Katholische Kirche Bistümer wollen sexuellen Missbrauch unabhängig aufklären lassen

Bis heute tut sich die katholische Kirche mit der Aufarbeitung von Missbrauchstaten schwer. Nun sollen Betroffene und Experten gemeinsam mit Kirchenvertretern einen erneuten Versuch wagen.
Teilnehmer der Deutschen Bischofskonferenz

Teilnehmer der Deutschen Bischofskonferenz

Foto: Maurizio Gambarini/ picture-alliance/ dpa

Die katholischen Bistümer in Deutschland wollen sexuellen Missbrauch in der Kirche unabhängig aufarbeiten lassen. Der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) einigte sich auf eine "Gemeinsame Erklärung über verbindliche Kriterien und Standards für eine unabhängige Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche in Deutschland", wie die DBK mitteilte.

Ziel der Erklärung sei die umfassende, vergleichbare und abgestimmte Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in den deutschen Diözesen. Dazu sollen Strukturen etabliert werden, die eine transparente und unabhängige Aufarbeitung gewährleisten. Betroffene und Experten sollen ausdrücklich einbezogen werden.

Der DBK-Missbrauchsbeauftragte, Bischof Stephan Ackermann, und der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, hatten die Erklärung gemeinsam ausgearbeitet. Im vergangenen Jahr hatte die DBK bereits einen Betroffenenrat gegründet.

Opfervertreter kritisieren Schmerzensgeld als zu niedrig

Erst vor Kurzem hatten sich Vertreter von Opfern entrüstet gezeigt, als die Katholische Kirche ihr Konzept zur Entschädigung von Missbrauchsopfern vorstellte. Die Schmerzensgeldzahlungen seien viel zu niedrig. "Die Kirche in Deutschland ist nicht bereit, für ihre Verbrechen die Verantwortung zu übernehmen und ihren Opfern eine Entschädigung anzubieten", sagte Matthias Katsch, Sprecher der Initiative "Eckiger Tisch".

Im Jahr 2018 hatte die Kirche die sogenannte MHG-Studie und damit schockierende Zahlen zu sexuellem Missbrauch öffentlich gemacht. Die Studie wurde unter anderem kritisiert, weil die Wissenschaftler keinen direkten Zugang zu den Personalakten hatten. Betroffene hatten zuvor "diözesane Aufarbeitungskommissionen" gefordert, die konkrete Fälle herausarbeiten und auch thematisieren, von wem mutmaßliche Täter möglicherweise gedeckt wurden.

Immer wieder werden auch heute noch Fälle bekannt, in denen Priester trotz konkreter Vorwürfe im Amt blieben - so etwa ein Priester in Köln, der sogar wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt worden war.

lmd/dpa