen dauern, bevor sie vollständig gelöscht werden könnten.

Eine Sonderkommission soll herausfinden, wodurch die Brände ausgelöst wurden. Am Freitag hatten die Behörden gegen einen Mann Anklage wegen Brandstiftung mit Todesfolge erhoben.Er soll in der Nähe der Stadt Churchill in Victoria ein Feuer gelegt haben, bei dem 21 Menschen ums Leben gekommen seien.

jjc/AP/Reuters/AFP

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