Katholische Kirche Schonung für pädophile Priester

Die katholischen Bischöfe in den USA haben einen Maßnahmenkatalog gegen pädophile Priester beschlossen. So können Priester, die sich des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht haben, auch aus ihrem Amt entlassen werden. Das soll aber nur in Ausnahmefällen geschehen.


Rund 250 amerikanische Bischöfe berieten in Dallas den Umgang mit pädophilen Priestern
DPA

Rund 250 amerikanische Bischöfe berieten in Dallas den Umgang mit pädophilen Priestern

Dallas - Eine generelle Amtsenthebung ist in der von der Tagung der US-Bischöfe in Dallas gefassten Entschließung nicht vorgesehen. Im Einzelfall sollen die Diözesen darüber entscheiden. Wenn pädophile Priester im Amt bleiben, müssen sie jedoch in einer nicht-öffentlichen Position innerhalb der Kirche beschäftigt werden. Außerdem dürfen sie keine Messen mehr abhalten und nicht in Kontakt mit Kindern kommen.

In ihrer mit 239 gegen 13 Stimmen gefassten Entschließung blieben die US-Bischöfe hinter den Forderungen der Opfer sexuellen Missbrauchs durch Kirchenmitarbeiter zurück. Diese hatten die so genannte Zero Tolerance, die generelle Entlassung aller Pädophilen aus dem Priesteramt, gefordert. Außerdem verlangten sie auch Maßnahmen gegen Bischöfe, die wissentlich pädophile Priester weiter beschäftigt haben, sowie mehr Mitsprache für Laien. In der neuen Entschließung, die noch vom Vatikan in Rom genehmigt werden muss, wird eine Verantwortung der Bischöfe im Sexskandal jedoch nicht angesprochen.

Zum Auftakt der Frühjahrstagung hatte sich der Präsident der Bischofskonferenz bei den Opfern entschuldigt. "Ich biete jedem von ihnen, der von einem Priester oder einem Kirchenangestellten Leid erfahren hat, meine tiefst empfundene Entschuldigung an", sagte der schwarze Bischof Wilton Gregory aus Belleville, Illinois. "Was wir Bischöfe getan und was wir unterlassen haben, hat zu dem Missbrauch beigetragen." Die von den Bischöfen verabschiedete "Charta zum Schutz von Kindern und jungen Menschen" muss nun vom Vatikan in Rom genehmigt werden

Seit Anfang der sechziger Jahre sind nach Ermittlungen der "Washington Post" mindestens 850 Fälle bekannt geworden, in denen katholische Priester Kinder oder Jugendliche sexuell missbraucht haben. Hunderte von Geistlichen seien entlassen worden, hieß es. Die Kirche soll an Opfer rund eine Milliarde Dollar Entschädigung gezahlt haben.



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