Zur Ausgabe
Artikel 22 / 65
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Deutsches Missbrauchsopfer fordert Aufklärung "Der Papst sollte die Geheimarchive im Vatikan öffnen"

Matthias Katsch sorgte als Betroffener dafür, dass Tausende Missbrauchsfälle in katholischen Einrichtungen publik wurden. Er will, dass sich Täter und deren Vorgesetzte strafrechtlich verantworten müssen.
Ein Interview von Felix Bohr
aus DER SPIEGEL 3/2020
Philosoph Katsch vor dem Petersdom in Rom

Philosoph Katsch vor dem Petersdom in Rom

Foto:

STEFANO DAL POZZOLO / KNA

Matthias Katsch, 56, ist Philosoph und lebt in Offenburg. 2010 deckte er den Missbrauch am Berliner Canisius-Kolleg mit auf. Er selbst wurde dort als Schüler missbraucht und gründete die Betroffeneninitiative "Eckiger Tisch". Sein Buch "Damit es aufhört" erscheint am Dienstag.

SPIEGEL: Sie haben gerade im Canisius-Kolleg einen Vortrag gehalten. Wie war es für Sie, an diesen Ort zurückzukehren?

Katsch: Ich fühlte mich wieder in die Schulzeit zurückversetzt. Die Veranstaltung fand im Dachgeschoss in einem neu geschaffenen Raum statt. Dort befanden sich früher die Zellen der jungen Jesuitenpriester, auch die des Serientäters Wolfgang S. Da bin ich viele Male gewesen. Bei so einem Vortrag ist meine Sorge, dass mich die Bilder aus der Kindheit einholen und blockieren. Eine solche Erfahrung machen Betroffene oft.

SPIEGEL: Ist das bei Ihnen auch so?

Katsch: Ich habe daran gearbeitet. Es gab Situationen, in denen ich weinen musste. Aber man lernt auch mit therapeutischer Hilfe, dass man die Emotionen nicht überschwappen lassen darf und sich nicht in den Sog der Vergangenheit ziehen lässt. Man sagt sich, ich bin im Hier und Jetzt und habe eine Aufgabe zu bewältigen.

SPIEGEL: Im Januar 2010 schrieb der damalige Leiter des Canisius-Kollegs, Pater Klaus Mertes, einen Brief an 600 ehemalige Schüler, in dem er die systematischen Übergriffe von Patern an dem Jesuitengymnasium offenlegte. Wie kam es dazu?

Katsch: Kurz zuvor hatten zwei Mitschüler und ich Mertes offenbart, was uns widerfahren war. Wir wollten die Adressen aus dem Alumniverteiler haben, um an unsere Kameraden zu schreiben. Aufgrund des Tatmusters gingen wir von einer großen Opferzahl aus. Mertes entschied, den Brief selbst zu schreiben.

SPIEGEL: Sie zielten gar nicht auf eine öffentliche Wirkung?

Jetzt weiterlesen mit SPIEGEL+

Jetzt weiterlesen. Mit dem passenden SPIEGEL-Abo.

Besondere Reportagen, Analysen und Hintergründe zu Themen, die unsere Gesellschaft bewegen – von Reportern aus aller Welt. Jetzt testen.

  • Alle Artikel auf SPIEGEL.de frei zugänglich.

  • DER SPIEGEL als E-Paper und in der App.

  • Einen Monat für 1,- € testen.

Einen Monat für 1,- €
Jetzt für 1,- € testen

Sie haben bereits ein Digital-Abonnement? Hier anmelden

Weiterlesen mit SPIEGEL+

Mehr Perspektiven, mehr verstehen.

Freier Zugang zu allen Artikeln, Videos, Audioinhalten und Podcasts

  • Alle Artikel auf SPIEGEL.de frei zugänglich

  • DER SPIEGEL als E-Paper und in der App

  • DER SPIEGEL zum Anhören und der werktägliche Podcast SPIEGEL Daily

  • Nur € 19,99 pro Monat, jederzeit kündbar

Sie haben bereits ein Digital-Abonnement?

SPIEGEL+ wird über Ihren iTunes-Account abgewickelt und mit Kaufbestätigung bezahlt. 24 Stunden vor Ablauf verlängert sich das Abo automatisch um einen Monat zum Preis von zurzeit 19,99€. In den Einstellungen Ihres iTunes-Accounts können Sie das Abo jederzeit kündigen. Um SPIEGEL+ außerhalb dieser App zu nutzen, müssen Sie das Abo direkt nach dem Kauf mit einem SPIEGEL-ID-Konto verknüpfen. Mit dem Kauf akzeptieren Sie unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzerklärung.

Zur Ausgabe
Artikel 22 / 65
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.