Kate Middleton Die Anti-Diana

Kritiker verhöhnen das englische Königshaus als "pelzbesetzten Sarg". Kate Middleton scheint das nicht abzuschrecken. Mustergültig absolviert das royale Topmodel seine Termine, die PR-Berater des Palasts sind hochzufrieden. Hält die Bürgerliche, anders als Diana, dem Druck stand?

REUTERS

Kate Middleton tat ganz unschuldig. "Ich weiß noch nicht, wie es läuft", sagte sie in ihrem ersten und einzigen Fernsehinterview gleich nach der Bekanntgabe der Verlobung mit Prinz William im November. Sie sprach über das komplizierte royale Berufsleben und darüber, wie aufgeregt sie sei.

Sie wollte wohl demütig wie Diana klingen. Doch niemand, der ihren Werdegang mit wachen Augen verfolgt hat, nahm ihr diese Show ab. Denn Middleton ist im Vergleich zu der überforderten Kindergärtnerin längst eine professionelle Prinzessin - sowohl im Umgang mit der lieben Familie im Palast als auch mit den Paparazzi. Seit acht Jahren ist sie mit Prinz William zusammen und hatte genug Zeit, sich auf ihr künftiges Leben einzustellen. Längst begleitet sie ihn zu Terminen und wird auf Schritt und Tritt fotografiert.

Insofern hinken die vielen Vergleiche mit Diana. Die Ausgangsposition der beiden Frauen könnte kaum unterschiedlicher sein. Diana war 20 Jahre alt, als sie 1981 Prinz Charles heiratete, einen Mann, den sie kaum kannte. Nach eigenem Bekenntnis war sie naiv und unerfahren. Sie wusste nicht, was sie erwartete, vor allem nicht, wie kalt es in einem Palast sein kann.

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Charles & Diana - die Jahrhundert-Hochzeit: Oh, what a lovely Bride!
Kate ist, wenn sie am Freitag das Jawort gibt, neun Jahre älter als Diana es bei ihrer Hochzeit 1981 war. Sie hat immerhin studiert, wenn sie sich auch nicht im Arbeitsalltag behaupten musste, und schon etwas von der Welt gesehen. Sie hatte vor William andere Beziehungen und behielt die Contenance, als der Prinz sich vorübergehend von ihr trennte - eine Feuerprobe. Sie hat die berüchtigten Windsors kennengelernt, wie man die Familie des eigenen Freundes eben kennenlernt. In diesem Sinne ist es eine ganz normale Hochzeit.

"Kate ist unser Good News Girl"

Dennoch hat der Vergleich mit Diana eine gewisse Berechtigung, denn wie damals ist die Prinzenhochzeit von existentieller Bedeutung für die Monarchie. Wie Diana bringt Kate ein frisches Gesicht und neues Leben in eine Institution, die vielen Briten als hoffnungslos verstaubt gilt. Sie muss als Beweis dafür herhalten, dass die Monarchie auch im 21. Jahrhundert noch attraktiv und überlebensfähig ist. Dementsprechend hoch sind die Erwartungen an die neue Sympathieträgerin.

Dass Middleton keine Adelige ist, wertet das Königshaus nicht ab, im Gegenteil: Es zeigt, dass die Royals mit der Zeit gehen. "Mittelschichts-Kate ist genau das, was die Firma braucht", schrieb die Königshaus-Biografin Penny Junor im "Daily Telegraph". Niemand ist daher entzückter über diese Hochzeit als die PR-Berater des Buckingham-Palasts. Eifrig streuen sie, wie Middleton von Diplomaten und anderen Experten nun für den königlichen Alltag fit gemacht wird. Das Bild der staunenden Bürgerlichen, die in die hohe Kunst des Repräsentierens eingeweiht wird, zementiert im öffentlichen Bewusstsein die Magie der Monarchie.

Dabei scheint Kate auch ohne Nachhilfe ganz gut zurechtzukommen. Die Rolle des neuen royalen Topmodels spielt sie dermaßen gekonnt, dass das britische Klatschblatt "Hello" in wahre Begeisterungsstürme ausbrach: In nur sechs Monaten habe sich das "bürgerliche Mädchen" in eine "perfekte Prinzessin" verwandelt. "Kate ist unser Good News Girl", schrieb das Blatt und drückte damit genau das aus, was von Middleton erwartet wird.

Das Mädchen für die guten Nachrichten - und die schönen Bilder natürlich. Diana war an diesen Erwartungen letztlich zerbrochen. Schein und Realität klafften in ihrem Leben zu weit auseinander. Die Frage ist, wie Kate mit dem Druck umgehen wird. Einige Beobachter wollen bereits erste Anzeichen des Abmagerns erkannt haben, andere wiegeln ab.

"Lauf ins Freie und ignoriere den pelzbesetzten Sarg"

Nach der Hochzeit soll der Stress zwar wieder abnehmen. Das Paar will sich nach dem Honeymoon in sein gemietetes Cottage auf der walisischen Insel Anglesey zurückziehen und ein einfaches Leben als Rettungspilot und Hausfrau führen. Soweit der Plan, angeblich ersonnen von William, der Kate das Schicksal seiner Mutter ersparen will. Doch wird es nicht lange dauern, bis die Öffentlichkeit sich meldet: Das Volk will Bilder, und Miss Perfect wird sie liefern müssen. Verstecken gilt nicht - das ist der Deal mit den Royals.

