Katholische Kirche Chinesen spielen Papst

Eine Zeitlang sah es aus, als fände die Eiszeit zwischen dem Kommunisten-Regime in Peking und dem Pontifex in Rom ein Ende. Doch die eigenmächtige Ernennung zweier Bischöfe durch die staatsnahen Katholiken in China hat solche Hoffnungen vorerst zunichte gemacht.


Hamburg - Zwischen der Volksrepublik China und dem Vatikan herrscht seit 1949 eisiges Schweigen. Der Vatikan gehört zu den wenigen Staaten, die Taiwan anerkennen, mit dem kommunistischen China gibt es keine diplomatischen Beziehungen. Nach der Ernennung des Hongkonger Erzbischofs Joseph Zen zum Kardinal vor einigen Wochen hatten Vatikanbeobachter bereits eine Annäherung von Vatikan und chinesischer Staatsführung ausgemacht. Unter Papst Benedikt XVI., so spekulierte beispielsweise die "Neue Zürcher Zeitung" komme ins Rollen, was unter seinem strikt anti-kommunistischen Vorgänger Karol Wojtyla völlig undenkbar gewesen wäre.

Chinesische Nonnen bei einer der beiden Bischofsweihen: "Verletzung der Religionsfreiheit"
REUTERS

Chinesische Nonnen bei einer der beiden Bischofsweihen: "Verletzung der Religionsfreiheit"

In den vergangenen Jahren haben sich die Regierung in Peking und der Vatikan langsam an eine Aufnahme formeller Beziehungen herangetastet. Mögliche Verhandlungen über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen haben mit der Machtdemonstration Pekings nun allerdings einen Dämpfer bekommen. Papst Benedikt XVI. kritisierte China mit ungewöhnlich scharfen Worten wegen der Weihung von Bischöfen ohne Zustimmung des Vatikans. Die Ernennungen seien eine "schwere Verletzung der Religionsfreiheit", ließ das Oberhaupt der römisch- katholischen Kirche heute erklären.

Gestern hatte die staatlich unterstützte katholische Kirche in China zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage einen Bischof ohne Billigung des Vatikans geweiht. Der Streit belastet die Bestrebungen zur Aufnahme formeller Beziehungen zwischen beiden Staaten.

"Der Heilige Vater hat die Nachrichten mit großem Unmut aufgenommen", teilte der Vatikan mit. Der Kirchenstaat habe Informationen erhalten, wonach Bischöfe und Priester unter großem Druck stünden, an den Amtseinführungen teilzunehmen. Die Ordinationen seien "illegitim". Die beiden Bischöfe wurden exkommuniziert - außerdem zwei weitere Bischöfe, die die Zeremonie ohne Einwilligung aus Rom geleitet hatten. In einer Stellungnahme erklärte Vatikan-Sprecher Joaquin Navarro-Valls, ein solches Vorgehen sei nach Kirchenrecht unausweichlich.

Bischof Liu Xinhong war gestern in der ostchinesischen Provinz Anhui ohne Zustimmung des Vatikans in sein Amt eingeführt worden. Das Kabelfernsehen in Hongkong strahlte Bilder der Zeremonie aus, an der laut Kirchenangaben mehrere hundert Gläubige teilnahmen. Am Sonntag hatte die chinesische Kirche Ma Yinglin zum Bischof der südwestlichen Provinz Yunnan ernannt.

China spricht von demokratischen Bischofsweihen

Bei beiden Ernennungen habe der Vatikan im letzten Moment vergeblich interveniert, berichtete die Hongkonger "South China Morning Post". Gegen Liu Xinhong, der dem kommunistischen System "sehr nahe" stehe, habe der Vatikan im Februar protestiert, berichtete die katholische Nachrichtenagentur AsiaNews. Liu Xinhong habe ursprünglich die Ablehnung des Vatikans akzeptiert, jetzt aber vermutlich auf Druck der Kirchenführung seiner Bischofsweihe zugestimmt.

China verteidigte die Ernennungen als demokratisch, weil sie den Willen der meisten Gläubigen respektierten. "Also ergibt die Verurteilung durch den Vatikan keinen Sinn", hieß es in einer Mitteilung des Außenministeriums in Peking. Die Regierung hoffe, dass der Kirchenstaat zu einer Atmosphäre beitragen könne, um das Verhältnis zwischen beiden Seiten zu verbessern.

Die "Patriotische Katholische Vereinigung" an der Spitze der Staatskirche, die den Papst nicht anerkennt, entfernte sich damit weiter von der Praxis, nur Bischöfe zu ernennen, die auch vom Vatikan anerkannt sind. Im Gegenzug wollte der Papst von der Ernennung von Bischöfen der Untergrundkirche absehen, die loyal zu ihm steht, berichtete AsiaNews.

Nach unbestätigten Berichten soll die Ernennung von 20 weiteren Bischöfen vorbereitet werden. Der Hongkonger Kardinal Joseph Zen protestierte gegen die Bischofsweihen. Als Reaktion empfahl der Kardinal einen Abbruch des Dialogs zwischen dem Vatikan und Peking.

dab/reuters/AP



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.