Es gibt daher Leute, die überhaupt nicht verstehen, wie sich eine moderne junge Frau im heutigen Großbritannien freiwillig in diesen goldenen Käfig setzen kann. Klar, wenn sie William für den Mann ihres Lebens hält, will sie ihn auch heiraten. Aber ist der Prinz aus der dysfunktionalen Familie wirklich eine gute Partie? "Es ist noch nicht zu spät, Kate", schrieb der frühere "Sun"-Chefredakteur Kelvin MacKenzie kürzlich. "Lauf ins Freie und ignoriere den pelzbesetzten Sarg."

Feministinnen hatten schon bei der Bekanntgabe der Verlobung die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Acht Jahre Warten auf einen Prinzen und keine eigenen Ambitionen - was das in den Köpfen von Millionen jungen Damen anrichtet! Tatsächlich scheinen nicht nur kleine Mädchen das Prinzessinnen-Dasein immer noch als etwas Erstrebenswertes anzusehen - allen abschreckenden Beispielen zum Trotz. Anders ist die öffentliche Begeisterung kaum zu erklären.

Die Middleton-Mania jedenfalls hat wenige Tage vor der Hochzeit ein Ausmaß angenommen, dass der zum Spott neigende Londoner Bürgermeister Boris Johnson sich eine sarkastische Bemerkung nicht verkneifen konnte: "Ein überwältigender Konsens wurde erreicht, dass Kate nicht nur schön, sondern auch nett und lieb und süß und charmant und höllisch diskret ist."

Der Queen dürfte das Echo auf ihre potentielle Nachfolgerin gefallen, profitiert die Monarchie doch von dem Stimmungshoch. Der neue Stern am Himmel der Windsors allerdings sollte gewarnt sein: Wer so hochgejubelt wird, kann umso tiefer fallen.



insgesamt 45 Beiträge
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Seite 1
Meckerliese 28.04.2011
1. die englische Presse
wird sie jagen wie sie Diana gejagt haben. Wartet ab. Kate wird das auf Dauer nicht durchstehen wenn nicht von Seiten der Königin ein Machtwort kommt das junge Paar in Ruhre zu lassen. Wenigstens steht William hinter ihr - anders als Charles damals bei Diana. Man kann ihr nur wünschen dass sie sich gegen den ganzen verstaubten Clan durchsetzen kann.
autocrator 28.04.2011
2. Wahrscheinlich
Die Eingangsfrage 'hält sie dem Druck eher stand als Diana' kann mit "wahrscheinlich" beantwortet werden. Für Miss Middleton ist die Heirat in der höchst klassenbewußten Gesellschaft Großbritanniens ein mehr als gewaltiger sozialer Aufstieg - den sie sich hart erarbeitet hat. Für Lady Diana Spencer, Sproß eines fast älteren Adels als das Königshaus, war der Wechsel nicht so gewaltig, mehr der Klasse als dem eigenen Zutun geschuldet. Und so sah folglich auch das Bemühen aus. Als echter Snob wird Frau Middleton eine formidable Königin werden und ihre Rolle "rollengerecht" spielen. Schön - aber langweilig ;-)
Eva1230 28.04.2011
3. Wer so lange geübt hat
muss es einfach "wuppen" - denken Sie nicht? Kate Middleton hat die wichtigsten Jahre ihres bisherigen Lebens damit zugebracht zu warten und zu sich selbst zu sagen: ich will - Prinzessin werden und das um jeden Preis. Man kann darüber denken wie man will, aber Middletons Prämisse scheint vielleicht auch diese zu sein: lieber reich und glücklich auf Zeit. Arm und unglücklich kann schließlich jeder...Aber im Ernst. Nur die zeit wird zeigen, ob der Preis den Einsatz tatsächlich wert war. Ich beneide sie nicht darum.
niepmann 28.04.2011
4. ???
Zitat von sysopKritiker*verhöhnen das englische Königshaus*als "pelzbesetzten Sarg". Kate Middleton scheint das nicht abzuschrecken. Mustergültig absolviert das royale Topmodel seine Termine, die PR-Berater des Palasts sind hochzufrieden. Hält die Bürgerliche, anders als Diana, dem Druck stand? http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,759324,00.html
Ist das nicht ein BUNTE-Thema?
unclevanya 28.04.2011
5. (royale ?) Arbeitslose in Uniform...
Vielleicht könnte SPIEGEL mal recherchieren + aufklären, wer all diese offensichtlich Arbeitslosen in Opperetten-Uniformen (bis hin zum "Hauptakteur") auf den Fotos sind + Wer das bezahlt + Wieviel, - bei den ständig beklagten leeren Kassen, wenn es um Gesundheit, Bildung, etc der Bevölkerung geht, - let alone den "Hunger in der Welt", für den Great Britain als ehemalige Kolonialmacht ja hauptverantwortlich ist. - Die Kosten für nur eines der konterfeiten Pferde zB reicht wahrscheinlich für die Ernährung mehrerer Mensch-Familien. - Da ein ähnliches Spektakel wieder unmittelbar bevorsteht, wäre es interessant zu wissen, aus welchem Etat diese wahrscheinlich riesigen Summen geschöpft werden, + was eigenlich die Zunft der Psychiater dazu zu vermelden hat, schon weil ja zu vermuten ist, daß nicht wenige der Teilnehmer direkt von der Couch zum Palast eilen werden.
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